Latza und Serdar drohen auszufallen

Jörg Schneider. Mainz.
Das Duell zwischen Martin Schmidt und seinem Nachfolger beim FSV Mainz 05 steht natürlich im medialen Interesse, wenn die 05er am Samstag beim neuen Klub ihres Ex-Trainers aufschlagen. Sandro Schwarz hat aber im Vorfeld andere Gedanken im Kopf, die den aktuellen 05-Coach beschäftigen. Danny Latza und Suat Serdar sind angeschlagen und drohen fürs Auswärtsspiel auszufallen. Beide haben am Donnerstagnachmittag erstmals auf dem Trainingsplatz gestanden. Serdar absolvierte ein leichtes Training, Latza nur das Aufwärmprogramm. „Es kann bei beiden nicht funktionieren, kann aber auch bei beiden gehen. Eine Prognose ist schwierig“, so der 05-Coach.

Natürlich steht am Samstag das Duell zwischen dem ehemaligen Trainer des FSV Mainz 05 und dem aktuellen Coach im Mittelpunkt des medialen Interesses. Martin Schmidt, seit einer Woche neuer Trainer beim VfL Wolfsburg, empfängt im Heimspiel das Team seines Nachfolgers. Der Schweizer wird hochmotiviert sein und darauf brennen, einen Sieg gegen seinen Ex-Klub zu landen. Nicht zuletzt, um zu dokumentieren, dass die Performance, die der 51-Jährige in seinen Jahren am Bruchweg abgeliefert hat, nicht so schlecht war, wie dies zum Zeitpunkt der Trennung vielleicht rübergekommen ist und vor allem, weil Schmidt zeigen will, dass er es auch mit einer anderen Mannschaft kann. Mit dem 2:2 beim FC Bayern hat der Coach seinem neuen Arbeitgeber zuletzt schon mal ein positives Signal gesendet.

Suat Serdar hat am Donnerstag zumindest schon mal leicht trainiert. Dennoch steht weiterhin ein Fragezeichen hinter seinem und dem Einsatz des ebenfalls angeschlagenen Danny Latza. Foto: Ekkie VeyhelmannSandro Schwarz hat unter der Woche schon bekräftigt, dass er die Partie nicht auf das Trainer-Duell reduzieren möchte. Vor allem aber plagen den 05-Trainer vor der Partie in der Autostadt im Moment noch andere Sorgen. Denn mit Danny Latza und Suat Serdar drohen fürs Auswärtsspiel zwei eigentlich dringend benötigte zentrale Mittelfeldspieler auszufallen und Schwarz muss sich überlegen, wie er ohne diese aggressive und zweikampfstarke Doppelsechs klarkommt oder ob eventuell einer von beiden spielen kann. Ob er die Positionen anders besetzt oder vielleicht sogar eine Systemänderung in Erwägung zieht. Latza hat sich eine Rippenprellung zugezogen, Serdar eine schmerzhafte Schürfwunde am Unterschenkel, die den dynamischen Sechser stark behindert.

„Entweder du veränderst die Grundordnung und spielst mit einer sechs oder du guckst, dass zwei andere Sechser auf dem Feld stehen“, lautet die Reaktion des Trainers darauf. „Nach den Behandlungen und spätestens nach dem Abschlusstraining werden wir wissen, ob Suat und Danny einsatzfähig sind oder nicht. Es kann  bei beiden nicht funktionieren, kann aber auch bei beiden gehen. Eine Prognose ist schwierig. Aber beide haben noch kein Mannschaftstraining absolviert in dieser Woche“, sagte der 38-Jährige in der Spieltagespressekonferenz. Beim Training am Nachmittag stand das Duo zumindest schon mal wieder beim Aufwärmen auf dem Platz und absolvierte dann ein Spezialprogramm. Vielleicht geht ja doch noch was.

Klar ist aber, dass Schwarz in diesem intensiven Auswärtsspiel keine Spieler einsetzen will, die nicht komplett fit sind. Sollten beide zentralen Akteure ausfallen, könnte Jean-Philippe Gbamin ins Mittelfeld vorrücken und zusammen mit Fabian Frei die Rolle auf der Doppelsechs übernehmen. Entscheidet sich Schwarz dafür, mit nur einem Sechser anzutreten, könnte dies auf eine 4-4-2-Variante mit Raute hinauslaufen. Beispielsweise mit dem Franzosen auf der sechs, mit zwei Halbstürmern, bei denen der Coach eine veritable Auswahl hat, mit Alexandru Maxim auf der zehn und mit einem weiteren Angreifer neben Yoshinori Muto. „Das hängt alles auch vom Plan ab, den wir für den VfL Wolfsburg aufstellen“, betont der Coach. Seine Äußerungen sprechen dafür, dass Schwarz in Wolfsburg wieder mit der Viererkette operieren will, um Martin Schmidts zu erwartende Grundaufstellung zu spiegeln. „Es wird extrem spannend sein, weil Martin seine ehemaligen Spieler natürlich sehr gut kennt und er meine und unsere Spielidee kennt. Wir wissen, dass er sehr viel im 4-4-2 oder im 4-2-3-1 agiert hat. Es wird spannend, ob beide in der Ausrichtung drin bleiben oder Überraschungen veranstalten. Wir sind auf alles gefasst.“

