Lösungsansatz Doppelspitze

Jörg Schneider. Hadamar.
Spiel gewonnen, genügend Tore erzielt, keinen Gegentreffer bekommen und einer Reihe von Nachwuchsspielern die Gelegenheit gegeben, sich zu präsentieren: Für den Trainer des FSV Mainz 05 ausreichend Gründe, um von einem gelungenen Testspiel zu sprechen, das seinen Zweck erfüllt hat. Der Bundesligist setzte sich am Freitagabend vor 1150 Zuschauern mit 7:0 (5:0) beim Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar durch. Die Mannschaft aus der fünften Liga stellte den Profis dabei einige Aufgaben, die diese letztlich zufriedenstellend lösten.

Rot-Weiß Hadamar - FSV Mainz 05 0:7 (0:5)

Freitag, 7. Oktober 2016, 1.150 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Curci (46. Watkowiak) – Brosinski (64. Breitenbach), Bungert (64. Bell), Hack, Bussmann (46. Moos) – De Blasis (72. Trümner), Rodriguez (72. Gbamin), Serdar (64. Häusl), Holtmann – Córdoba (64. Bouziane), Onisiwo.

Tore: 0:1 Córdoba (7., Brosinski), 0:2 Onisiwo (9., de Blasis), 0:3 Córdoba (16., Holtmann), 0:4 Onisiwo (18., Holtmann), 0:5 Bungert (23., Rodríguez), 0:6 Bouziane (81., Trümner), 0:7 Holtmann (90., Foulelfmeter an Breitenbach).

Beim ersten Aufeinandertreffen vor etwas mehr als einem Jahr durfte der Hessenligist am Bruchweg wenigstens den Ehrentreffer bejubeln aufgrund massiver Abstimmungsprobleme in der Abwehr des Bundesligisten. Diesmal hinterließen die Profis des FSV Mainz 05 einen wesentlich besseren Eindruck als beim damaligen 3:1-Sieg im eigenen Stadion und gewannen das Länderspiel-Pausen-Test-Rückspiel beim SV Rot-Weiß Hadamar mit 7:0 (5:0). Weil der Hessen-Ligist vor einem Jahr „in einer Nacht- und Nebel-Aktion“ wie Martin Schmidt sagte, kurzfristig eingesprungen war für ein Freundschaftsspiel nach dem missratenen Saison-Auftakt (0:1 gegen Ingolstadt) hatten die 05er den Hessen ein Rückspiel versprochen und gaben nun dabei einen Auftritt vor 1150 Zuschauern, der zur allgemeinen Zufriedenheit geriet.   

„So ein Spiel muss immer den Zweck haben, dass Spieler einen Rhythmus kriegen, dass junge Spieler aus der U23 abgeprüft werden. Diesen Zweck hat die Partie ganz gut erfüllt“, sagte der 05-Trainer nachher. „7:0 gewonnen, kein Gegentor gekriegt. Das war in Ordnung.“ Und der Bundesligist traf auf einen guten Gegner. Das Team aus der Nähe von Limburg brachte die 05er in der Anfangsphase in die eine oder andere brenzlige Situation mit hohem Laufaufwand, hohem und energischem Pressing. „Wir haben in den ersten Minuten gesehen, dass, wenn ein mutiger Gegner so drauf losgeht, ein solches Team damit auch einen Bundesligisten in Bedrängnis bringen kann. Das haben die gut gemacht“, erklärte Schmidt. „Das war ein guter Test für uns. Denn das wird es in der Saison wieder geben. In den nächsten drei, vier Bundesligaspielen werden wir Gegner haben, die uns hoch zustellen werden. Dafür müssen wir Lösungen finden. Das Führungstor und das zweite direkt drauf haben ihnen dann irgendwann den Mut genommen.“

Karim Onisiwo bewährte sich mit seinen beiden Treffern im Testspiel der 05er beim Hessenligisten Rot-Weiß Hadamar als Doppelspitze mit Jhon Cordoba. Foto: ImagoNach fünf Minuten befreite sich der Favorit. Jhon Cordoba in der 7. und 17. Minute sowie Karim Onisiwo (9. und 21.) legten mit jeweils zwei Treffern eine veritable Führung vor. „Da ist bei uns der Faden gerissen, eine Welt auseinandergebrochen. Wir haben zu leicht die Gegentore kassiert“, erklärte Hadamar-Trainer Florian Dempewolf hinterher. „Die haben einfach jeden reingemacht“, bestätigte auch Rot-Weiß-Rechtsverteidiger Alexander Schraut anerkennend die Effizienz der Profis.“ Die Doppelspitze hat der Schweizer nun schon etliche Male in Testspielen geübt und recht erfolgreich eingeführt. Nach der neuerlichen Verletzung von Yoshinori Muto wird der Coach in den kommenden Wochen mit Sicherheit auch in den Spielen der der einzelnen Wettbewerbe darauf zurückgreifen. „Das ist ein Lösungsansatz für uns“, bewertete der 49-Jährige das Zusammenspiel zwischen Cordoba und Onisiwo.

