Mehr Qualität nach Anpassungsprozess

Jörg Schneider. Mainz.
Über konkrete Personalveränderungen in der Winterpause haben der Sportdirektor und der Trainer des FSV Mainz 05 bisher nicht geredet. Rouven Schröder und Martin Schmidt haben jedoch betont, dass sie nicht beabsichtigen, den Kader nach dem Wegfall der Europapokal-Belastung zu verkleinern. Und dass sie von José Rodriguez und Gerrit Holtmann nach einem halben Jahr Anpassungszeit in der Anfang Januar beginnenden Vorbereitung erwarten, dass die beiden Entwicklungsspieler massiver als bisher in den Konkurrenzkampf einsteigen und dem Team mit ihren Fähigkeiten eine zusätzliche Qualität zuführen.

Mit dem überraschenden Wechsel von Christian Clemens zum 1. FC Köln hat kurz vor Weihnachten beim FSV Mainz 05 die Personalverschiebung begonnen. Ob sich in den kommenden Wochen bis zum Ende der Winter-Transferperiode Ende Januar am Bruchweg noch mehr tut, ob sich der Kader des Bundesligisten weiter verändert, darüber äußern sich die Verantwortlichen bislang nicht konkret. Klar scheint nur zu sein, dass Martin Schmidt und Rouven Schröder nicht daran denken, nach dem Aus im Europapokal und dem dadurch sinkenden Belastungsgrad der Profis, den Kader maßgeblich zu verkleinern. Der 05-Kader, sagt der Trainer, sei nicht kleiner als im vergangenen Jahr. Er nehme Anfang Januar 23 Feldspieler plus Torhüter mit ins Trainingslager nach Marbella. „Wir haben keinen zu großen Kader. Wir haben aber in der Breite einen viel ausgeglicheneren Kader. Von den 23 können alle Bundesliga spielen. Die Breite ist eine andere geworden. Junge Spieler sind weiter nach vorne gerückt. Wir haben nicht nur Perspektivspieler geholt, sondern auch solche, die direkt funktionieren wie Jean-Pierre Gbamin oder André Ramalho. Wir haben Bundesligaspieler geholt. Der interne Kaderdruck ist erhöht“, betont der 49-Jährige. „Ich glaube, dass wir den Kader so brauchen. Ich sehe da keinen Handlungsbedarf. Das Leistungsprinzip steht künftig im Vordergrund. Es wird nach Trainingsleistung aufgestellt. Wenn wir den Kader runterfahren würden auf 20 Spieler, dann hätten wir in der Rückrunde trotzdem dieselbe Situation, dass einige nicht spielen und auf der Tribüne sitzen.“

Die Rote Karte in Augsburg war für José Rodriguez ein einschneidendes Erlebnis und ein Rückschlag. Der Spanier soll nun in der Rückrunden-Vorbereitung stärker als bisher in den Konkurrenzkampf im 05-Mittelfeld eingreifen. Foto: ImagoAuf der Tribüne saß zuletzt meist José Rodriguez. Der Spanier ist ein Opfer der großen Konkurrenzsituation im zentralen Mittelfeld geworden. Eine Situation, die sich durch die Rückkehr von Danny Latza weiter verschärft hat. „Im Zuge dieser hohen Konkurrenz auf der Doppelsechs ist er zurückgefallen“, sagt Schmidt, den das allerdings nicht wundert und der betont, dass es keine Überlegungen gebe, den Spanier deshalb auszuleihen oder sich gar eventuell ganz von dem 22-Jährigen zu trennen. „Wenn wir nicht an seine Entwicklung glauben würden, hätten wir ihm nicht so einen langfristigen Vertrag über vier Jahre gegeben. Wir haben ihn im Sommer als sechsten Zentrumsspieler geholt mit Entwicklungspotenzial. Wir haben dem Spieler ganz klar den Weg aufgezeigt: Ein halbes Jahr Eingewöhnungsphase wegen der Sprache, wegen der Athletik. Der hatte vorher ein Dreivierteljahr nicht gespielt" - bei Galatasaray hatte der Spanier in der Rückrunde fast nur noch auf der Bank gesessen. "Dass er sich auf Bundesliga-Niveau bringen muss und dass darüber allmählich die Spiele kommen“, sagt Schmidt. „Diese Erfahrung haben wir ja auch bei anderen Spielern gemacht. Pablo De Blasis hat ein halbes Jahr gebraucht, Jairo, Jhon Cordoba. Wir wissen, wie lange die Spieler benötigen, die wir aus diesen Regionen holen, um sportlich auf das Niveau zu kommen.“

