Martin Schmidt: Nicht klug genug

Jörg Schneider. Saint-Étienne
Das Abenteuer Europa geht noch vor Weihnachten zu Ende: Der FSV Mainz 05 scheitert in der Gruppenphase der Europaliga. Das 0:0 am Donnerstagabend beim französischen Erstligisten AS Saint-Étienne reicht nicht aus, um im letzten Heimspiel gegen Qäbälä FK noch den zum Weiterkommen nötigen zweiten Platz erreichen zu können. Die Enttäuschung beim Bundesligisten, ist groß. „Wir müssen die Leistung akzeptieren wie sie war. Für die Euro League hat es nicht gereicht, weil wir über die gesamten bisherigen fünf Spiele nicht klug genug waren“, sagte Martin Schmidt. Die Stimmen zum Spiel.

Dass sie nicht alles versucht hätten an diesem Abend in Saint-Etienne, kann man den Profis des FSV Mainz 05 sicherlich nicht vorwerfen. Der Bundesligist dominierte insbesondere in der zweiten Halbzeit komplett das Geschehen und setzte den ganz auf Defensive eingerichteten Gegner, der sich frühzeitig darauf verlegt hatte, das Unentschieden über die Zeit zu bringen, unter Dauerdruck. Das Tor, das die 05er so dringend benötigt hätte, wollte jedoch nicht gelingen, weil den Mainzern diesmal ihre sonstige Effizienz und die nötigen Mittel fehlten. Bis zum Strafraum sah es gut aus, was die Mainzer gegen die AS Saint-Étienne produzierten, im letzten Drittel vor dem Tor fehlten jedoch die Konsequenz, das Durchsetzungsvermögen, die letzte Überzeugung, diesen möglichen Sieg einzufahren, das Quäntchen Glück zu erzwingen. Am Ende gab es eine Anzahl von Halbchancen zu notieren, viel mehr nicht.

Die Mainzer sind nach einer ihrer besten Saisonleistungen aus der Europaliga ausgeschieden. Im letzten Heimspiel der Gruppe C in 14 Tagen gegen Qäbälä FK hat das Team von Martin Schmidt nach diesem 0:0 keine Chance mehr, den zum Weiterkommen notwendigen zweiten Platz in der Tabelle zu erreichen. Der Frust ist groß beim Bundesligisten, bei dem nach dem Unentschieden die Erkenntnis reifte, dass die Mannschaft letztlich nicht erst an diesem Abend gescheitert ist.

„Die Enttäuschung ist auf jeden Fall groß“, sagte Stefan Bell, der 05-Kapitän, nach der Partie. „Das Ganze ist jetzt erst einmal schwer zu verarbeiten, weil es sich nicht so anfühlt, als hätten wir heute das Weiterkommen verspielt. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, hatten über weite Strecken eine gute Kontrolle, aber wir haben es weder im Hinspiel noch jetzt im Rückspiel geschafft, ein Tor aus dem Spiel heraus zu machen. Das ist bitter. Man hat aber auch gesehen, warum Saint-Étienne so wenig Gegentore bekommt. Sie verteidigen sehr gut. Uns haben die richtig zwingenden Chancen gefehlt. Wir haben hinten raus gut gespielt bis zum Sechzehner, dann waren wir vorne oft unterbesetzt, es haben immer zwei, drei Meter gefehlt, wir sind nicht richtig nachgerückt und hatten oft die falsche Position. Ich denke aber, wir haben es im Hinspiel versemmelt, als wir am Ende den Sieg aus der Hand gegeben haben. Es war trotzdem ein schönes Abenteuer. Jetzt wollen und brauchen wir einen würdigen Abschluss zu Hause gegen Qäbälä.“

„Wir sind Sportler und möchten natürlich den bestmöglichen Erfolg. Deshalb sitzen die Jungs sehr enttäuscht in der Kabine“, sagte Sportdirektor Rouven Schröder. „Unter dem Strich sind wir aber nicht heute ausgeschieden, sondern auf dem Weg dorthin, zum Beispiel beim 1:1 im Hinspiel gegen Saint-Étienne.“

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte der auf den Stammplatz zurückgekehrte Daniel Brosinski gegen Kévin Monnet-Paquet und Arnaud Nordin (Foto) seine rechte Seite im Griff. "Wir haben es nicht heute versaut", sagt der Allrounder. Foto: imagoEs sei besonders enttäuschend, sagte der 05-Trainer, „dass wir nach einem solchen Spiel aus der Europaliga ausgeschieden sind. Nach einem guten Spiel, in dem wir in der zweiten Halbzeit klar die bessere Mannschaft waren“, betonte Martin Schmidt. „Schmerzhaft ist aber, dass wir den Schaden eigentlich schon im Hinspiel angerichtet haben mit dem Ausgleich in der 90. Minute. Sonst wäre es anders gekommen. Wir müssen die Leistung akzeptieren wie sie war. Sie war heute gut, aber für die Europa League hat es nicht gereicht, weil wir in allen bisherigen fünf Spielen nicht klug genug waren. Die zweite Halbzeit in Saint-Étienne war die beste, die wir in dieser Saison gespielt haben. Wir waren dran, hatten auch einige Chancen und Halbchancen, aber der letzte Pass kam nicht und für das wichtige Tor hat es leider nicht gereicht. Die Hypothek zu groß gegen einen Gegner, der sehr solide in der Defensive steht. Wir haben gegen die international erfahrenen Teams wie Saint-Étienne und Anderlecht als Neuling Lehrgeld gezahlt“, erklärte Schmidt.

Für Daniel Brosinski war die Schlappe in Belgien entscheidend für das jetzt feststehende Europapokal-Aus. „Heute haben wir es nicht versaut, sondern in Anderlecht. Das tut extrem weh“, sagte der Rechtsverteidiger. „Es hat nicht sollen sein. Wir haben in diesem Spiel viel Druck entwickelt, aber wir haben es leider nicht geschafft, die zwingenden Torchancen herauszuspielen. Saint-Étienne hat doch bis auf diesen einen Konter mit dem glücklichen Pfostenschuss gar nicht mehr stattgefunden. Wir konnten uns jedoch nicht belohnen und das ist wirklich schmerzhaft.“

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