Minusrekord und Negativ-Tendenz

Jörg Schneider. Mainz.
23.371 Zuschauer sahen den Heimsieg des FSV Mainz 05 am 20. Spieltag gegen den FC Augsburg. Noch nie zuvor seit der Eröffnung der Arena kamen so wenige Besucher zu einer Bundesliga-Partie der 05er, obwohl sich deren Heimbilanz sehen lassen kann. Dennoch liegt der Zuschauerschnitt weit hinter dem der Vorsaison zurück. „Wir versuchen ständig, die Mannschaft attraktiver zu machen“, sagt Rouven Schröder, der auch Kritikpunkte am Stadionumfeld in der Ursachenforschung berücksichtigt. „Wir haben die Dinge aufgenommen, die uns zugetragen wurden. Wir sind aufnahmefähig für neue Ideen, was Veränderungen im Stadionbereich und drum herum angeht. Wir sind auch dabei Sachen umzusetzen und einiges neu auf die Beine zu stellen.“

Viele leere Plätze beim Heimsieg der 05er gegen den FC Augsburg. Seit der Eröffnung sahen noch nie so wenige Zuschauer ein Bundesligaspiel in der Arena. Foto: ImagoMit dem souveränen und ungefährdeten 2:0-Erfolg über den FC Augsburg hatte sich der FSV Mainz 05 am vergangenen Freitagabend vorübergehend auf Platz neun der Bundesligatabelle geschoben. Nach Abschluss dieses 20. Spieltages steht die Mannschaft auf Platz zwölf mit 25 Punkten. Die übrigen Ergebnisse zeigen, wie wichtig dieser Sieg war, mit dem sich das Team am direkten Konkurrenten vorbei geschoben hat und nun punktgleich mit dem FC Schalke 04 dasteht. Der Abstand auf den Relegationsplatz, den nun der SV Werder Bremen (der 05-Gegner im kommenden Heimspiel am Samstag) einnimmt, haben die 05er auf neun Zähler ausgebaut. Der Abstand zum einstelligen Tabellenplatz, den augenblicklich Bayer Leverkusen hält, beträgt nur zwei Punkte. „Dieser Sieg war vor allem auch wichtig für uns selbst“, sagt Rouven Schröder. „Das Ergebnis und die Leistung geben uns noch ein Stück mehr Selbstvertrauen. Wir haben am Samstag nun wieder ein Heimspiel. Das ist ein wichtiges Faustpfand. Wir werden weiter hart arbeiten, uns konzentriert vorbereiten, um erneut dreifach zu punkten“, betont der Sportdirektor. „Das Spiel gegen die Augsburger hat aber auch gezeigt, wie wichtig es ist auf sich selbst zu schauen und eine entsprechende Leistung auf den Platz zu bringen.“

Die Leistung der 05-Profis war gut. Die Mannschaft von Martin Schmidt zeigte dabei eine deutliche Reaktion auf die vorangegangene Pleite in Hoffenheim und war vor allem von der Einstellung her, mit ihrer Laufbereitschaft und ihrem kämpferischen Auftritt dem Gegner deutlich überlegen. Immer wieder angetrieben von den eigenen Zuschauern, die eine besondere Fußballstimmung in der Opel Arena erzeugten. Auch wenn noch nie zuvor so wenig Zuschauer ein Bundesligaspiel in diesem Stadion sehen wollten. 23.371 Besucher. Absoluter Minusrekord. Und eine Tendenz, die den Verantwortlichen Sorge bereitet.

Weder der flammende Appel des Sportdirektors im Vorfeld, noch die Aussicht auf eine Portion Raclette mit einem Glas Weißwein, das die zur Unterstützung angereiste Delegation aus dem Wallis vor dieser Partie dem Publikum kostenlos offerierte, halfen dem Klub das Zuschauerinteresse zu steigern. In der laufenden Saison waren nur die Spiele gegen Bayern München und Borussia Dortmund wie immer ausverkauft. Die Partie gegen den HSV schaffte es knapp über die 30.000er Marke. Doch schon im vergangenen Herbst hatten die Zuschauerzahlen in den Begegnungen mit dem FC Ingolstadt (24.197) und Bayer Leverkusen (25.274) neue Tiefststände erreicht. Im Vergleich dazu: Zu den vorangegangenen Duellen mit den Augsburgern, die sicher nicht als Publikumsmagnet gelten, kamen in den vergangenen Spielzeiten im Schnitt 28.585 Besucher. Insgesamt hat der Verein in dieser Saison bis heute 284.192 Zuschauer bei seinen zehn Bundesliga-Heimspielen begrüßen dürfen. Im Schnitt also 28.419. Damit liegen die 05er weit hinter den Zahlen des Vorjahres zurück. In der Saison 15/16 kamen im Schnitt immerhin 31.052 Zuschauer. Die Arena war viermal ausverkauft (Bayern, Dortmund, Darmstadt, Hamburg), gegen Eintracht Frankfurt und Hertha BSC so gut wie.

