Mit allen Mitteln zum Turniersieg

Christian Karn. Mainz.
Der Heimvorteil hat sich durchgesetzt. In einem intensiven, umkämpften, oft sehr hässlichen Endspiel gewann Australien mit einem 2:1 nach Verlängerung gegen Südkorea erstmals die Asienmeisterschaft. Die Gastgeber gingen in der 44. Minute in Führung, kassierten in der Nachspielzeit den Ausgleich und trafen nach exakt 105 Minuten zum späteren Sieg. Dabei hatten sie jedoch großes Glück, das Spiel zu elft zu beenden anstatt zu neunt oder gar zu acht. Joo-Ho Park vom FSV Mainz 05 wurde nach 71 Minuten ausgewechselt.

Schon in der zweiten Minute zeigte der australische Kapitän Mile Jedinak, was Südkorea erwartete. Bayer Leverkusens Außenstürmer Heung-Min Son musste lange behandelt werden, nachdem der Mittelfeldspieler von Crystal Palace ihm auf den Fuß getreten war und ihm die Schulter ins Gesicht gerammt hatte, kam aber wieder zurück ins Spiel und hielt bis zum Ende durch. Die erste Gelbe Karte gab es drei Minuten später für ein Foul an Joo-Ho Park, es war eher technisches Gelb. Parks Gesundheit war nicht in Gefahr, der Rechtsverteidiger Ivan Franjic (Brisbane Roar) hatte ihn nur festgehalten.

Joo-Ho Park kommt zurück in die Bundesliga. Im Finale der Asienmeisterschaft wurde der Mainzer in der 71. Minute ausgewechselt. Foto: imagoPark spielte eine interessante Rolle im südkoreanischen Team. Gegen den Ball stellte Uli Stielike ein flaches 4-4-2, bei dem Linksaußen Park etwas tiefer spielte als Rechtsaußen Son - vielleicht lag das einfach an den unterschiedlichen Gewohnheiten des Mainzer Linksverteidigers und des Leverkusener Angreifers. In Ballbesitz war Park durchaus ein Offensivspieler, der aber im Gegensatz zu Son nicht in die Mitte zog, sondern an der Linie blieb.

Jedinak rüpelte derweil weiter, schubste in der 10. Minute den koreanischen Zehner Tae-Hee Nam herum und gewann auch den folgenden Machtkampf mit dem einen Kopf kleineren Schiedsrichter. Dieser ließ sich vom Publikum beeindrucken und vom Kapitän in seiner Ansprache einfach beiseite schieben. Mittelfeldspieler Mark Milligan (Melbourne Victory) trat Hyun-Soo Jang vom Platz; der Sechser, der Parks gewohnte Position übernommen hatte, kam ebenfalls zurück (20./22.). Das Bild, das die australische Nationalmannschaft in den letzten Monaten abgab, änderte sich also nicht: Die Gastgeber traten brutal, rücksichtslos auf, bekamen oft auch dann Freistöße gegen sich, wenn sie den Ball gespielt hatten - wegen unverhältnismäßiger Härte im Zweikampf. Nach einem dieser Freistöße köpfte Son den Ball knapp vorbei (24.). Im folgenden Konter löste sich der australische Star Tim Cahill wunderbar aus dem Rücken von Innenverteidiger Tae-Hwi Kwak, der gar nicht damit gerechnet hatte, dass der Pass aus dem Rückraum gefährlich werden könnte - Torwart Jin-Hyeon Kim hielt den Schuss.

Franjic flirtete erstmals mit dem Platzverweis, als er in der 34. Minute Nam in die Bande checkte. Son hatte daraufhin die erste große Chance seiner Mannschaft, nahm die Flanke des Hoffenheimers Jin-Su Kim volley, verfehlte aber das Tor (37.). Jedinak räumte Sung-Yong Ki ab und sah immer noch nicht Gelb (38.), nach dem Freistoß legte der Ex-Mainzer Du-Ri Cha mit einem schnellen Antritt auf dem rechten Flügel Son die nächste Chance auf - abgefälscht über das Tor.

Einer der harmloseren Zweikämpfe: Matt Spiranovic gegen Heung-Son Min, der in dieser Szene zum 1:1 trifft. Neben dem Koreaner: Mile Jedinek, der Chef auf dem Platz. Foto: imagoKurz kurios wurde es in der 41. Minute: Abseits vom Ball ließ Jason Davidson (Heracles Almelo) ein koreanisches Trikot einfach nicht los. Es gab Freistoß auf der Strafraumlinie, ganz Australien wollte das mit dem Schiedsrichter ausdiskutieren, baute schließlich inklusive drei Koreanern eine Zwölf-Mann-Mauer - und heraus kam ein lockeres Lupferchen, das der Torwart in aller Ruhe auffing. Das Spiel stand sehr kurz vor der Eskalation, als der Ingolstädter Mathew Leckie im Mittelfeld mit beiden Armen Park niederrang, beruhigte sich aber wieder.

