Korea bewegt den Ball

Christian Karn. Mainz.
Viel Ballbesitz, wenig Chancen, aber drei Punkte: Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo haben mit dem südkoreanischen Nationalteam das erste Gruppenspiel der Asienmeisterschaft gewonnen. Beim 1:0 gegen Oman könnte das Ergebnis allerdings die einzige gute Nachricht für Koreas Trainer Uli Stielike sein.

Südkorea hat den Pflichtsieg, Südkorea hat den guten Start. Einen Tag nach dem 4:1 des Gruppenfavoriten Australien gewann auch die Mannschaft der beiden Mainz-05-Profis Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park gegen Oman die ersten drei Punkte bei der Asienmeisterschaft 2015. Ein Tor von Mittelstürmer Young-Cheol Cho (Qatar SC) in der Nachspielzeit der ersten Hälfte reichte zu einem 1:0-Sieg in Canberra (wo die Koreaner die zweitgrößte ausländische Gemeinde stellen), der nicht so mühsam hätte sein müssen.

Die Koreaner machten mit Koo als Zehner und Park als Sechser sofort Druck, wenn auch das Rezept recht durchsichtig war: Die Mannschaft von Uli Stielike baute oft nicht auf, sondern schlug lange Bälle aus der Abwehr auf die vordere Reihe. Koo hatte so in der 6. Minute die erste gute Chance; sein Flachschuss aus 22 Metern zum kurzen Pfosten brachte immerhin einen Eckball ein. Leverkusens Heung-Min Son traf nach diesem die Latte.

Mit einem Distanzschuss bereitete der 05er Ja-Cheol Koo den Siegtreffer Südkoreas gegen Oman vor. Foto: imagoOman stellte sich bald auf dieses Spiel ein, nötigte den Gegner zum Spielen, erzwang 30, 40 Meter vor dem Tor entweder den Ballverlust oder den Neuaufbau von hinten. Und hatte dreimal Pech: In der 12. Minute gab es eine schöne Kopfballgelegenheit mit schwachem Abschluss und in der 15. nach einem Foul im Strafraum keinen Elfmeter. In der 21. Minute rollte ein Querpass gut vor das leere koreanische Tor, aber da war kein Stürmer.

Auffällig bei den südkoreanischen Aufbauversuchen: Das Spiel war statisch, ohne Bewegung. Fast jeden Ball spielten die Ostasiaten aus dem Stand, während die Gegner aus dem Südosten Arabiens eine gewisse Explosivität hatten, sonst aber nicht viel. Und die These drängte sich auf, dass Stielike so ein Spiel sehen wollte: "Move the ball!" - "Bewegt den Ball" - rief der deutsche Trainer der Koreaner immer dann auf den Platz, wenn seine Mannschaft das Tempo mal anzuziehen versuchte, Lauf- und Passspiel kombinierte. 

Erst Standards forderten den Torhüter Omans in der Schlussphase der ersten Hälfte heraus. Abdul Salam Al-Mukhainis Kopfballverlängerung eines Einwurfs hätte wunderbar ins offene lange Eck gepasst, aber Keeper Ali Al-Habsi, von 2010 bis 2013 Stammkeeper beim damaligen englischen Premier-League-Klub Wigan Athletic, erkannte den Fauxpas seines Verteidigers rechtzeitig, musste fliegen und erwischte den Ball noch (44.). Bei Sons abgefälschtem Freistoß in der 45. Minute hatte Al-Habsi wenig Reaktionszeit, aber auch den Ball parierte er. Viele gute Szenen hatte der Leverkusener nicht. Son ist der Cristiano Ronaldo Südkoreas, der Star, der Mann mit den herausragenden Fähigkeiten innerhalb seiner Mannschaft, der Mann, auf dem der höchste Druck lastet. Wie der portugiesische Weltfußballer wirkt Son in der Nationalmannschaft wie ein Fremdkörper.

Und doch ging Korea vor der Halbzeit in Führung, mit einem der wenigen guten Spielzüge. Chung-Yong Lee (Bolton Wanderers) hielt den fast schon kaputten Angriff am Leben, übergab den Ball dem aus dem Hintergrund nachrückenden Koo. Dessen Schuss ließ Al-Habsi nach vorne prallen, Cho flog in den Fünfer und grätschte kurz vor dem Verteidiger den Ball über die Linie (45+1.). 

Koo hätte nach einer Flanke von Park in der 57. Minute auf 2:0 erhöhen können. Sein Kopfball kam aber etwas zu sehr auf den Mann, der Torhüter bekam den Arm rechtzeitig hoch. Es war die einzige Chance der Koreaner in der zweiten Hälfte; Stielikes Mannschaft dominierte weiterhin das Spiel, tat aber vorne zu wenig, um ihre ersten Punkte frühzeitig zu sichern. Oman kam dem Ausgleich mehrmals nahe, schaffte aber den Abschluss lange nicht. Der letzte Pass war oft gefährlich, aber dann bekam doch immer ein Koreaner den Fuß vor dem Stürmer an den Ball. 

In der Schlussphase verloren die Ostasiaten einen ihrer wichtigsten Spieler. Boltons Lee hatte ordentlich auf die Knochen bekommen, gab in der 78. Minute auf und wurde in der Plastikwanne herausgetragen. Sein Ausfall wäre ein schwerer Verlust für Stielike, der bereits früh in der ersten Hälfte seinen Rechtsverteidiger Chang-Soo Kim auswechseln musste; der Ex-05er Du-Ri Cha hatte übernommen.

In der 90. Minute wäre der Sieg beinahe futsch gewesen. Raed Saleh, der wie alle Spieler seiner Mannschaft bis auf den Torhüter in der Liga Omans spielt, hatte die Chance, auf die sein Team die ganze Zeit hingearbeitet hatte. Es gab Ecke und einen Kopfball des eingewechselten Torjägers Amad Al-Hosni, bei dem Jin-Hyeon Kim kaum Reaktionszeit hatte - aber Südkoreas Torwart verhinderte den Ausgleich. Und an der gegnerischen Eckfahne brachten die Koreaner den Sieg über die Nachspielzeit.

Mit einem Sieg gegen Kuwait kann Südkorea - einen Punktverlust Omans gegen Australien vorausgesetzt - bereits am Dienstag, vier Tage vor dem Spitzenspiel gegen den Gastgeber, die Viertelfinal-Qualifikation sicherstellen. Japan mit Shinji Okazaki greift erst am Montag ins Turnier ein.

 

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