Krankhafter Pilzbefall: Am Dienstag fliegt der Rasen raus

Jörg Schneider. Mainz.
Das Gefluche war groß, die Beschwerden aller Beteiligten einstimmig nach dem 0:0 im Bundesligaduell zwischen dem FSV Mainz 05 und der TSG Hoffenheim: Der Rasen in der Coface Arena ist kaum noch bespielbar. Zu tief. Zu holprig. Zu viele Bälle, die einfach verspingen. Die Ursachen dafür sind seit einiger Zeit bekannt: Das Stadion-Grün leider unter krankhaftem Pilzbefall. Der Klub zieht die Konsequenzen. Am Dienstag rücken die Maschinen an. Der Rasen fliegt raus, neues Gras wird verlegt. Bis zum nächsten Heimspiel, am 18. Oktober gegen den FC Augsburg, sollen die Verhältnisse wieder auf gutem Bundesliga-Niveau sein.

Die Coface Arena bekommt eine komplett neue Rasenfläche bis zum nächsten Heimspiel. Foto: Jörg SchneiderGut drei Jahre liegt die Grünfläche nun im Tiefparterre der Coface Arena. Drei Jahre, in denen sich die Heimspielstätte des FSV Mainz 05 den Ruf erworben hat, eines der besten Rasengevierte in der Bundesliga zu besitzen. Höher eingestuft werden lediglich die Anlagen in Wolfsburg, die mit Hilfe integrierter Kunstrasenfäden im Gras optimale Verhältnisse bietet und in Dortmund, wo dauerhaft mittels energiefressender Wärmelampen ein Hochsommerklima simuliert wird.

Doch seit kurzer Zeit ist es vorbei mit der grünen Mainzer Herrlichkeit. Während und nach der Partie gegen die TSG Hoffenheim war der Untergrund das beherrschende Thema unter den Beteiligten. Die Spieler fluchten über das tiefe, schwammige Geläuf, über hoppelnde und schlecht zu kontrollierende Bälle. Die Teams waren sich einig: Der Platz ist kaum bespielbar. Jedenfalls nicht auf gehobenem Bundesliganiveau.

Die Stadion-Greenkeeper haben alles versucht, diesen Verfall aufzuhalten, doch den 05-Verantwortichen war klar, dass bald etwas passieren muss. Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Am Dienstag rollen die Maschinen an, um die Grünfläche komplett abzutragen. Anschließend wird ein neuer Rollrasen verlegt. Bis zum nächste Heimspiel, am 18 Oktober gegen den FC Augsburg, soll wieder alles in Ordnung sein.

Der Arena-Rasen leidet unter einem krankhaften Pilzbefall, der sich in diesem Sommer zur vollen Blüte entwickelt hat. Woher diese Krankheit kommt, weiß keiner so genau. Fakt ist aber, dass viel Nässe und Wärme diesen Prozess beschleunigt haben. Zu den klimatischen Bedingungen kommt die Besonderheit, dass die Spielfläche im Tiefparterre der Arena absolut geschützt ist. Kein Windstoß erreicht das Grün. Auf dem Spielfeld ist es entweder heiß oder kalt. Die Luft steht dort unten.

Die Wurzeln verfaulen von unten

Der Pilz hat sich in den vergangenen Wochen massiv ausgebreitet und das Gras angegriffen. Die Folge: Die Wurzeln verfaulen von unten, der Untergrund weicht auf, wird extrem schwammig und hält den Belastungen nicht mehr stand. „Wir haben nicht erwartet, dass das Ganze in einer solchen Heftigkeit voranschreitet, dass es so schnell, so schlimm werden würde“, sagt Axel Schuster, der 05-Teammanager. Seit dem letzten Heimspiel der vergangenen Saison, dem Sieg über den Hamburger SV im Mai, haben sich die Verhältnisse mit großer Geschwindigkeit verschlechtert.

Das haben nicht nur die eigenen Greenkeeper registriert, sondern auch die objektiven Rasen-Bewerter. Es gibt nämlich in der Bundesliga ein Zertifizierungssystem. Nach jedem Spiel müssen die Schiedsrichter sowie die teilnehmenden Vereine die Bedingungen auf einer Skala von null (geht gar nicht) bis fünf (hervorragend) einstufen. Der Coface-Rasen tendierte lange Zeit gegen fünf. „Nach dem HSV-Spiel lagen wir immer noch bei 4,3“, sagt Schuster, „nach diesem Spiel nun liegen wir nur noch bei Stufe drei.“ Das ist zu wenig für die Ansprüche technisch guter Mannschaften.

In Deutschland sind alle tauglichen Maßnahmen, dem Pilz mittels Chemikalien und Pestiziden an den Kragen zu gehen, nicht erlaubt. Also hilft nur die Kompletterneuerung. Raus mit dem Dreck und neuer Rasen rein. Dieser liegt bereits bei einer Firma in Holland bereit. Die Mainzer Greenkeeper haben sich ihren Rasen schon seit einer Weile ausgesucht. Am Dienstag wird die gesamte Fläche abgetragen. Danach bleibt der Untergrund erst einmal ein paar Tage lang offen liegen und wird bearbeitet. In der Woche nach dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach werden die neuen, riesigen Grasrollen verlegt. Weil die Rollenschicht sehr schwer sei und der Rasen bis 18. Oktober Zeit habe, richtig anzuwachsen, seien im nächsten Heimspiel dann unter Belastung keine Schwierigkeiten zu erwarten, sagt Schuster. Auf dem Trainingsplatz und im Bruchwegstadion ist dieser Vorgang bereits mehrfach problemlos praktiziert worden. Die 05er konnten meist schon zwei Tage nach der Verlegung wieder auf dem Untergrund trainieren. Die gesamte Rasensanierung in der Arena kostet den Klub etwa 90.000 Euro.

 

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