Malli geht oder bleibt

Christian Karn. Mainz.
Vor einem halben Jahr war Yunus Malli der begehrteste 05-Profi; alle Welt ging von einem Wechsel des Türken zu Borussia Dortmund aus. Der kam nicht zustande, Malli ist noch in Mainz, das große Interesse an ihm ist zurückgegangen, aber die Ausstiegsklausel, die ihm einen Vereinswechsel gegen eine Ablöse von rund 10 Millionen Euro erlauben würde, gilt noch. Malli geht damit offen um, lässt sich zu keinen Versprechungen hinreißen, die über die längst allgemein bekannten Vertragsinhalte hinausgehen, und wird entweder in Mainz bleiben oder nicht.

Auf dem vorläufigen Mannschaftsbild des FSV Mainz 05 sitzt Yunus Malli unten rechts, zwischen Florian Müller und Philipp Klement. Wie lange der türkische Nationalspieler noch ein 05er bleibt, lässt er völlig offen. Foto: FSV Mainz 05Da sitzt er, der Yunus Malli, mit einem Verband am Knie, "aber das ist nichts Besonderes, ich habe halt einen Schlag abgekriegt, als ich im Training den Elfmeter rausgeholt habe". Es geht um die Zukunftsplanung des türkischen Nationalspielers. Und Malli sagt: "Ihr wisst ja, wie's ist." Aktuell sei er ein normaler Spieler im Kader von Mainz 05, der wie alle Kollegen sich auf die neue Saison vorbereitet. Aber Malli hütet sich davor, sich auf irgendein Bekenntnis einzulassen, das über die mittlerweile allseits bekannten Vertragsinhalte (Laufzeit bis 2018, Ausstiegsklausel für diesen Sommer, dotiert auf rund 10 Millionen Euro) hinausgeht.

"Ich schaue auf das Hier und Jetzt", sagt Malli, "und das Hier und Jetzt lautet, bei Mainz 05 Gas zu geben und fit zu werden. Aber Ihr wisst ja, wie es ist. Es bringt nichts, etwas auszuschließen. Das kann und das will ich nicht. Wenn ich jetzt sage, ich bleibe zu hundert Prozent, und dann sieht es in zwei Wochen doch anders aus, dann steht man da." Im Umkehrschluss: Würde Malli sagen, er ginge zu hundert Prozent, und dann sähe es in zwei Wochen doch anders aus, dann stünde man auch da. "Ich und meine Frau, wir fühlen mich im Verein und in der Stadt wohl", sagt Malli. "Wir werden Europa League spielen, das ist ja nicht uninteressant."

Es könnte, wenn auch die Klausel am Wochenende bereits auslaufen soll, noch eine mehrwöchige Hängepartie werden, vielleicht so lange, bis zwischen dem ersten und dem zweiten Bundesligaspieltag die Transferperiode endet, in der Tat nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund, die im Winter sehr interessiert war an einer Verpflichtung des Mainzer Zehners. "Dortmund ist ein sehr guter Verein, natürlich hätte ich gern dort gespielt", räumt Malli ein. Aber die 05er erteilten keine Freigabe. "Und das habe ich akzeptiert", sagt der Profi, der seine im Vergleich zum vorausgegangenen halben Jahr schwache Rückrunde nicht zu sehr auf irgendeine Art von Enttäuschung zurückführen möchte. "Vielleicht hat es unterbewusst eine Rolle gespielt", sagt Malli, mehr nicht.

Gerüchte gibt es aktuell nicht um Malli. Das Dortmunder Interesse ist offenbar nicht mehr vorhanden. Also geht es für den Spieler letztlich ums Tagesgeschäft, das am Montag mit dem verspäteten Trainingseintritt begonnen hat: Während die Kollegen Urlaub hatten, spielte Malli mit der Türkei bei der Europameisterschaft, anschließend konnte er die verpassten freien Tage nachholen. "Den Ball vermisst man schon nach drei oder vier Wochen", gibt Malli zu, "ich bin froh, dass es wieder los geht."

Die EM endete für die Türken mit einer gewissen sportlichen Tragik: Ihr 2:0 gegen Tschechien hätte mit etwas Glück für die Achtelfinal-Qualifikation reichen können, aber Mallis Team musste noch tags drauf die Ergebnisse der anderen Gruppen abwarten in jenem unglücklich gestalteten Turniermodus. "Wir hatten schon Hoffnung", berichtet der neue Nationalspieler, "aber die Spiele von Italien und Belgien hätten für uns laufen müssen. Wir haben die Spiele zusammen geschaut. Die Enttäuschung war sehr groß, als Italien das Tor kassiert hat" - die B-Mannschaft des deutschen Viertelfinalgegners verlor durch einen Treffer in der 85. Minute gegen die Iren, die im Klassement der Gruppendritten die Türken vom entscheidenden vierten Platz verdrängten. "Aber wir haben die Schuld bei uns gesucht", sagt Malli. "Und wir werden in der WM-Qualifikation wieder angreifen." In den Länderspielen wird Malli weiterhin in Rot und Weiß auflaufen. Im Vereinsfußball vielleicht auch.

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