Krkic: Alles getan für den Platz im 05-Kader

Jörg Schneider. Mainz.
Bojan Krkic, der Neuzugang von Stoke City, hat sein erstes Training für den FSV Mainz 05 absolviert. Anschließend stellte der Verein den 26-Jährigen offiziell vor. Der neue Mann, der unbedingt zum Bruchweg wechseln wollte, hat offenbar auf eine Menge Geld verzichtet, um mit den 05ern in der Bundesliga spielen zu können. „Ich möchte hier ein normaler Spieler sein. Ich möchte den Unterschied auf dem Platz ausmachen, nicht außerhalb. Ich denke nur daran, im Training hart zu arbeiten mein Bestes zu geben und mein Team zu unterstützen“, sagte Krkic. Die nullfünfMixedZone hat die wichtigsten Hintergründe des Transfers zusammengefasst.

Bojan Krkic stellte sich am Mittag in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor. Fotos: Jörg SchneiderJetzt ist er also da, der neue Hoffnungsträger des FSV Mainz 05 für die Rückrunde der Bundesliga. Am Sonntagabend saß Bojan Krkic mit seinem Berater Carles Puyol in einer Loge in der Opel Arena als Beobachter beim 1:1 der 05er gegen Borussia Dortmund. Am Morgen danach lernte der 26-Jährige seine neuen Kollegen in der Kabine des Bruchwegstadions kennen und absolvierte anschließend seine erste Trainingseinheit beim neuen Klub. 90 Minuten lang übte Krkic im Spielersatztraining mit den Profis, die am Abend zuvor nicht oder nur wenig gespielt hatten. Der erste Eindruck: Der neue Mann schien sofort integriert, überzeugte im Trainingsspiel erwartungsgemäß als freier, neutraler Spieler mit glänzender Technik und sauberem Passspiel. Mehr Einsicht gab diese Einheit nicht her. Am Mittag dann stellte der Klub den Spanier in einer Pressekonferenz in der Arena vor. Als „namhafteste Verpflichtung, die der Verein je getätigt hat“, wie Tobias Sparwasser sagte.

Die Einleitung des 05-Pressechefs zeigt, wie hoch die Erwartungen an diesen Profi mit der weitreichenden internationalen Erfahrung sind, was sich die 05er von dem jungen Mann, der seit seinem 17. Lebensjahr nur bei europäischen Top-Klubs gespielt hat, erhoffen. Was Rouven Schröder dazu veranlasste, gleich zur Besonnenheit aufzurufen. „Der Rucksack ist eh schon groß, den sollten wir nicht noch weiter füllen“, betonte der Sportdirektor.

Erste Trainingsaktionen mit Pablo De Blasis und Gerrit Holtmann. Gleichwohl ist der 41-Jährige absolut davon überzeugt, mit Krkic eine große Verstärkung und eine echte Hausnummer für seinen Kader verpflichtet zu haben. „Ich bin froh, dass der Bojan sich für uns entschieden hat für die nächsten fünf Monate. Und dass wir einen Spieler haben, der mit voller Überzeugung bei uns unterschrieben hat. Dass ist für uns das Wichtigste, dass wir einen Spieler bekommen, der diese Zeit nicht sieht als Nebenetappe, wo er etwas runterspielen will und einfach irgendwo hin geht. Sondern sich ganz bewusst für den Weg mit uns entschieden hat. Der Fußball spielen möchte, der sich eingliedern möchte, der alles für sein Team tun will. Er wird die Mannschaft bereichern, er wird aber auch den Verein bereichern. Nicht viele hätten gedacht, dass sich ein solcher Spieler für Mainz 05 entscheidet. Da kann der Verein stolz drauf sein. Das ist was Positives und ein ganz wichtiger Schritt für uns. Er wird seinen Stempel aufdrücken und andere Spieler animieren, mit ihm besser zu spielen“, erklärte der Sportdirektor.