Fastnacht? Winter? Strukturreform?

Mit Wehmut dürften die Verantwortlichen derzeit auf das erste Jahr im neuen Stadion zurückblicken. In ihrer ersten Saison 2011/12 war die Arena insgesamt zehnmal ausverkauft. Die Zuschauerzahlen fielen damals nie unter die 30.000er Grenze. Die Gründe für den Zuschauer-Rückgang sind vielschichtig und können eigentlich wenig mit der sportlichen Situation der Mannschaft zu tun haben. Die hat sich in all den Jahren nicht wesentlich verändert. Sicherlich, die Fastnachtszeit mit diversen Sitzungen in der Stadt und im Umland, dürfte aktuell eine Ursache für das mangelnde 05-Interesse sein. Die eisigen Temperaturen. Doch diese Umstände führten in den vergangenen Jahren nicht zu solch gravierenden Zuschauer-Einbußen. Die Diskussionen um die Führungsspitze der 05er im Rahmen der Strukturreform sollte sicherlich nicht außer Acht gelassen werden. Auch mangelnder Komfort um das Stadion herum gehört sicherlich zu den Faktoren. In den diversen Foren gibt es zahlreiche weitere Kritikpunkte und Erklärungen, warum für viele Fans ein Heimspiel der 05er nicht mehr die Priorität genießt, wie das früher mal der Fall war. Auch wenn nicht alle Argumente auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen.

„Wir wollen das Thema nicht zur Dauerschleife werden lassen, aber klar, es zieht sich durch die ganze Saison“, sagt Rouven Schröder. „Wir haben die Dinge aufgenommen, die uns zugetragen wurden. Wir sind aufnahmefähig für neue Ideen, was Veränderungen im Stadionbereich und drum herum angeht. Wir sind auch dabei Sachen umzusetzen und einiges neu auf die Beine zu stellen.“ Der 41-Jährige, der noch nicht ganz ein Jahr für den Verein arbeitet, macht sich viele Gedanken über die Situation, ohne jedoch dem Rätsel genau auf die Spur zu kommen. „Ich habe auch keine Ahnung, ob vielleicht eine gewisse Übersättigung da ist“, sagt der Sportdirektor. Tendenzen dafür sieht er in der Bundesliga allgemein allerdings nicht. Zumindest nicht in den Ausmaßen wie in Manz. „Rein sportlich gesehen spielen wir trotz verschiedener Rückschlage trotzdem eine erfolgreiche Saison“, sagt Schröder. „Vor allem trotz der Doppelbelastung, die wir hatten und die vor der Runde stark thematisiert worden war. Es ist nicht selbstverständlich, dass Mainz 05 da steht. Besonders nicht im Vergleich der wirtschaftlichen Voraussetzungen.“ Bayer Leverkusen zwei Punkte besser. Borussia Mönchengladbach mit einem Zähler mehr. Die Mainzer punktgleich mit Schalke 04. Ein Punkt mehr als der VfL Wolfsburg. Sechs mehr als der Hamburger SV. Neun Punkte vor Werder Bremen. „Das sind ganz andere Kaliber um uns herum. Wir müssen glücklich sein, wenn Mainz 05 in diesem Bereich mithält.“

Nach wie vor hat das 05-Team seit seinem Wiederaufstieg im Jahr 2009 noch nie auf einem Abstiegsplatz gestanden. „Wir versuchen ständig, die Mannschaft attraktiver zu machen“, sagt Schröder. „Ich finde, wenn sie so spielt wie am Freitag gegen die Augsburger, dann spielt sie auch attraktiv.“ Fünf Siege in dieser Saison, dazu drei Unentschieden gegen Hoffenheim, Köln und Dortmund, die alle in der Tabelle deutlich weiter vorne stehen, haben Schmidt und dessen Profis in der laufenden Runde zu Hause geholt. Im Kalenderjahr 2016 gab es insgesamt acht Heimsiege und vier Unentschieden. In den vergangenen zwölf Monaten gab’s in der Arena nur drei Niederlagen. An der fehlenden Heimstärke kann der Zuschauerrückgang nicht liegen.

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