Der 05-Coach erwartet aber in jedem Fall eine Partie, in der sich die Heimmannschaft stärker über den Ballbesitz definiert, weil sie die Spieler dafür haben. „Für uns wird es wichtig sein, die Zuspiele in die Spitze, die Passwege abzuklemmen. Und selbst Zugriff im Zentrum bekommen, über Balleroberungen selbst Aktionen nach vorne starten. Ich denke nicht, dass es ein Spiel geben wird, das davon geprägt sein wird, dass beide Mannschaften eher verhalten agieren. Die Wolfsburger werden für sich in Anspruch nehmen, gegen Mainz 05 gewinnen zu müssen und deshalb versuchen werden das Spiel zu dominieren. Darauf wollen wir uns einstellen.“

Wiedersehen mit Yunus Malli

In der englischen Woche hat Schwarz die vorderen Außenpositionen mehrfach verändert. „In allererster Linie sind unsere Flügelspieler die Pressingspieler, die sehr hoch attackieren müssen gegen die Innenverteidiger oder die Dreierkette, sie müssen eine enorme Laufleistung vollbringen Woche für Woche. Gerade in der Englischen Woche war für uns der Ansatz, da häufiger zu wechseln“, sagt Schwarz. „Dazu geht es darum, was brauchst du auf den Flügeln? Mehr Ballbesitz, oder willst du mehr in die Umschaltbewegung reinkommen und mehr in die Halbräume ziehen?“. Änderungen seien möglich, aber nicht zwingend notwendig.

Ein Wiedersehen gibt es nicht nur mit dem Ex-Trainer, sondern auch mit Yunus Malli, der Anfang des Jahres zum VfL gewechselt war und unter Schmidt nun wieder mehr Spielanteile bekommt. „Wir freuen uns auf ihn, wir haben ihn ja jetzt schon länger nicht mehr gesehen“, sagt Schwarz. „Wir müssen sehr gut verteidigen gegen ihn. Yunus ist ein Spieler, der sich sehr gut zwischen  den Linien bewegt, ein gutes Tempodribbling mit seinem rechten Fuß und immer wieder gute Phasen hat im Spiel.“ Im Zusammenspiel mit Daniel Didavi und Maximilian Arnold kann da echte Gefahr drohen. „Es wird wichtig sein mit engen Abständen zu verteidigen und vor allem Yunus nicht ins Tempodribbling kommen zu lassen“, betont der 05-Trainer.  

Sollte Gbamin ins Mittelfeld vorrücken und Schwarz wieder zur Viererkette zurückgreift, hat er drei Innenverteidiger zur Auswahl: Stefan Bell, Abdou Diallo und Leon Balogun. Niko Bungert fällt noch verletzt aus, Alexander Hack ist noch keine Option. Der 22-Jährige ist gerade erst ins Mannschaftstraining zurückgekehrt und soll in der anschließenden Länderspielpause, im Testspiel nächsten Donnerstag gegen den SV Sandhausen, Einsatzzeit bekommen um die nächsten Schritte zu gehen. Das gilt auch in ähnlicher Weise für Kenan Kodro im Angriff, der wegen Verletzung etwas hinten dran ist im Moment. „Kenan kam  verletzt vom Nationalmannschafts-Einsatz zurück, ist neun Tage ausgefallen. Er hat sich gut herangearbeitet. Er hat die Qualität zwischen den Linien und eine sehr gute Abschlussqualität. Er kriegt hundertprozentig seine Chance sich zu präsentieren“, betont Schwarz. „Generell ist es wichtig bei Mainz 05, neuen Spieler immer wieder diese Entwicklungszeit zu geben, um sich auf den neuen Trainer, eine neue Sprache, ein neues Umfeld einzulassen. Das ist bei Kenan genauso. Er zeigt im Training seine Qualitäten und wird die auch in absehbarer Zeit im Spiel zeigen.“

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