Latza verlängert die Serien

Christian Karn. Mainz.
Eine starke vierte Viertelstunde des FSV Mainz 05 reparierte ein Spiel, das trotz der sehr frühen Führung durch Alexandru Maxim hätte schief gehen können. Und am Ende war's schon wieder Danny Latza, der dem Hamburger SV das entscheidende Tor ins Netz schoss, bereits seinen vierten Treffer gegen den ehemaligen 05-Torwart Christian Mathenia, nur ein paar Minuten nach Stefan Bells 2:1. Dass die 05er ihre Konter nicht vernünftig ausspielten, dass ein eher fragwürdiger Elfmeter den HSV in der Nachspielzeit noch auf 2:3 heran brachte, änderte am Ende nichts mehr am zweiten Heimsieg in Folge, der die 05er erstmal ins Tabellenmittelfeld setzt.

FSV Mainz 05 - Hamburger SV 3:2 (1:1)

Samstag, 14. Oktober 2017, 30.371 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Adler - Donati, Bell, Diallo, Brosinski - Gbamin, Latza - Öztunali (88. Kodro), Maxim (61. Serdar), de Blasis - Quaison (68. Muto).
Reserve: Zentner, Balogun, Fischer, Frei. Trainer: Schwarz.

Hamburger SV: Mathenia - Diekmeier, Jung, Mavraj, Sakai - Ekdal, Walace (66. Schipplock) - Hahn, Hunt, Ito (55. Kostic) - Wood (79. Salihovic).
Reserve: Pollersbeck, van Drongelen, Holtby, Janjicic. Trainer: Gisdol.

Schiedsrichter: Brych (München).

Tore: 1:0 Maxim (2., Donati), 1:1 Walace (9., nach schlechter Abwehr), 2:1 Bell (52., Diallo), 3:1 Latza (58., de Blasis), 3:2 Salihovic (90+2., Elfmeter).

Gelbe Karten: Diallo - Mavraj.

Die Serie gegen den Hamburger SV hält. Zum fünften Mal in Folge blieb der FSV Mainz 05 ungeschlagen gegen den ewigen Bundesligisten, und hätte es nicht in der Nachspielzeit einen kaum berechtigten Fernseh-Elfmeter für den HSV gegeben, hätten die 05er den HSV auch im dritten Jahr in Folge 3:1 geschlagen - nach Treffern von Alexandru Maxim, Stefan Bell und Danny Latza, dem frühen Ausgleich durch Walace und dem späten Elfmetertor von Sejad Salihovic halt 3:2 - auch das brachte ihnen drei Punkte, auch das brachte die 05er erst einmal ins Tabellenmittelfeld.

Wie bereits angedeutet, ließ Sandro Schwarz seinen Mittelstürmer noch einmal verschnaufen; Yoshinori Muto saß auf der Bank, für ihn spielte Robin Quaison vor einer offensiven Dreier- und einer defensiven Viererkette. Und das sah von Anpfiff an gut aus: Die Mainzer setzten den Gegner von Anfang an unter Druck und gingen nicht mal unvorhersehbar schon in der 2. Minute in Führung: Levin Öztunali und Giulio Donati nahmen mit einem erweiterten Doppelpass die linke Hamburger Abwehrseite aus dem Spiel, der Rechtsverteidiger schob den Ball im Strafraum zu Alexandru Maxim, der mit einem Schuss ins lange Eck sein erstes Pflichtspieltor für die Mainzer erzielte - in der dritten Strafraumaktion der jungen Partie, in der der HSV erst einmal völlig verunsichert wirkte - und wer weiß, was noch in dieser frühen Phase passiert wäre, wäre Öztunali nicht in der siebten Minute im Strafraum der Ball ein kleines Stück zu weit abgesprungen.

Jedoch zogen sich die 05er nach der Führung schnell ein Stück zurück. Sie ließen den HSV ins Spiel, gaben ihm in der 8. Minute einen Freistoß in fieser Position, gut 25 Meter vor dem Tor, zentral. Aaron Hunt schoss, verpatzte ihn eigentlich völlig, aber Stefan Bell, der wohl einen Gegenspieler hinter sich wähnte, den es nicht gab, legte mit einer verrutschten Kopfballabwehr die Kugel zu Walace Silva, der die Lücke zwischen vielen Gegenspielern fand - 1:1. Unnötig. Und diesmal ein Wirkungstreffer für die Mainzer, die Glück hatten, dass nach einer zögerlichen Aktion von Abdou Diallo, der den Ball an sich schon kontrolliert hatte, André Hahn den Schuss verzog (12.). Dass Dennis Diekmeiers Flanke zu nah ans Tor kam (13.). Dass Bobby Wood nach einem Fehler von Bell in aussichtsreicher Situation übers Tor schoss (15.). Der Anfangsschwung, den das Führungstor hätte konsolidieren können, war völlig futsch.