 Schmidt war zufrieden mit der Art und Weise wie sich sein Team präsentierte. „Von da an hatten wir mehr Räume gegen einen guten Gegner, der uns vor einige Hürden und Aufgaben gestellt hat. Wichtig war, dass wir trotzdem Lösungen gefunden haben und hinten raus noch Tore nachgelegt haben. Auch mit unseren jungen Spielern und einer durchgewürfelten Mannschaft.“ Torhüter Lukas Watkowiak sowie die Feldspieler Jayson Breitenbach aus dem U19-Kader, Malte Moos, Charmaine Häusl, Benjamin Trümner und Mounir Bouziane aus dem Drittligateam erhielten in Hadamar ihre Einsatzzeiten. „Der eine oder andere war anfangs nervös. Man muss aber sagen, der Jayson Breitenbach hat die rechte Seite gut angeschoben. Den haben wir schon länger ganz gut aufgebaut. Einen positiven Eindruck hat auch Benni Trümner hinterlassen.“  Der 21-jährige Mittelfeldspieler war zu Saisonbeginn von der TSG Hoffenheim an den Bruchweg gewechselt. „Das ist ein Spieler, den wir schon vor drei Jahren bei der U-Nationalmannschaft beobachtet haben. Damals haben die Hoffenheimer ihn uns weg geschnappt. Im Sommer haben wir ihn endlich gekriegt. Er war lange verletzt. Das war eines seiner ersten Spiele“, so Schmidt. „Benni hat eine gute Ballannahme, eine gut Mitnahme und hat ein Tor vorbereitet. Das ist ein Kerl, der Mut macht. Auch Mounir Bouziane mit dem herrlichen Heber-Tor hat seine Chance genutzt. Das ist ein Strafraumstürmer“, betonte der 05-Trainer. „Gut, dass solche Spieler dann bei uns auch Tore machen.“

Nach 28 Minuten erzielte Niko Bungert im Anschluss an eine Ecke den 5:0-Pausenstand. Der Hessenligist prüfte 05-Torhüter Gianluca Curci bei dessen Comeback nach der Verletzung durch Jurij Gros (10.) und Lukas Haubrich (13.) zweimal ernsthaft. Der Italiener, der sich im Trainingslager im Aostatal bei der 0:2-Niederlage gegen Novara Calcio eine Muskelverletzung im Unterschenkel zugezogen hatte, absolvierte seine ersten 45 Minute nach überstandener Verletzung. „Für ihn stand im Vordergrund, ein Wettkampfgefühl zu kriegen. Reinzukommen. Gianluca war am Donnerstag erstmals im Training auf Großtore. Jetzt hat er gespielt. Es war für ihn wichtig wieder Mut zu kriegen und zu wissen, dass er den nächster Schritt machen kann“, betonte der 05-Coach.

Dessen Team war auch nach dem Wechsel in Hadamar spielbestimmend, kontrollierte die Partie, ließ allerdings auch die größte Chance des Hessenligisten zu. Nach einer Flanke von Gros verpasste Jerome Zey in der 74. Minute den Anschlusstreffer. Die Mainzer taten sich in vorderster Linie schwer gegen die Abwehr des Fünftligisten, bis Trümner Bouziane bediente, der in der 81. Minute zum 6:0 vollstreckte. Ganz am Ende erhöhte Gerrit Holtmann, zuvor noch mit einem Lattenschuss gescheitert, per Foul-Elfmeter zum 7:0-Endstand.  

Schmidts Fazit fiel positiv aus. „Mit den Jungen zufrieden, für die arrivierten Spieler den Zweck erfüllt. Holtmann hat mal 90 Minuten durchgespielt, Jean-Pierre Gbamin hinten raus das Gefühl bekommen, dass mit dem Oberschenkel wieder alles in Ordnung ist.“ Der 05-Trainer verzichtete in Hadamar noch auf den Einsatz von Jairo Samperio. „Das war noch etwas zu früh für ihn.“ Der Spanier, der sich im Pokalspiel in Unterhaching eine Woche vor dem Bundesligastart eine Innenband-Verletzung im Knie zugezogen hatte, ist zwar wieder fit und steht inzwischen auch wieder im Mannschaftstraining, hat allerdings dabei noch keine Zweikämpfe bestritten. „Das war uns heute noch zu gefährlich hier.“ Christian Clemens musste ebenfalls passen. Der Rechtsaußen hatte sich nach dem Training tags zuvor wegen einer Sehnenreizung am Fuß abgemeldet. „Da wollten wir kein Risiko eingehen.“

 

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