Lewandowski, wie immer

Christian Karn. Mainz.
Der FC Bayern München war eine Nummer zu groß für den FSV Mainz 05. Zwar gingen die 05er am Freitag durch Jhon Córdoba früh in Führung, genauso schnell (und letztlich nicht auf legale Weise) schlugen die Bayern aber ebenso flott zurück. Nach dem 1:2 dauerte es lange, bis die 05er wieder gut ins Spiel zurückfanden. In den letzten 20 Minuten kamen sie dem Ausgleich in Ansätzen wieder nahe, ohne aber wirklich gefährlich zu werden. Und Lewandowskis zweites Tor - das gelang dem Polen zum vierten Mal in Folge in Mainz - nahm den 05ern in der Nachspielzeit jede restliche Hoffnung auf einen Punkt.

FSV Mainz 05 - FC Bayern München 1:3 (1:2)

Freitag, 2. Dezember 2016, 34.000 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Balogun, Bell, Hack (62. Öztunali) - Donati, Ramalho (82. de Blasis), Frei (72. Latza), Brosinski - Malli - Onisiwo, Córdoba.
Reserve: Huth, Bussmann, Bungert, Seydel. Trainer: Schmidt.

FC Bayern München: Neuer - Kimmich (77. Vidal), Martínez, Hummels, Alaba - Lahm, Thiago - Robben, Müller (87. Sanches), Ribéry (66. Costa) - Lewandowski.
Reserve: Ulreich, Rafinha, Boateng, Bernat. Trainer: Ancelotti.

Schiedsrichter: Siebert (Berlin).

Tore: 1:0 Córdoba (4., Malli), 1:1 Lewandowski (8., Robben), 1:2 Robben (21., Müller), 1:3 Lewandowski (90+1., direkter Freistoß).

Gelbe Karten: Córdoba, Bell, Balogun - Martínez, Lewandowski.

Robert Lewandowski hat in Mainz einen Bundesligarekord aufgestellt, aber keinen von den einfachen. Zum vierten Mal in Folge hat der Torjäger der Bayern bei den 05ern zwei Tore geschossen; zum zweiten Mal für die Bayern, davor auch zweimal für Borussia Dortmund. Das erste 05-Heimspiel gegen die Bayern nach seinem Wechsel hatte der Stürmer verpasst. Lewandowskis erstes Tor am Freitagabend glich die frühe Führung der 05er früh aus; den Konter hätten die 05er durchaus abfangen können, begonnen hatte er mit einem nicht geahndeten Foul von Philipp Lahm. Sein zweites Tor nahm den 05ern in der Nachspielzeit die letzte Hoffnung auf einen 2:2-Ausgleich. Es war ein geschickter Freistoß, es war das Tor zum 3:1-Endstand in einem Spiel, in dem die 05er nur mit Glück hätten punkten können.

"Ein 3-5-2" nannte Martin Schmidt vor dem Anpfiff das Mainzer Spielsystem. Tatsächlich spielten Giulio Donati und Daniel Brosinski an den Seiten der Innenverteidiger (alle außer Niko Bungert) weit vorne. André Ramalho und Fabian Frei sollten vor der Abwehr das Zentrum dichtmachen und das Spiel aufbauen, vorne stellte Schmidt Yunus Malli hinter der Doppelspitze Jhon Córdoba und Karim Onisiwo auf.

Das funktionierte in den ersten Minuten auf Anhieb. Die 05er griffen die Bayern hoch an und gingen schon in der vierten Minute in Führung: Malli spielte knapp in der eigenen Hälfte den Steilpass auf Córdoba. Der hatte schon auf den ersten Schritten den entscheidenden Vorsprung auf Javier Martínez, lief ihnen halbrechts davon, schoss aus einigermaßen spitzem Winkel ins lange Eck. Mal wieder eine frühe Führung gegen die Bayern - keine, die lange hielt. Schon in der achten Minute nahm Philipp Lahm Malli am Bayern-Strafraum den Ball ab - Foul!, beschwerte sich Malli am Ende bei Schiedsrichter Daniel Siebert, und er hatte gute Argumente. "Ich habe extra den Körper reingestellt, damit der Gegner nicht an den Ball kam", erklärte Malli nach dem Spiel, "er hat mich schon vorher getoffen. Für mich ist das ein Foul." Der Konter lief trotzdem, Stefan Bell vermochte den geschickt hakenschlagenden Arjen Robben nicht aufzuhalten, der Passweg zu Robert Lewandowski war offen und der kann so etwas. Ausgleich. Keine zwei Minuten später verlängerte Jonas Lössl die torlose Zeit Thomas Müllers mit einem guten Block.