Die 05er bemühten sich aber um Entlastung der wackligen Abwehr. Den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren lassend suchten sie nach Sicherheit, sie setzten sich dabei auch wieder ein bisschen besser in der Hamburger Hälfte fest. Und hätten in der 24. Minute erneut in Führung gehen können: Öztunalis harter Schuss aus spitzem Winkel aber ging am langen Eck vorbei, der am zweiten Pfosten noch hineingrätschende Pablo de Blasis erreichte den Ball nicht mehr. Und in der 29. Minute ließ Danny Latza, der Hattrickschütze aus dem vorigen Heimspiel gegen den HSV, einen ganz seltsamen Flatterball los, den der möglicherweise von der Sonne geblendete Hamburger Torwart Christian Mathenia unterschätzte, der aber auch für alle anderen überraschend gegens Lattenkreutz klatschte.

Ein glücklicher Torjäger - vier seiner sieben Bundesligatreffer schoss Danny Latza in zwei Heimspielen gegen den HSV. Foto: VeyhelmannEs war noch nicht wieder wirklich gut, was die 05er anstellten, aber sie waren wieder im Spiel, sie hatten wieder so etwas wie Kontrolle darüber, die erst in der Schlussphase der ersten Hälfte verloren ging: Erst säbelte René Adler weit vor dem Strafraum über einen Ball, den vielleicht Diallo besser hätte klären müssen, und hätte Aaron Hunt mit dem Fehler gerechnet und sich nicht schon der erwarteten Aktion zugewandt, hätte er den Ball nur ins leere Tor schieben müssen (41.). Und in der nächsten Aktion schss auch André Hahn ans die Latte des Mainzer Tors. Wahrscheinlich waren die 05er auch in dieser Phase etwas abgelenkt von ihrem Zorn auf den Schiedsrichter, der sie mit einer Reihe sicher nicht spielentscheidender, aber ungeschickter Entscheidungen ein paar Minuten lang benachteiligt hatte.

Das war in der 52. Minute aber vergessen, als Bell, der Pechvogel der ersten Hälfte, die 05er wieder in Führung brachte. Der Kapitän musste bei seinem Kopfball nach der von Diallo verlängerten Öztunali-Ecke lediglich aufpassen, am offenen langen Eck nicht gegen den Pfosten zu rennen. Tatsuya Ito allerdings hatte nach nicht mal zwei Minuten schon den erneuten Ausgleich auf dem Fuß, verzog aber seinen Schuss. Auch beim Freistoß weitere zwei Minuten später sah die Mainzer Abwehr nicht gerade organisiert aus - besser allerdings als Mathenia, der in der 58. Minute von einem Latza-Schuss völlig überrascht schien, die Hände am Ball hatte, ihn durchließ zum vierten Tor des Sechsers gegen den ehemaligen Mainzer Juniorentorwart. De Blasis versuchte in der 62. Minute einen Kunstschuss aus spitzestem Winkel - der konnte gar nicht gut gehen.

Und es blieb chaotisch. De Blasis lag noch in der HSV-Hälfte, als der Konter lief. Brych ließ ihn laufen - war okay. Der letzte Pass war ein Ball für Adler, der zögerte, den Ball schließlich hatte, vom eigenen Mann umgerannt schließlich wieder verlor. Der HSV machte nichts daraus in der 63. Minute.

Zeit verrann von da an. Der HSV versuchte sich dem 2:3 zu nähern, kam ihm nicht nahe. Die 05er eroberten Bälle, stabilisierten Ballbesitz, kamen nicht konsequent in die Konter, auch wegen der schlechten Passquote von de Blasis. Die Hamburger Offensivwechsel verpufften, der für den fleißigen Quaison eingewechselte Yoshinori Muto und der aggressive Suat Serdar als vorgezogener Kämpfer vor dem nicht minder starken Jean-Phlippe Gbamin beschäftigten die Gegenspieler schon mehr. Und Zeit verrann. Erst in der 90. Minute verhinderte der wild durch den Strafraum hechtende Adler noch einmal das Anschlusstor - im Videobeweis wurde daraus ein Handelfmeter. Der grätschende Diallo war in der Achsel angeschossen worden, ein eindeutiges Handspiel war's wirklich nicht, der Videomann Marco Fritz hätte nicht eingreifen dürfen. Sejad Salihovic verwandelte den Strafstoß - egal, es war zu spät für die völlige Wende. Das bisschen Schlussoffensive, das der HSV noch versuchte, endete mit einem Stürmerfoul, einem langen, lange verzögerten Freistoß ins weit entfernte Seitenaus, dem Abpfiff.

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