Krkic: „Ganz gut bis wirklich gut“

Jörg Schneider. Mainz.
Bojan Krkic hat sein Heim-Debüt für den FSV Mainz 05 hinter sich. Der prominente Neuzugang war bei seiner Startelf-Premiere noch kein prägendes Element des 05-Spiels, doch der Offensiv-Techniker zeigte in etlichen Aktionen mit seiner Ballbehandlung, seinem Bewegungsablauf gute Ansätze, ließ erahnen, was der Spanier drauf hat und was da noch kommen kann. Sein Potenzial ist erkennbar, aber da ist auch noch viel Luft nach oben. „Bojan hat es ganz gut bis wirklich gut gemacht. Ich bin zufrieden mit ihm“, sagte der 05-Trainer. „Ich bin fürs erste Mal ganz zufrieden“, betonte der Profi, „ich will dem Team aber mehr helfen, dafür bin ich hier.“

Knapp 70 Minuten hat er gedauert, der erste Auftritt von Bojan Krkic in der heimischen Opel Arena. Der Stareinkauf des FSV Mainz 05 stand in seinem zweiten Spiel für seinen neuen Klub erstmals in der Startelf. Die mental wie physisch extrem starke Mannschaftsleistung beim souveränen und nie gefährdeten Heimsieg gegen den FC Augsburg hat dem hochbegabten Fußballer den Einstieg an diesem Tag sicherlich erleichtert. Bojan war bei seiner Premiere zu Hause noch kein prägendes Element des 05-Spiels, doch der Offensiv-Techniker zeigte in etlichen Aktionen mit seiner Ballbehandlung, seinem Bewegungsablauf, mit sicherem Dribbling in engen Räumen, dass er kicken kann. Schnelles, direktes Spiel mit klaren Pässen, gutes Anlaufverhalten. Krkic erzielte damit in diversen Situationen Wirkung, ließ erahnen, was der Spanier drauf hat und was da noch kommen kann. Gut zehn Minuten brauchte der Neuzugang, um sich zu orientieren, dann wurde Bojan von seinen Mitspielern häufiger gesucht und gefunden. Als in der zweiten Halbzeit die Kräfte schwanden, sich Fehler ins Spiel des Top-Transfers einschlichen, musste er Platz machen für Yoshinori Muto. Der erste Eindruck war dennoch positiv. Das Potenzial ist erkennbar, aber noch fehlt dem Techniker die Wettkampfhärte. Da ist noch viel Luft nach oben.

Nach dieser Aktion von Martin Hinteregger, der beim Dribbling von Bojan Krikic im Strafraum die Fußspitze des 05-Neuzugangs in dessen Startelf-Premiere traf, forderten die Mainzer Elfmeter. Foto: ImagoDie Verantwortlichen waren insgesamt zufrieden mit der Leistung des 26-Jährigen. „Bojan hat sehr intelligent gespielt. Wenn er den Ball hatte, konnte man sehen, dass sein erster Kontakt sehr gut war. Er ging sofort in die Bewegung rein, hat die Bälle verteilt und die Räume gefunden“, sagte Rouven Schröder nach der Partie. „Ab der 65. Minute hatte er den einen oder anderen Fehler, der untypisch für ihn ist. Das war aber für den ersten Auftritt von Anfang an ein gutes Spiel.“

So, wie sein Sportdirektor sah es auch der 05-Trainer. Martin Schmidt sprach aber auch das Steigerungspotenzial an. „Wir haben uns entschieden, dass es gut passt, Bojan in diesem Heimspiel zu bringen. Weil Augsburg ja nicht diesen gepflegten Spielaufbau auswärts hat. Bojan kann sehr vieles, was er aber in seiner Ausbildung nicht gelernt hat, ist der Mainz-Fußball. Das heißt anlaufen, gegen den Ball arbeiten. Das ist sicher nicht seine größte Stärke. Das muss er aber mitbringen, wenn er hier spielt“, betonte der 05-Trainer. „Das haben wir ihm in Januar in den Gesprächen gesagt. Wir haben ihm Videos gezeigt, wie wir spielen, und er wusste schnell, auf was es ankommt. Unter dieser Prämisse hat er es gut gemacht. Bei der Auswechslung hatte er knapp zehn Kilometer abgespult. Wenn man das hochrechnet, wäre er auch auf die Laufleistung der Mannschaft gekommen. Daran sieht man, dass er sehr fit ist.“ Krkic habe gegen den Ball solide gespielt. „Mit Ball hat man in einzelnen Szenen gesehen, dass er kicken kann. Dass ihm sicherlich noch etwas die Spielpraxis abgeht, aber dafür braucht er Spiele. Wir fanden, rein mit ihm. Dann weiß er, wo er ist. Die Zuschauer wissen, was er kann. Es ist nicht so einfach für ihn, hier reinzukommen. Alle denken, jetzt mach mal, wir wollen sehen, was du kannst. Aber er hat in den letzten Monaten wenig Spiele gemacht, er hat noch keinen Rhythmus. Unter diesen Faktoren hat er es ganz gut bis wirklich gut gemacht. Ich bin zufrieden mit ihm. Der erste Eindruck hat gepasst.“ Die Auswechslung sei im Plan gewesen. „Wir lassen ihn 60 Minuten laufen, dann muss Yoshi drauf. Das Anlaufen ist in diesem Moment etwas gekippt. Der Gegner hatte etwas viel Ballbesitz, und wir brauchten da vorne wieder einen frischen, der aufs Neue anläuft. Ab da war es dann wieder so, dass wir den Gegner von der letzten Zone weghalten konnten“, erklärte Schmidt. Vor allem Bojans Zusammenspiel mit Jhon Cordoba passte auf Anhieb. „Auch für Jhon war es gut. Es hat ihn angespornt, mit Bojan vorne zu spielen“, vermutete Schröder. Der alles überragende Mittelstürmer profitierte von diesem Konzept mit Krkic. Wenn Cordoba im Zentrum vorne die Bälle behauptete und die beiden Innenverteidiger in Vollbeschäftigung hielt, ließ sich der Spanier zurückfallen. Immer dann, wenn sich der Kolumbianer, was er häufig versuchte, über die Halbposition weiter außen durchzusetzen, suchte Krkic den Weg in den Strafraum. Kam Cordoba dem eigenen Aufbauspiel im Mittelfeld entgegen, ging Bojan in die Tiefe. Dieser Ansatz war vielversprechend.

