„Malli oder der Zufall entscheiden“

Jörg Schneider. Mainz.
Zwei Eckbälle von Yunus Malli, jeweils ein Kopfballtor von Niko Bungert und Stefan Bell. Das war die Basis für den späteren 4:2-Sieg des FSV Mainz 05 im Heimspiel gegen den SC Freiburg an diesem elften Bundesliga-Spieltag. Über die Standards zum Erfolg zu kommen, war von den 05ern geplant. „Wir wussten vorher, dass Freiburg diese Standards nicht gut verteidigt mit ihrer Manndeckung bei Eckbällen und Freistößen. Im Moment funktioniert das auch ziemlich gut bei uns. Die Bälle kommen gefährlich, und wir laufen uns in der Mitte ganz gut frei“, sagte Bell nachher.

Zwei Tore nach Eckbällen bildeten die Grundlage des 4:2-Erfolges im Heimspiel am elften Spieltag in der Opel Arena gegen den SC Freiburg. Dass die Innenverteidiger des FSV Mainz 05, Niko Bungert und Stefan Bell, beide mit Kopfballtoren erfolgreich sind, kommt jedoch nicht allzu häufig vor, hatte jedoch eine gewisse Logik, wenn man Bells Erklärungen nachher folgte. „Wir wussten vorher, dass Freiburg diese Standards nicht gut verteidigt mit ihrer Manndeckung bei Eckbällen und Freistößen. Im Moment funktioniert das auch ziemlich gut bei uns. Die Bälle kommen gefährlich, und wir laufen uns in der Mitte ganz gut frei“, sagte der Vize-Kapitän nachher.

Das 3:1 in der Opel Arena: Stefan Bell trifft per Kopfball nach Ecke von Yunus Malli. Eine ähnliche Situation wie beim 1:0 von Niko Bungert. Foto: Ekkie Veyhelmann   Kapitän Niko Bungert hatte als Erster zugeschlagen und die 1:0-Führung nach einem Eckball von Yunus Malli erzielt. Relativ frei und unbedrängt. „Das war irgendwie kurios. Beim ersten Tor wollte Niko mich freiblocken. Es ist dann irgendwie anders herum gelaufen.“ Die Freiburger fanden keine Zuordnung, Bungert durfte sich die Ecke aussuchen. Dasselbe Bild auch beim vorentscheidenden 3:1, das Bell in der 82. Minute auf ähnliche Weise und ebenfalls ziemlich ungestört erzielte. Erneut fand sich kein Abwehrspieler, der den kopfballstarken 05er verteidigte. „Mein Gegenspieler bei diesen Standards war Söyüncü. Der hatte schon Gelb nach dem Elfmeter und musste sich sicher auch etwas zurückhalten“, meinte Bell, der sich mit dem Tor dafür bedankte. „Der Ball musste aber auch rein, sonst wäre es peinlich gewesen, so frei wie ich war.“

Was ist das Geheimnis der Mainzer Standardstärke in dieser Saison? Keine andere Mannschaft in der Liga erzielt so viele Tore nach Ecken wie die 05er. Auch für den Verteidiger nicht einfach zu ergründen. „Wichtig ist, dass wir die Räume besetzt haben. Wir müssen immer schauen, dass wir alle kurzen, mittleren und langen Positionen besetzen. Dann entscheidet entweder Yunus oder auch der Zufall, ob der Ball auf eine der drei Positionen hinkommt.“ Entsprechende Handzeichen von Malli gebe es da nicht. „Ich glaube auch nicht, dass man den Ball immer hundertprozentig genau dahin kriegt, wo man ihn haben will. Im Moment funktioniert’s aber richtig gut.“

Trotz des dritten Heimsieges in Folge war Bell am Ende etwas unleidlich. Die Gegentore, die zahlreichen Chancen für die Freiburger, vor allem aber die fünfte Gelbe Karte ärgerten den Innenverteidiger, der nun ebenso wie Daniel Brosinski deswegen am Sonntag im Auswärtsspiel bei Hertha BSC gesperrt ist. „Die Tore fallen aus individuellen Fehlern heraus. Das ist das, was man sicher am leichtesten abstellen kann. Es waren aber insgesamt zu viele Chancen für die Freiburger. Auch zu viele Schüsse aus der Distanz vor dem Sechzehner. Als Verteidiger ist man dann nicht ganz zufrieden“, erklärte der 25-Jährige.

