Kräftige Watschn im Matsch

Jörg Schneider. Meyrin.
Das Trainingslager des FSV Mainz 05 in Frankreich ist zu Ende. Der Bundesligist hat die Heimreise angetreten mit einer deftigen Klatsche im Gepäck. Zum Abschluss der Woche am Genfer See unterlagen die Mainzer dem französischen Top-Klub AS Monaco vor 940 Zuschauern in Meyrin mit 1:5. Eine Niederlage, die schmerzte, aber auch aufzeigte, woran Martin Schmidt noch arbeiten muss mit seiner Mannschaft. Der Trainer empfand diesen Test deshalb auch eher als eine sehr lehrreiche Veranstaltung. „Wir nehmen viele Erkenntnisse mit nach Hause, aus denen wir unsere Schlüsse ziehen.“

Starke Vorstellung auf der Matschseite des Stadions in Meyrin: 05-Verteidiger Gonzalo Jara gegen den Monegassen Tiemoue Bakayoko. Foto: ImagoDa hat es den FSV Mainz 05 dann doch ganz schön erwischt. Die Bundesligaprofis haben zum Abschluss ihres Trainingslagers in Frankreich eine heftige Klatsche bekommen und sind von einem Gegner, der sich bereits seiner Wettbewerbsform annähert, massiv zerlegt worden. „Wir haben eine Watschn bekommen“, sagte Martin Schmidt nach der 1:5 (1:3) Niederlage vor 940 Zuschauern in Meyrin bei Genf gegen die AS Monaco. „Wir nehmen viel Arbeit mit nach Hause.“

In der Regenschlacht in dem kleinen Stadion nahe des Genfer Flughafens erlebten die Mainzer eine lehrreiche Standortbestimmung. Die Mongeassen, Hochkaräter in Frankreich und im internationalen Fußball, deckten die Probleme von Schmidts Mannschaft schonungslos auf. Der Dritte der vergangenen Saison in Frankreich, der zuvor schon in einem Testspiel die PSV Eindhoven ohne Chance gelassen hatte, stimmte sich ein auf die Champions-League-Qualifikation nächste Woche gegen Young Boys Bern. Das Team überzeugte mit Individualisten auf allen Positionen, mit technisch teilweise überragenden Spielern, denen der portugiesische Trainer eine glänzende Organisation vermittelt hat. AS Monaco verteidigte bis auf wenige Ausnahmen souverän und variabel, zeigte klare Strukturen und Prinzipien im Spielaufbau, mit schnellen Direktpässen und permanent besetzte Positionen. Und vorne spielten ein paar junge Edeltalente die 05-Abwehr öfter mal schwindelig.

Da haperte es in der Mainzer Organisation an Abstimmung, an Eingespieltheit und vor allen Dingen an Frische und Spritzigkeit nach den anstrengenden Tagen von Evian. Der Gegner zeigte in seinem Auftritt, dass er unabhängig von der größeren Kaderqualität, deutlich weiter in der Vorbereitung ist, als die 05er. Das ist normal. Dennoch darf sich eine 05-Defensive nicht derart herspielen lassen gegen ein paar 19-jährige Talente – trotz deren Schnelligkeit, Wendigkeit, deren Tricks am Ball und Abschlussvermögen, wie das Anthony Martial oder Ivan Cavaleiro bei ihren Toren vor der Pause taten. Da sahen die 05er komplett nicht gut aus.

Auch nicht im zentralen Mittelfeld, wo Dany Latza und Fabian Frei nie Zugriff auf die Aufbauaktionen der Monegassen hatten. Da kamen kaum Impulse zum Pressing. Beiden Sechsern, das wird mehr und mehr deutlich, fehlt die Gewohnheit für die aggressive Balljagd und die Suche nach jedem Defensivzweikampf in den verschiedenen Räumen. Das Ganze wurde erst besser, als Julian Baumgartlinger in der zweiten Hälfte auf dem Platz stand. „Man hat gesehen, wie sehr wir ihn brauchen“, sagte Schmidt nachher. „Seinen Körper und seine Konzentration.“ Ohne den Österreicher, das zeichnet sich ab, wird es zumindest in der Anfangsphase der Saison, in der die Neuzugänge noch nicht alle Abläufe drin haben, nicht gehen.