„Ich habe es genossen, hier Fußball zu spielen“

„Es war ein gutes Gefühl heute. Ich habe es genossen, hier Fußball zu spielen“, sagte der Neuzugang nachher. „Wir waren von Anfang an ein starkes Team, sehr kompakt, haben gut gearbeitet. Wenn wir den Ball hatten, haben wir speziell in der ersten Halbzeit gut Fußball gespielt und gute Aktionen herausgearbeitet.“ In einer dieser Aktionen hätte Krkic fast ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Sein Dribbling im Augsburger Strafraum in der 40. Minute beendete Innenverteidiger Martin Hinteregger nicht regelgemäß. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied sich jedoch gegen den Strafstoß. „Für mich war es so auf dem Platz, dass es ein Foul war“, sagte Bojan. „Ich wollte schießen. Ich fühlte, dass ich am Fuß getroffen wurde, so dass ich im Tempo nichts mehr kontrollieren konnte und auf den Boden fiel. Der Schiri hat leider nicht den Elfmeter gegeben.“ Als Gräfe dann auf Strafstoß entschied nach der Aktion von FCA-Keeper Marvin Hitz gegen Cordoba, da trat Krkic zur Seite und überließ Jairo den Elfer. Obwohl der Spanier mit dem serbischen Pass ein ausgemachter Elfmeter-Schütze ist, der bei Stoke City etliche Male vom Punkt aus vollstreckt hat. Und ein Strafstoß-Tor seiner Integration enorm geholfen hätte. Doch Jairo benötigte selbst diese Aufbauhilfe für sein Selbstbewusstsein, meldete älter Rechte an und erzielte das 2:0.

Mit diesem ersten Startelf-Einsatz habe er seine Mannschaft und die Mitspieler noch besser kennengelernt. Ihre Art zu spielen in einem solchen Spiel, betonte Krkic später. „Ich war sehr glücklich darüber. Es war mein erstes Spiel hier im Stadion. Dafür war es schon ganz gut. Ich versuche in jedem Spiel hundert Prozent zu geben. Ich bin fürs erste Mal ganz zufrieden, ich will dem Team aber mehr helfen, dafür bin ich hier. Ich will in jedem Training mein Bestes geben, um das zu erreichen“, erklärte der prominente Profi.

Dass seine Mannschaft im Aufbau häufig mit längeren Bällen operiert hatte, erachtete Bojan als unproblematisch für seine eigene Spielweise. „Das war gut so, denn Jhon Cordoba ist sehr stark als Zielspieler vorne und wir können auf die zweiten Bälle gehen. Das gibt uns mehr Flexibilität.“ Der Ansatz, den langen Ball im Aufbau zu wählen, sei gegnerabhängig gewesen, betonte Stefan Bell, der etliche dieser Bälle hinten raus schlug. „Augsburg spielt ein sehr hohes Pressing mit vier, fünf Mann vorne. Da ist es oft ein einfaches Mittel, die Pressinglinie mit einem hohen Ball zu überspielen auf Cordoba, der dann ablegt für unseren Zehner oder die nachrückenden Spieler. Es ist vielleicht nicht die spanische Fußballkunst, die Bojan gewohnt ist, es war aber diesmal oft das beste Mittel. Wir haben ihn zudem nach gut zehn Minuten auch immer besser gefunden, er hat sich häufig angeboten“, so der 05-Inenverteidger. „Ich glaube nicht, dass wir zu Hause jedes mal 70 Prozent Ballbesitz haben und uns vom eigenen Sechzehner mit 25 Flachpässen in den gegnerischen Sechzehner spielen müssen. Diese Variante hat diesmal wirklich gut funktioniert, weil wir meistens den zweiten Ball erobert haben.“

Der Trainer gestand, dass er den Gegner in einer anderen Ausrichtung erwartet habe. „So, wie in den letzten Auswärtsspielen, wo sie immer im 5-4-1 oder im 3-4-3 kamen. Wir wollten dagegen eigentlich mehr übers Zentrum aufbauen. In der Konstellation, wie sie diesmal kamen, sind sie zu zweit angelaufen, ihr Zentrum war zu. Deshalb war schnell klar, dass die Bälle außen vorbei oder über die erste Kette hinweg gespielt werden müssen. Wir waren nach Hoffenheim vom Selbstbewusstsein auch nicht so drauf, dass wir sagen, wir nehmen den Ball und spielen den Gegner an die Wand. Dann geht’s schnell wieder in die andere Richtung.“

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