Rodriguez komme aus einer Fußballschule, in der das spielerische Element absolut im Vordergrund stehe und nicht die Arbeit gegen den Ball. „Wir erhoffen uns, dass er mit seinen Fähigkeiten das spielerische Element bei uns weiterzentwickeln hilft, aber zuerst muss er physisch, taktisch und technisch auf dieses Niveau kommen. Mit seiner sportlichen Entwicklung, athletisch und physisch sind wir sehr zufrieden. Wir haben extrem mit ihm an der Schnellkraft und der Schnelligkeit gearbeitet. In der Ausdauer ist er jetzt absolut hergestellt. Das Zweikampfverhalten ist noch immer ein großes Thema für ihn. Bis wir von seiner Spielstärke richtig profitieren können und er uns im Spiel nach vorne, im Spiel mit eigenem Ballbesitz hilft, muss er diese Kernigkeit kriegen im Zweikampfverhalten. Die Vorbereitung jetzt wird ihm gut tun. Es ist wichtig, dass er mit dem Kopf im Plan bleibt, nicht nervös wird, weil er ein paar Wochen nicht gespielt hat. Seine Entwicklung ist wie angedacht. José wird im neuen Jahr mehr Spiele machen als bisher.“

Holtmanns Aufbauphase ebenfalls vorüber

Im Sommer, im frühen Stadium der Saisonvorbereitung, schien es so, als könnte sich Rodriguez schnell behaupten auf der Position im zentralen Mittelfeld. „Der Fokus auf ihn war im Sommer ein anderer, weil wir zu dem Zeitpunkt keinen Gbamin, keinen Frei, keinen Malli, keinen Latza, keinen Serdar hatten. José war bis in den August hinein der einzige Sechser. Deshalb hat er direkt mehr Spiel-Präsenz gekriegt“, erklärt der 05-Trainer. „Wir wussten aber, dass er nicht wie Gbamin kommt und direkt hier funktioniert. Die Startphase hatte ihm Hoffnung gemacht, dass es vielleicht ja doch schneller gehen würde.“ Doch das war nicht der Fall. Und dann kam das Spiel in Augsburg, in dem Rodriguez bei seinem kurzen Bundesligadebüt die Rote Karte sah, nach diesem harten Foul an Dominik Kohr für fünf Spiele gesperrt wurde. „Er hat sich durch Augsburg natürlich nicht geholfen. Er war auch persönlich angeschlagen. Er hatte eine extrem schlechte Presse. Da wurde in Spanien auf ihn drauf gehauen. In Deutschland wurde er dargestellt als weiß der Teufel was. Und zweieinhalb Wochen später hat der Andere wieder Fußball gespielt. Rodriguez hat darunter sehr gelitten. Er wurde auch menschlich angegangen. Das ging nicht spurlos an ihm vorbei und hat ihn für eine gewisse Zeit aus dem Tritt gebracht“, sagt Schmidt. „Wir haben viel mit ihm gesprochen. Es wird spannend sein, was er uns in den drei Wochen Vorbereitung zeigt.“

Das gilt auch für Gerrit Holtmann, dessen Entwicklungs- und Aufbauphase nun ebenfalls vorbei sein soll. „Bei Holtmann verhält es sich genauso wie bei Rodriguez“, sagt der 05-Trainer. Auch der 21-jährige Flügelstürmer hat einen langjährigen Vertrag als Perspektivspieler in Mainz erhalten. „Wir haben ihm gesagt, dass er im athletischen Bereich, körperlich und in der Zweikampfführung sehr viel aufarbeiten muss, dann im taktischen Bereich, um auf Bundesliganiveau zu kommen. Gerrit ist ein Freigeist, ein Außenbahnspieler, der mit dem Ball am Fuß unheimliche Qualitäten hat, der aber im Bereich Defensivverhalten gegen den Ball viel nachholen, seine Zweikampfführung weiterentwickeln muss. Deshalb hat er auch auf eigenen Wunsch Spiele in der U23 gemacht“, erklärt der Coach. „Da sind wir jetzt gespannt, wie er sich in der Vorbereitung präsentieren wird. Jetzt muss seine Zeit kommen, ab jetzt muss er ein Kader-Kandidat werden. Er muss in der Vorbereitung sein Feld abgraben und seine Stärken einbringen. Sein Tempo, sein Flankenspiel, das sind zusätzliche Stärken, von denen wir in der zweiten Saison-Hälfte profitieren wollen.“

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