Dass er so früh in der Saison bereits mit fünf Gelben Karten raus müsse, sei eher ungewöhnlich. „Es waren sicher insgesamt auch zwei, drei Gelbe Karten zu viel, weil ich Konter unterbinden musste. Das ärgert mich auch ein bisschen, weil ich normalerweise mit sehr wenigen Karten durchkomme.“ 2013/14, in seinem ersten Jahr als Stammspieler, war Bell zuletzt gelbgesperrt. Damals jedoch erst nach dem 23. Spieltag. „Dieses Jahr ist es aber kein Problem, weil wir genug Leute haben in der Innenverteidigung. Da mache ich mir keine Sorgen. Wir rotieren ja eh“, sagte der Routinier. Für Bell und Brosinski hat die Liga-Sperre allerdings auch etwas Gutes. Die beiden Abwehrspieler haben dadurch so etwas wie eine Garantie auf einen Startplatz am Donnerstag im wahrscheinlich entscheidenden Europapokal-Spiel bei AS Saint-Etienne. „Es wäre ja quatsch, wenn wir die zwei sich dort erholen lassen würden“, betonte der 05-Trainer.

"Die erfahrene Combo"

Martin Schmidt hatte diesmal Bungert ins Team hinein rotiert, weil er gegen die gut besetzte Offensive des Aufsteigers ein routiniertes Duo stellen wollte. „Die erfahrene Combo“, sagte der 05-Trainer. „Statt eines Jungen dazu zustellen. Wir waren in der Abwehr bedacht auf überlegtes Spiel. Das bringt Niko mit seinem Gesamtpaket mit.“ Trotz der beiden Verteidiger-Tore und der eigentlich komfortablen 2:0- und 3:1-Führungen hing der 05-Erfolg jedoch bis weit in die Nachspielzeit hinein am seidenen Faden. „Das war ein bisschen mehr Dramatik als notwendig. Dafür aber gute Unterhaltung“, sagte Bell. „Und wir gewinnen zu Hause die Spiele, die wir gewinnen müssen.“ Bisher holten die Mainzer im eigenen Stadion zehn Punkte mit Siegen gegen Darmstadt 98, den FC Ingolstadt und die Freiburger sowie einem Unentschieden gegen die TSG Hoffenheim – bei einer Niederlage gegen Bayer Leverkusen.  

Für Stefan Bell gab es in dieser Partie ein direktes Aufeinandertreffen mit Florian Niederlechner, der ja bekanntlich an die Freiburger ausgeliehen ist. Der erste Kontakt mit seinem ehemaligen Teamkollegen war jedoch für den 05er schmerzhaft. Bereits nach sieben Sekunden machte Bell Bekanntschaft mit Niederlechners Ellenbogen im Luftduell. Der Stürmer sah Gelb, Bell glich später aus. „Wir haben uns gegenseitig jeweils gefoult mit einer gelben Karte“, sagte der Innenverteidiger, der auf den Schmerz gerne verzichtet hätte, ansonsten aber über Niederlechners Aktion recht froh war. „Es war ganz gut, dass er mich da gefoult hat, weil ich den Ball, glaube ich,  unterlaufen habe und wohl nicht mehr drangekommen wäre. Ich war ihm dankbar, dass er den Angriff unterbrochen hat. Für ihn war es schlechter, weil er sehr übers körperliche kommt und sich dann in den Zweikämpfen etwas zurückhalten musste“, sagte der 05-Vize-Kapitän. Niederlechner lieferte dennoch eine auffallend gute Leistung ab, war schwer in den Griff zu kriegen, verlangte Bell und Bungert alles ab. „Man kennt seine Spielweise und weiß, dass er brutal gegen den Ball arbeitet und man nicht so viel Zeit hat beim Spielaufbau“, erklärte der 05er. „Auch, dass er immer den einen Trick macht und versucht zu tunneln. Das hat er zweimal gemacht. Das sind spezielle Sachen, die man nach den vielen gemeinsamen Trainingseinheiten einfach kennt.“

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