Loyalität, aber kein Dementi

Jörg Schneider. Mainz.
Christian Heidel hat die Spekulationen um seinen angeblichen Flirt mit dem FC Schalke 04 nicht dementiert. Der Manager des FSV Mainz 05 sagte im Rahmen der Pressekonferenz des Bundesligisten am Donnerstag vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund nur, dass er seinen bis 2017 laufenden Vertrag zu 100 Prozent erfüllen und nie etwas tun werde, was seinem Verein schade. Das lässt Interpretations-Spielraum. Ob der 52-Jährige wirklich beabsichtigt, seinen Klub in absehbarer Zeit zu verlassen, weiß derzeit niemand.

Christian Heidel am Donnerstag in der Pressekonferenz: 100 Prozent loyal zu seinem Klub, aber kein Dementi der Gerüchte um den Flirt mit Schalke 04. Foto: Jörg SchneiderDas Wichtigste zuallererst: Christian Heidel hat die am Mittwoch aufgekommenen Spekulationen über seinen angeblichen Flirt mit dem FC Schalke 04 nicht dementiert. Der Manager des FSV Mainz 05 hat in der Pressekonferenz des Klubs am Donnerstag nicht gesagt, dass nichts dran sei, an den von „Bild“ veröffentlichten Mutmaßungen, der 52-Jährige könne Horst Heldt beim Revierklub ablösen und führe entsprechende Gespräche mit den Verantwortlichen.

Heidel betonte am Donnerstag, er halte es wie immer bei Personal-Spekulationen so, dass er keine Wasserstandsmeldungen abgebe, solche Gerüchte nicht kommentiere. An dieser Arbeitsweise werde sich nichts ändern, insbesondere dann nicht, wenn es um seine eigene Person gehe. „Wenn Dinge irgendwann perfekt sein sollten, dann äußere mich“, erklärte der 05-Manager. Das lässt im Prinzip nur eine Interpretation zu: Heidel nimmt sich die Freiheit, seine exponierte Situation und seine Wertigkeit im Liga-Geschäft mal konkret auszutesten und hört sich an, was ihm Schalke 04 zu bieten hat. Das ist legitim in diesem Geschäft und legitim für einen Mann, der die 50 überschritten hat und sich möglicherweise die Frage stellt, ob er nach mehr als einem Vierteljahrhundert im Dienst seines Vereins noch einmal eine neue Herausforderung suchen sollte. Ob es dann irgendwann dazu kommt, dass der Manager sich wirklich am Bruchweg verabschiedet, weiß im Moment niemand. Außer vielleicht ihm selber.

Klar ist auch, sollte in Gelsenkirchen wirklich der Plan existieren, eine Umstrukturierung des Managements vorzunehmen, ist es relativ normal, dass ein Fachmann der Kategorie Heidel, der nachweislich zu den Besten seines Fachs in der Liga zählt,  weit oben auf der Liste derjenigen stehen muss, die der Klub als potenziellen Kandidaten für ein solches Amt ansieht.

"Ich stehe zu meinem Vertrag mit Haut und Haaren“

„Es steht völlig außer Frage, dass ich bei Mainz 05 einen Vertrag bis 2017 habe, den ich selbstverständlich respektiere und zu 100 Prozent erfülle. Mainz 05 ist für mich extrem wichtig. Ich würde nie etwas tun, was diesem Verein in irgendeiner Form schaden würde. Ein offeneres Verhältnis als das, das ich zu meinen Vorstandskollegen pflege, gibt es nicht. Fakt ist, dass sich an meiner Situation momentan nichts verändert hat. Ich stehe zu meinem Vertrag mit Haut und Haaren.“ Wenn der Tag irgendwann kommen sollte, wann immer das sein werde, dass er diesen Verein einmal verlassen werde, dann geschehe das in vollkommener Einigkeit. „Ich würde diesen Klub niemals im Streit verlassen.“ Mehr wollte der 05-Manager dazu nicht sagen. Heidel verbat sich auch Nachfragen zu diesem brisanten Thema. „Wir haben morgen ein wichtiges Spiel, das wir gewinnen wollen. Das muss im Vordergrund stehen.“

Kurios an der ganzen Geschichte ist auch die Tatsache, dass einer der Hauptvorwürfe der 05er an Thomas Tuchel seinerzeit dessen Verhandlungsgespräche mit den Schalkern waren, die der damalige 05-Trainer trotz laufenden Vertrages hinter dem Rücken der 05-Verantwortlichen geführt hatte. Der Ausgang der unschönen Angelegenheit ist bekannt, Tuchel kehrt am Freitag nach 18 Monaten erstmals als Trainer von Borussia Dortmund zurück in die Coface Arena. Glaubt man dem Bericht von „Bild“, dann hat Heidel jedoch seine Vorstandskollegen vom ersten Tag an in die Gespräche mit den Schalkern eingeweiht.

Merkwürdig an der Geschichte ist allerdings, dass der Vertrag von Horst Heldt im Juni 2016 ausläuft. Sollte der aktuelle Dritte der Bundesliga also für nächsten Sommer einen Heldt-Nachfolger suchen, wie kann dann Heidel ins Spiel kommen, der seinen Vertrag in Mainz erfüllen will? Wie auch immer, das Thema ist auf dem Tisch, die Spekulationen werden die Mainzer weiterhin begleiten. Egal, was dazu in der nächsten Zeit gesagt wird. Ob der Bundesligist am Ende tatsächlich seinen Manager an die Konkurrenz verliert, ist derzeit absolut nicht absehbar.

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