Lössls Weg heißt harte Arbeit

Jörg Schneider. Mainz.
Wie es aussieht, hat Jonas Lössl mit seiner Leistung beim 0:0 gegen den 1. FC Köln seinen Status als Nummer eins beim FSV Mainz 05 gefestigt. Von einer Neuverpflichtung auf der Torhüter-Position ist beim Bundesligisten vor dem Rückrunden-Auftakt am Sonntag zu Hause gegen Borussia Dortmund offenbar keine Rede mehr. „Die Leistung war souverän. Jonas hat den Auftrag angenommen, den wir mit ihm besprochen haben“, sagt Martin Schmidt. „Ich habe ihm direkt nach dem Spiel gesagt, dass der Punkt zum Teil ihm gehört.“

Jonas Lössl hat die Winter-Vorbereitung genutzt und an sich gearbeitet. Gegen die Kölner zeigte der 05-Keeper eine souveräne Vorstellung. Foto: Ekkie VeyhelmannDer Trainer selbst war es, der nach der deutlichen Derby-Niederlage vor Weihnachten in Frankfurt die Torhüterfrage  beim FSV Mainz 05 zum Thema gemacht hatte. Martin Schmidt, insgesamt unzufrieden mit der Vorrunden-Leistung von Jonas Lössl, hatte angekündigt, der Kampf um den Platz zwischen den Pfosten beim Bundesligisten sei offen und müsse in der Winterpause neu ausgefochten werden. Zwischen dem Dänen, dessen Vertreter Jannik Huth und dem Nachwuchs-Torhüter Florian Müller. Der 49-Jährige hatte sogar die Neuverpflichtung eines weiteren Schlussmannes nicht ausgeschlossen. Nach dem 0:0 im Heimspiel zum Jahresauftakt gegen den 1. FC Köln scheint diese Frage fürs erste geklärt zu sein. Lössl dürfte mit dieser Partie auch für die kommenden Begegnungen seinen Status als Nummer eins gefestigt haben.

Im Vorfeld der am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund beginnenden Rückrunde ist von einer Verpflichtung eines zusätzlichen Lössl-Konkurrenten offenbar keine Rede mehr. Rouven Schröder wand sich unbehaglich, als er nach dem Köln-Spiel darauf angesprochen wurde, ob denn die Torwartfrage nun geklärt und beendet sei. So, als wollte der Sportdirektor damit zum Ausdruck bringen, dass die Thematik als grundsätzliche Torwartfrage zu behandeln, doch etwas zu hoch aufgehängt sei. Was darauf schließen lässt, dass die sportliche Leitung mit der Kritik an der Nummer eins einen Impuls für die Winter-Vorbereitung hatte geben wollen, der darauf abzielte, die 05-Torhüter, allen voran Lössl, zu kitzeln, künftig mehr zu tun und ihr Potenzial deutlicher herauszustreichen. „Jonas hat eine gute Partie gemacht und viel Ruhe ausgestrahlt. Er hat eine gute Antwort gegeben. Er hat es sehr gut umgesetzt. Von daher sind wir sehr zufrieden“, erklärte Schröder nach dem Unentschieden zum Auftakt. „Am besten begegnet man Kritik mit Leistung auf dem Platz. Von daher ist alles gut.“

Auch der Trainer war anscheinend damit zufrieden, dass sein Plan, den dänischen Keeper öffentlich in Frage zu stellen, eine deutliche Reaktion beim 27-Jährigen ausgelöst hatte. „Die Leistung war souverän. Jonas hat den Auftrag angenommen, den wir mit ihm besprochen haben. Er war auch in den Trainingseinheiten der Vorbereitung viel lauter, präsenter, sicherer. Diesmal war er dazu beim Rauskommen einmal unheimlich wichtig“, erklärte Schmidt. „Wir haben vor dem Spiel gegen Köln angesprochen, dass die zwei Innenverteidiger den Modeste nicht immer alleine verteidigen können, dass es da das Zusammenspiel mit dem Torwart braucht. Das hat man gesehen. Dazu war Jonas zweimal bravourös da, hat gerettet und uns bei diesem 0:0 geholfen. Ich habe ihm direkt nach dem Spiel gesagt, dass der Punkt zum Teil ihm gehört.“

Lössl selbst erweist sich in den Mediengesprächen stets als geradliniger, geerdeter Typ, der die Situation einschätzen, damit umgehen kann und in der Lage ist, über sein eigenes Spiel zu reflektieren. Der Keeper gab nach dem gelungenen Start ins neue Jahr sachlich Auskunft. Der Däne, der inzwischen sehr gut deutsch spricht, bei gewissen Erklärungen jedoch ins Englische verfällt, um sich konkreter ausdrücken zu können, sorgte nach dem Abpfiff für gute Stimmung in der Mixed Zone, als er ein neues Bonmot prägte, das an seinen Dortmunder Kollegen Roman Weidenfeller erinnerte, der einst zum Besten gab: „We have a grandiose Saison gespielt.“ Lössls Fazit des Köln-Spiels lautete: „We played a very sauber Spiel.“

Ein Satz, der auch seine eigene Vorstellung beschrieb. „Das war sehr wichtig heute für die gesamte Defensive“, führte Lössl weiter aus. „Wir haben das natürlich sehr viel trainiert, weil wir zu viele Gegentore kassiert haben im Herbst. Deshalb war es ein guter Start, auf den wir aufbauen können. Ich glaube, dass ich zusammen mit der Defensive ein gutes Spiel gemacht habe. Ich habe meinen Job erledigt. Nichts Spektakuläres, aber ich habe meinen Job gemacht. Natürlich haben wir viel gearbeitet in der Vorbereitung. Niko und Bello" - die Innenverteidiger Niko Bungert und Stefan Bell - "haben einen großen Job gemacht heute. Und ich habe die Lücken gefüllt, wo ich sein musste. Wir gewinnen als Team und verlieren als Team. In der Defensive ist es sehr wichtig, dass alle dasselbe tun. Dann ist es einfacher sich auch individuell zu steigern.“

Er habe den Druck gespürt in der Vorbereitung, betonte der Däne. „Natürlich habe ich gehört, was Martin gesagt hat und habe die Kritik auf mich bezogen. Ich habe versucht zu zeigen, dass ich da sein und dem Team helfen kann. Ich muss diesen Druck aushalten. Der einzige Weg ist hart zu arbeiten und weiterhin hart zu arbeiten. Es war ein guter Start ins Jahr, darüber bin ich sehr glücklich. Ich habe keine sehr gute Vorrunde gespielt, das weiß ich. Als der Trainer sagte, wir kriegen zu viele Gegentore und müssen uns da verbessern, war es völlig normal, dass der Konkurrenzkampf unter den Torhütern eröffnet war. Wir haben alle gemeinsam an den Fehlern gearbeitet und haben gegen Köln das Ergebnis gesehen, dass wir zu null spielen können.“

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