Die Zone im Zentrum, um den Mittelkreis herum, war in dieser Phase die Zone, in der das Spiel geprägt wurde. Hier hatten die 05er immer wieder Balleroberungen, hier kamen sie im Ansatz in die Offensivumschaltung - selten aber anschließend auch an den Strafraum. Kamen die Bayern hier durch, hatten die 05er trotz der Fünferkette, die sich dann natürlich bildete, Probleme.

Dennoch gab es erst in der 20. Minute wieder einen Torschuss, wieder durch Müller, diesmal aussichtslos, das war noch ein einfacher Ball für Lössl. Im Gegensatz zu dem 40 Sekunden später. Müller hatte zunächst einen Seitenwechsel verschlafen, den Ball aber noch erreicht. Lewandowski flog an seiner Flanke vorbei, Robben lauerte am langen Fünfereck, hatte Platz, brachte die Bayern mit einem Kopfball in Führung. Die fünf Verteidiger erfüllten ihren Zweck einfach nicht, wenn die Angreifer mit Tempo kamen, hinten ging das Konzept nicht auf. So hätte Robben in der 25. Minute das 3:1 geradezu schießen müssen; der Abschluss missglückte jedoch völlig.

Das Ende der Hoffnungen: Robert Lewandowski (ganz links) schnickt in der Nachspielzeit den Freistoß zum 3:1 ins Tor. Foto: VeyhelmannMainzer Ballbesitz ging ab dem Rückstand gegen null. Die Bayern kontrollierten die Partie, kontrollierten sie in der Mainzer Hälfte. Bis in die 38. Minute dauerte es, dann schafften es auch die 05er mal wieder nach vorne; der Querpass von Alex Hack, der fast bis zur Grundlinie durchgelaufen war, kam aber nicht an. Immerhin: Hinten schlossen die 05er die Räume inzwischen etwas besser; die Bayern waren längst vom Gas gegangen, das machte die Aufgabe leichter.

Nach einer Stunde stellte Martin Schmidt die 05er aufs gewohnte 4-2-3-1 um. Levin Öztunali übernahm den rechten Flügel, Alex Hack verließ die Innenverteidigung. Bis dahin hatte die zweite Hilfe vor sich hin geplätschert; erst in der 65. Minute musste Lössl mal vor Robben retten, der sich allerdings den Ball zu weit vorgelegt hatte. Und die 05er bekamen jetzt bessere Szenen. Brachten sie nicht zu Ende, halfen sich zu wenig; Öztunali und etwas später Onisiwo hätten sich Anspielstationen gewünscht und hatten keine. Es waren Ansätze, aber sie häuften sich ab der 70. Minute. Ein im Ansatz verunglückter Eckball von Malli ergab über Umwege einen Torschuss von Öztunali (74.), Dinge funktionierten auf einmal wieder. Kontergefahr bestand immer, aber die Mainzer waren jetzt wieder drin im Spiel. Und hatten in der 78. Minute einen gar nicht schlechten Schuss des eingewechselten Danny Latza - auf den Mann. Und die Zeit lief den 05ern davon. Die Bayern spielten auf Zeit - in gewisser Weise ein Kompliment für die 05er, die nach dem 1:2 letztlich nicht allzu viele Möglichkeiten gelassen hatten. Aber auch etwas, das den Bemühungen, irgendwie noch ein 2:2 zu erzwingen, nicht half.

Die aber waren in der 91. Minute sowieso vorbei. Lewandowski schnickte einen Freistoß um die Mauer herum ins linke Eck zum 3:1 und zum Rekord.

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