Bojan selbst präsentierte sich im Mediengespräch als aufmerksamer Zuhörer und mit klaren Antworten. Der Spieler, der zunächst in englischer Sprache Rede und Antwort stand, dann zum besseren Verständnis in seine spanische Muttersprache wechselte und von Martin Heininger übersetzt wurde, erweckte den Eindruck, dass er mit diesem Wechsel nach Manz komplett mit sich im Reinen ist. „Es war ein spezieller Tag für mich am Sonntag. Sehr wichtig für mich. Ich muss dem Verein Mainz 05 danken, dass sie mit mir arbeiten wollen. Ich muss Stoke danken, dass sie mir die Gelegenheit geben, hier in der Bundesliga spielen zu können. Ich bin hier um Fußball zu spielen, als allererstes Mainz zu helfen, gute Leistungen zu bringen, mein Bestes zu geben, meine Mitspieler zu unterstützen, damit wir gute und erfolgreiche Spiele abliefern. Ich habe gegen Dortmund gesehen, dass ich in eine gute Mannschaft mit guten Spielern komme, mit tollen Fans im Rücken. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein“, betonte der Neuzugang. Seine Prominenz und die vielen Vorschusslorbeeren seien kein Thema, mit dem er sich befassen wolle. „Ich möchte hier ein normaler Spieler sein. Ich möchte den Unterschied auf dem Platz ausmachen, nicht außerhalb. Ich denke nur daran, im Training hart zu arbeiten, um meinen Fußball zu spielen. Das ist das, was mich gedanklich beschäftigt.“

Die TV-Kameras warteten schon auf den 05-Neuzugang am Bruchweg. Bei Stoke City sei es schwierig für ihn geworden, sagte Bojan. Mark Hughes, der Trainer des Premiere-League-Clubs, habe die Voraussetzungen verändert. „Der Trainer von Stoke hat die Art Fußball zu spielen verändert. Er setzt nun mehr auf Muskeln und Physisches. Das hat nicht mehr so gepasst zu meiner Spielart. Da habe ich nicht mehr ganz reingepasst.“ Was nach den wenigen Monaten in Mainz passiere, spiele für ihn im Moment keine Rolle. Das ergebe sich zwangsläufig im Mai. „Ich mache mir darüber keine Gedanken. Ich will Fußball spielen und mich darauf konzentrieren.“ Er habe bisher nur wenig Gelegenheit gehabt, mit Martin Schmidt zu sprechen. „Ich denke aber, wir werden in dieser Woche viel  darüber reden, was er genau von mir erwartet, wie die Abläufe sind. Ich will versuchen, das in den ersten Trainingseinheiten so schnell wie möglich aufzunehmen und dann auch umzusetzen. Ich denke Mainz 05 weiß auch, was sie von mir erwarten können. Es ist auch klar, dass, wenn man mit mir spielt, nicht immer nur lange Bälle auf mich spielen kann.“

Krkic sieht sich als Verbindungsmann zwischen Mittelfeld und Offensive, der angespielt werden muss und will, um seine Stärken zu entfalten. „In den letzten Jahren habe ich häufig hängende Spitze gespielt, aber auch sehr oft im offensiven Mittelfeld in Verbindung zwischen Mittelfeld und Strafraumgrenze. Ich kann auch über die Flügel kommen, das habe ich aber eher selten gespielt.“ Die 05er um Trainer und Sportdirektor hat überzeugt, dass der einstige Barca-Jungstar mit seinen Qualitäten ein Spiel entscheiden, die wichtigen Tiefenpässe spielen und die Offensive lenken kann. Dazu hat Bojan vor allen Dingen zuletzt in England als Standardspezialist und sicherer Strafstoß-Schütze auf sich aufmerksam gemacht. „Als Spieler, vor allen Dingen als junger Spieler, lernt man im Ausland immer viel“, sagte der 26-Jährige. „Der größte Lerneffekt für mich war, dass man lernt sich anzupassen, verschiedene Spielsysteme kennenlernt und sich fußballerisch weiterentwickelt.“ Man habe einen Spieler gesucht und gefunden, der schon was erlebt habe und trotzdem erst 26 Jahre alt sei, sagte Schröder. Selbstverständlich habe der Trainer im Transfergespräch mit dem Spieler und anhand des Materials über Bojan auch dessen Verhalten überprüft, wenn der Gegner den Ball habe. „Das muss in einem Transfer natürlich auch beleuchtet werden“, betonte Schröder. Um unliebsame Überraschungen auszuschließen. „Ich glaube, dass du dir bewusst sein musst, was du für einen Spieler verpflichtest. Aufgrund seiner Vita und seines Charakters haben wir uns nullkommanull Gedanken darüber gemacht, dass er sich sportlich nicht integriert. Wir haben beim ersten Training heute Morgen schon gemerkt, wie schnell er sich integriert. Ein Spieler mit einer solchen Qualität wird sich immer rein sportlich integrieren. Er wird einer Bereicherung sein“, erklärte der 41-Järhige, der in der Verpflichtung überhaupt kein Risiko sieht.