Und Australien ging in Führung. Nicht als stärkere, nicht als schwächere Mannschaft in einem letztlich offenen Spiel. Massimo Luongo vom englischen Drittligisten Swindon Town schoss aus 20 Metern aus der Drehung hart und flach ins rechte Eck - manch ein Torwart hätte den Ball gehalten.

Daraufhin nahmen die Australier etwas Härte aus dem Spiel. Konnten sich das leisten, weil die Koreaner den Weg zum Tor nicht fanden. Kwaks Kopfball in der 59. Minute auf den Mann war lange die einzige wenigstens leidlich nennenswerte Torchance für die Gäste, Leckies Schuss im Gegenangriff die einzige für Australien. Der Ingolstädter war weit außen, machte viel aus der Situation, brachte einen Ball aufs Tor, den der Torwart allerdings halten musste und hielt. Für Robbie Kruse war kurz darauf Schluss; der Leverkusener musste lange behandelt werden vor seiner Auswechslung und ist offenbar der einzige Verletzte in diesem harten Spiel. Es passierte in einer Phase, in der auch die Koreaner etwas mehr austeilten. Park wurde kurz darauf ebenfalls ausgewechselt - offenbar taktisch, nicht verletzungsbedingt.

Und die Koreaner bemühten sich um den Ausgleich, kamen aber nur durch Standards zum Tor. Stielike wollte schließlich den Ausgleich erzwingen, brachte den Innenverteidiger Ju-Young Kim für den Mittelstürmer Jung-Hyup Lee, der das Siegtor beim 1:0 im Gruppenspiel gegen Australien geschossen hatte, diesmal kaum Wirkung zeigte, und schickte den großen, wuchtigen Kwak nach vorne.

Und das war eine ausgezeichnete Idee. Der Mann vom saudi-arabischen Al-Hilal FC, mit 33 Jahren nach Cha der zweitälteste Spieler im Kader, war zu Beginn des Turniers nur ein Ersatzspieler, ab dem dritten Gruppenspiel aber eine der wichtigsten Figuren im koreanischen Spiel, derjenige, der die Abwehr stabilisierte. Und nun einer der drei, die sich in der 91. Minute mit kurzen Pässen halblinks in den Strafraum kombinierten, schließlich Son vorschickten - und der rettete die Koreaner in die Verlängerung.

Jetzt wurde es interessant: Alle sechs Wechsel waren vorgenommen, Australiens Trainer Ange Postecoglu hatte dabei zwei Gelbe Karten vom Platz genommen, aber noch drei übrig. Wer würde länger durchhalten?

Das australische Publikum führte weiterhin seinen Psychokrieg gegen jeden gefoulten oder im Zweikampf liegengebliebenen Koreaner. Matt Spiranovic kam nach einem harten Angriff auf den eingewechselten Angreifer Keun-Hon Lee ohne Gelb-Rote Karte davon (98.). Kwak blieb Stürmer, rochierte etwas mit Lee, ließ sich gelegentlich auf den rechten Flügel fallen. Und war daher weit weg, als das 2:1 fiel.

Torschütze war der für Kruse eingewechselte James Troisi, der seit Sommer Juventus Turin gehört, aber in Belgien für den SV Zulte Waregem spielt. Eigentlich aber gehört das Tor einem anderen Einwechselspieler, Tomi Juric von den Western Sydney Wanderers. Der wurde an der Grundlinie, direkt neben dem Strafraum, von zwei Koreanern angestochert, vom Hoffenheimer Kim und von Son. Lag zweimal auf dem Bauch. Bekam den Freistoß nicht. Weigerte sich partout, den Ball herauszugeben. Verteidigte ihn gegen beiden und gegen die Grundlinie. Und war plötzlich an Kim und Son vorbei, schoss hart aus spitzestem Winkel aufs Tor. Der Torwart wehrte nach vorne ab. Vor Troisis Füße (105.).

Und das war der letzte Höhepunkt. Erst in der 121. Minute wühlten sich die Koreaner noch ein letztes Mal in den Strafraum, kamen aber im Abseits heraus. Und verloren das Finale. Nach Shinji Okazaki und Ja-Cheol Koo kann damit auch Park wieder zu seinem Verein kommen.