Midtjylland, Marijampole, Mainz

Christian Karn. Mainz.
Gestern loste die UEFA aus, dass die Europa-League-Qualifikation unter anderem mit dem Duell des FC Midtjylland mit dem FK Suduva Marijampole beginnt. Bis der FSV Mainz 05, einer der 16 direkt für die Gruppenphase qualifizierten Klubs, am 26. August aus einem Lostopf gezogen wird, müssen nach diesen ersten Qualifikationspartien noch drei weitere K.o.-Runden ausgespielt werden. So werden nicht nur die 32 weiteren Teilnehmer der Gruppenphase ermittelt, sondern auch, in welchem Lostopf das Papierchen mit dem Mainzer Vereinsnamen liegen wird. Die nullfünfMixedZone erklärt, wie das alles ablaufen wird.

Am Montag wurde festgelegt, dass kommenden Donnerstag der dänische Meisterschafts-Dritte FC Midtjylland gegen den Vierten Litauens spielt, den FK Suduva Marijampole. Im großen Weltfußball wird diese Partie, die am folgenden Donnerstag in Litauen wiederholt wird, ohne große Beachtung bleiben. Für den FSV Mainz 05 ist sie dennoch von gewisser Bedeutung, weil mit ihrer Auslosung die Europapokalsaison 2016/17 begann, in die die 05er im September einsteigen werden.

Irgendjemand, also (wenn's normal läuft) der FC Sevilla, wird am 24. Mai 2017 in der Friends Arena bei Stockholm die Europa League gewinnen. Foto: imago96 Klubs erfuhren gestern ihren Gegner in der ersten von drei Qualifikationsrunden. Darunter sind eher unbekannte Vereine wie der sanmarinesische Pokalsieger SP La Fiorita (steht gegen den ungarischen Tabellendritten Debreceni VSC vor einer kaum lösbaren Aufgabe) oder der FC Infonet Tallinn, Vierter in Estland und nun Gegner des schottischen Dritten Hearts of Midlothian, aber auch bekannte Klubs wie der israelische Vizemeister Maccabi Tel Aviv (spielt gegen den slovenischen Vierten ND Gorica), der dänische Vierte Bröndby IF (spielt gegen den isländischen Pokalsieger Valur Reykjavík), der einstige schwedische Europapokalsieger IFK Göteborg (spielt gegen den Llandudno FC, den walisischen Dritten) oder der FC Vaduz, der in Liechtenstein mit sehr wenigen Ausnahmen jedes Jahr Pokalsieger wird - kein Wunder, schließlich ist der Hauptstadtklub der einzige Erstligist des kleinen Landes am Rhein; alle Gegner spielen in der vierten Liga oder tiefer, in diesem Sommer gab es im Finale ein 11:0.

Und sollte sich der FC Vaduz gegen den mazedonischen Dritten FK Sileks aus Kratovo durchsetzen, wäre er der nächste Gegner des FC Midtjylland oder des FK Suduva Marijampole; der Einfachkeit halber hat die UEFA die zweite Qualifikationsrunde auch schon ausgelost. Es ist die Runde, in der neben den Gewinnern der ersten Runde beispielsweise Lewski Sofia, die Zürcher Grasshoppers, Slavia Prag, Partizan Belgrad, Hajduk Split und Austria Wien auftauchen, gespielt wird am 14. und am 21. Juli.

Schon am 15. Juli, dem Tag nach den Hinspielen, werden die Partien der dritten Qualifikationsrunde gezogen; die UEFA muss sich so beeilen, weil schon am 28. Juli West Ham United, Hertha BSC, Spartak Moskau, AEK und Panathinaikos Athen, die insgesamt 25 Neueinsteiger in dieser Runde, ihre Hinspiele bestreiten. Und ein bisschen Vorbereitungszeit brauchen die Vereine, um ihre Auswärtsfahrten zu organisieren.

Am 5. August, dem Tag nach den Drittrunden-Rückspielen, wird die Playoff-Runde ausgelost; "1. FSV Mainz 05" wird immer noch nicht auf den Papierchen in den großen Kunststoffkugeln stehen. Sondern die Namen aller Vereine, die die ersten drei Runden überstanden haben, und die fünfzehn Klubs, die in der dritten Champions-League-Qualifikationsrunde ausgeschieden sind. Roter Stern Belgrad könnte in die Europa League herunter kommen, Celtic Glasgow, Olympiakos Piräus, Fenerbahce, Ajax Amsterdam, AS Monaco, weitere namhafte Vereine - aber manch einer dieser Klubs wird es in die Champions-League-Playoffs schaffen (und von dort im Falle einer Niederlage in die Europa-League-Gruppenphase geschickt werden). Die Europa-League-Playoffs, die letzte K.o.-Runde vor der Gruppenphase, werden am 18. und am 25. August gespielt.