Rouven Schröder: "Ein Spieler mit einer solchen Qualität wird sich immer rein sportlich integrieren." Die Mainzer haben Krkic ausgeliehen bis zum Saisonende und wissen, dass ein weiterführendes Engagement nicht möglich sein wird. „Wir hatten in keiner Phase die Möglichkeit eine Kaufoption darzustellen. Daran sieht man die Kategorie, aus der Bojan kommt. Man muss sich das einfach so vorstellen, dass alle geholfen haben, dass dieser Transfer überhaupt klappt. Danke an Stoke, dass es geklappt hat und danke an den Spieler, dass das Ganze wirtschaftlich seriös zu handhaben war.“ Carles Puyol, der Berater und ehemalige Weltstar des FC Barcelona (Krkic: „als Spieler war es eine Ehre für mich, mit ihm zu spielen und von ihm zu lernen. Heute ist er mein Berater. Aber wir sind auch Freunde geworden“) hat offenbar eine entscheidende Rolle bei diesem Transfer gespielt und den Wechsel von Krkic nach Mainz forciert.  Schröder hatte aus seinem Netzwerk heraus einen Tipp bekommen, dass der Spieler in die Bundesliga wolle und bereit sei, Mainz 05 den Zuschlag zu geben. „Für uns ging es dann darum, abzustimmen, was will der Spieler? Kann er sich das wirklich vorstellen? Dann ging’s um die Konditionen. Das ist der Punkt, an dem man schnell sein muss. Als klar war, die Bereitschaft des Spielers ist da und es ist vom Finanziellen auch mit der abgebenden Partei möglich. Da muss man mit der Konsequenz dran bleiben und auch nach Rückschlägen weiter dran glauben und jede Möglichkeit nutzen, um wieder einzusteigen. Es hat schon Höhen und Tiefen gegeben, aber der Spieler hatte immer die Höhe, er war immer klar, wohin er möchte“, so der Sportdirektor.“

Wie es aussieht, haben die 05er den Profi zu einem anständigen Preis bekommen, der sich weitab von englischen Verhältnissen ansiedelt und weitgehend ins Mannschaftsgefüge passt. Bojan Krkic hat offenbar auf eine Menge Geld verzichtet, um in der Bundesliga einen Anlauf nehmen zu können. Schröder sagte das nicht explizit, doch seine Erklärungen deuten darauf hin. „Wir müssen uns völlig lösen von den englischen Gehältern. Die wären für uns im Ansatz schon gar nicht darstellbar. Eine Leihe hat immer zwei Komponenten. Die Leihgebühr und das Gehalt ergeben ein Paket. Der annehmende Verein, also wir, muss sagen, dieses Paket sind wir bereit für fünf Monate zu stemmen. Wir müssen den Spieler so stellen, dass in der Mannschaft nicht das Gefühl entsteht, wir messen in zwei Paar Schuhen. Für uns gab es von Anfang an einen Betrag. Da ging es darum, wie man den aufteilt. Leihgebühr plus Gehalt oder nur Gehalt und keine Leihgebühr. Der Spieler musste für sich entscheiden, ob er mit dem Paket hier klarkommt. Ob er noch etwas vom abgebenden Verein erhält und wenn das nicht der Fall ist, ob er trotzdem damit klar kommt pro Monat. Ich kann nur sagen, Bojan hat alles dafür getan, hierhin zu kommen“, betonte Schröder.

Angebote aus England hätten Krkic nicht gereizt.  „Diesen Schritt wollte er nicht machen. Der freie Platz, den wir hatten, hat ihn komplett inspiriert, das alles zu machen. Es war schon stockig mit den Engländern, die in aller Konsequenz verhandeln und auch sehr stur sein können“, sagte Schröder. „Unser Faustpfand war immer der Spieler. Der war hundertprozentig überzeugt und auch bereit, seine Schritte dazuzutun, damit wir diesen Transfer sportlich und wirtschaftlich vertreten und seriös abwickeln können.“

Bis Dienstagabend will der 05-Sportdirektor nun daran arbeiten, noch einen weiteren Spieler für diese Zehnerposition nach Mainz zu holen. Einen jüngeren, talentierten Profi im Vorgriff auf die neue Saison, der sich schon ein halbes Jahr anpassen und gewöhnen kann. „Wir sind dabei, das noch umzusetzen. Weil es für uns immer wichtig ist, Eventualitäten, die am Ende der Saison geschehen könnten, frühzeitig abzubilden“, sagte der 41-Jährige, der allerdings nicht bestätigen wollte, dass es sich dabei um den 23-jährigen Robin Quaison von US Palermo handelt, über den derzeit am heftigsten spekuliert wird.  

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