Mannschaftsbus steckte im Stau

„Wir haben viele Fehler gemacht“, sagte der Trainer. Doch das sei nicht so tragisch, denn diese Partie sei dadurch lehrreich gewesen und zeige ihm, was nun nach der Rückkehr nach Mainz abzuarbeiten sei. „Wir haben noch drei Wochen“, betonte der Schweizer. Drei Wochen, um die Baustellen zu beheben. Wie das Abwehrverhalten nach Defensivstandards. AS Monaco schraubte das Ergebnis mit unbedrängten Kopfballtoren nach Ecken nach oben.

Natürlich spielte auch die Vorbereitung auf diese Partie eine Rolle. Der Mannschaftsbus steckte auf dem Weg nach Genf im Stau fest, kam erst im Stadion an, als das Spiel eigentlich angepfiffen werden sollte. Fünf Minuten blieben zum Warmmachen, dann ging’s gleich los. „Nicht ideal“, sagte Schmidt. Besonders nicht gegen einen Gegner solchen Kalibers.

Dennoch sah es gut aus, was die Mainzer in etlichen Phasen des Spiels auf den Platz brachten. Besonders bis zu diesem Zeitpunkt als Loris Karius mit einem fürchterlichen Fehlpass die Partie zum Kippen brachte, und die 05er für den Rest der ersten Halbzeit den Kopf verloren und jegliche Konzentration. Doch der Führungstreffer war bestens herausgespielt und ein Produkt dessen, was das Team in Evian trainiert hat. Todor Nedelew der erneut eine gute Vorstellung als Zehner bot, eroberte den Ball und spielte Christian Clemens an. Der Rechtsaußen passte präzise vors Tor, Muto ließ den Ball im Zentrum passieren und Jairo vollstreckte zum 1:0. Das war gut gespielt und ein Produkt dessen, was in den Tagen zuvor im Training erarbeitet worden war. Nedelew überzeugte mit großem Aktionsradius und viel Verantwortlichkeit. Yoshinori Muto, den Schmidt auf der Mittelstürmerposition testete, zeigte vielversprechende Anzeichen, hatte allerdings mit dem routinierten früheren Chelsea-Verteidiger Ricardo Carvalho einen Gegenspieler, der dem Japaner die Kompromisslosigkeit und Härte europäischen Abwehrspiels aufzeigte. „Yoshi hat aber gezeigt, dass er das spielen kann“, betont der 05-Trainer. Dennoch werden die Mainzer einen weiteren Mittelstürmer brauchen. Nach den Ausfällen von Florian Niederlechner (Muskelprobleme) und Pablo De Blasis (Bänderriss) fehlt ein zentraler Stürmer. Die 05-Offensive besteht ansonsten zu sehr aus Profis, deren Stärken und Gewohnheiten auf dem Flügel liegen.

Gut auch die Leistung von Gonzalo Jara als Linksverteidiger mit starken Zweikampfverhalten und technisch anspruchsvollem Aufbauspiel. Oder Leon Balogun, der einen überzeugenden Einstand als Innenverteidiger hatte. Mit zunehmender Spieldauer war auf dem Rasen von Meyrin allerdings kaum noch ein geordnetes Spiel möglich. Der heftige Dauerregen nach dem Gewitter, das die Hitze verdrängte, verwandelte den Rasen in ein Matschfeld, auf dem vieles dem Zufall überlassen war, weil die Bälle in den Pfützen oft liegen blieben. In der Pause habe es sogar eine Diskussion gegeben, die Begegnung abzupfeifen, berichtete der 05-Trainer nachher.

Es war ein Härtetest und als solcher geplant. Das Ergebnis tut weh und ist zu hoch ausgefallen. Zumal die 05er durch Maximilian Beister und den Pfostenschuss von Yunus Malli auch noch hätten verkürzen können. Dennoch hat sich das Ganze gelohnt, um zu sehen, dass noch zu tun ist bis zum Start.  „Wir werden viel mitnehmen aus dieser Partie“, sagte der Schweizer. „Hier haben wir unserer intensiven Arbeit in den Tagen zuvor Tribut gezollt gegen einen solch starken Gegner. Uns hat insgesamt die Frische und die Beweglichkeit gefehlt.“ Der Test habe jedoch viele Erkenntnisse geliefert, aus denen der Trainer in den kommenden Wochen die richtigen Schlüsse ziehen müsse.

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