26. August: Mainz 05 ist in der Auslosung

Und der 26. August ist der Tag, an dem es für den FSV Mainz 05 richtig interessant wird. In Monaco wird dann die Gruppenphase ausgelost. In den Töpfen werden sein: Die 22 Klubs, die nach der Playoff-Runde immer noch im Wettbewerb sind. Die zehn Verlierer der Champions-League-Playoffs. Und 16 weitere Vereine, die sich über ihre Liga oder ihren Pokal direkt für die Gruppenphase qualifiziert haben: Der Fünfte und Sechste Spaniens, Athletic Bilbao und Celta Vigo. Der Pokalsieger und Sechste Englands, Manchester United und der Southampton FC. Der Vierte und Fünfte Italiens, Inter Mailand und AC Florenz. Der portugiesische Pokalsieger SC Braga, der französische Vierte OGC Nizza, der russische Pokalsieger Zenit St. Petersburg, der ukrainische Vierte Sorja Luhansk (der wegen der Disqualifikation von Dnipr Dnipropetrowsk nachrückte), die Pokalsieger der Niederlande, Belgiens und der Schweiz, nämlich Feyenoord Rotterdam, Standard Lüttich und der FC Zürich, sowie der türkische Dritte Konyaspor, ebenfalls ein Nachrücker für den disqualifizierten Pokalsieger Galatasaray. Und aus der Bundesliga der Fünfte und Sechste, Schalke 04 und Mainz 05.

Zum Bundesligaduell wird es in der Gruppenphase, die vom 15. September bis zum 8. Dezember ausgespielt wird, nicht kommen; das ist eine der Einschränkungen bei der Auslosung. Auch Topspiele wie Manchester United gegen Inter Mailand wird es nicht geben. Denn die 48 Teilnehmer werden nach ihrer Leistungsstärke - gemessen als Klub-Koeffizient - in vier Lostöpfe sortiert. Deren Ermittlung ist wahnsinnig komplex und sei hier nur grob zusammengefasst:

Shinji Okazakis Siegtor gegen Asteras Tripolis war vor zwei Jahren nicht viel wert: Ernsthaft Punkte für den Klub-Koeffizienten gibt es erst ab der Gruppenphase. Foto: imagoFür die Spiele der jeweiligen Vereine in den vergangenen fünf Europapokalsaisons in der Gruppenphase oder den späteren K.o.-Runden gibt es Punkte - einen für ein Unentschieden, zwei für einen Sieg, und je nachdem, wie weit der Klub im Wettbewerb kam, erhält er Bonuspunkte: Einen Viertelpunkt, wenn schon in der ersten Qualifikationsrunde Schluss war, einen halben, wenn er in der zweiten ausgeschieden ist, und so weiter. Mainz 05 steht da nicht so glorreich da: Die Spiele gegen Gaz Metan Medias (1:1 und 1:1 nach Verlängerung) sowie gegen Asteras Tripolis (1:0, 1:3) wären insgesamt vier Punkte wert, hätten sie später im Wettbewerb stattgefunden, aber für Partien vor der Gruppenphase gibt es gar nichts. Die 05er haben lediglich zwei Punkte für das zweimalige Ausscheiden in der dritten Qualifikationsrunde erspielt.

Addiert wird zu diesen zwei Punkten ein Fünftel der Länderpunkte. Die wiederum sind die Summe aller nach dem erwähnten Muster erspielten Punkte eines Verbands, dividiert durch die Anzahl der Teilnehmer, addiert über fünf Jahre. Für den DFB ergibt sich die Summe von 80,177 Punkten, 0,310 - ein Sechstelpunkt und einen Siebtelpunkt - hat Mainz 05 dazu beigetragen. Die 05er gehen damit mit einem Klubkoeffizienten von 18,035 Punkten (zwei eigene und 16,035 Verbandspunkte) in die Auslosung.

Das ist nicht besonders viel; unter den sechzehn Gruppenphase-Einsteigern nur Platz 11, immerhin vor Zürich, Southampton, Nizza, Luhansk und Konya. Man kann annehmen, dass weitere schlechtere Klubs in der Gruppenphase auftauchen werden. Im vergangenen Jahr hätten diese 18,035 Punkte für einen Platz im dritten Topf gereicht, der von Monaco (31,483) bis zum FC Krasnodar (15,099) ging, 2014/15 ebenfalls, 2013/14 sogar für den zweiten Topf, an dessen unterem Ende der SC Freiburg mit 15,922 Punkten stand.

Jede der zwölf Europa-League-Gruppen bekommt jeweils einen Teilnehmer aus jedem Topf. Die 05er werden somit auf jeden Fall einen Gegner der Güteklasse AC Florenz, Zenit St. Petersburg, Athletic Bilbao - oder höher - bekommen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Gegner, gegen den sie auf dem Papier klarer Favorit sind (aber wie wenig das bedeutet, haben die Mainzer gegen Medias gesehen). Und einen mehr oder weniger gleichwertigen. Wer das ist, erfahren sie am 26. August. Aus welchem Topf sie gezogen werden, wird sich bis dahin nach und nach herausstellen.

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