Knappe Angelegenheiten

Christian Karn. Mainz.
Im Sommer lag es nahe, die Eintracht in den Abstiegskampf zu prognostizieren. Statt dessen sind die Frankfurter vor dem Derby in Mainz Siebter. Die notwendige Umformung der Mannschaft haben sie mit einem gewissen finanziellen Aufwand gut gemeistert, vor allem offenbar endlich einen neuen Torjäger gefunden, einen Nachfolger für den in die Jahre gekommenen und immer öfter verletzten Alex Meier. Eine gewisse Unklarheit kommt jedoch durch die tatsächlichen Resultate ins Tabellenbild. Die Eintracht hat viermal gewonnen, dreimal verloren, immer mit genau einem Tor Unterschied. Im Guten wie im Schlechten fehlen die eindeutigen Ergebnisse.

Der allgemeine Konsens lautete im Sommer: Die Eintracht steigt 2018 ab. Der schöne Zwischenstand (Platz 3 im Winter) war verspielt, der lukrative Europapokal verpasst. Die Winter-Neuzugänge waren nicht so toll; Max Besuschkow, Andersson Ordónez und Marius Wolf haben nicht oft gespielt. Und alle Führungsspieler waren entweder langfristig verletzt (Alex Meier, Omar Mascarell, Marco Fabian, die im Sommer verpflichteten Gelson Fernandez und Danny da Costy sowie seit einer Woche Rechtsverteidiger Timothy Chandler sind es immer noch) oder ausgeliehen oder beides.

Das neue Sturmduo der Eintracht, Sébastien Haller (links) und Ante Rebic, ist noch nicht in der Lage, Gegner abzuschießen, aber es kann Spiele gewinnen. Foto: imagoDie Frankfurter Rundschau rechnete damals vor, dass von einem 40-Millionen-Etat vielleicht sechs Millionen für Neuzugänge zur Verfügung stehen würden. "Wir müssen uns wirtschaftlich ganz anders aufstellen, ansonsten werden wir uns schneller, als man denkt, in der zweiten Liga wiederfinden", wurde der Vorstand Fredi Bobic zitiert. Ein kurzer Realitätscheck sagt jedoch das Gegenteil: 18 Millionen sollen die Frankfurter ausgegeben haben, darunter sieben für einen neuen Mittelstürmer, fünf für einen Links-, knapp drei für einen Innenverteidiger, gar nichts für den prominentesten Neuen, Kevin-Prince Boateng. Alle vier wird man heute wohl in der Startelf sehen: Der Routinier Boateng ist nach vielen Spielen für Hertha BSC, Tottenham Hotspur, Borussia Dortmund, den FC Portsmouth, AC Milan, Schalke und zuletzt UD Las Palmas inzwischen Sechser. Simon Falette, der 25-jährige Franzose, der vom FC Metz kam, und Jetro Willems, der 23-jährige Niederländer, den die Eintracht dem PSV Eindhoven abkaufte, bilden die linke Abwehrseite, der 1,90 Meter große Franzose Sébastien Haller (23), zuvor FC Utrecht, ist der Torjäger, der in den Niederlanden 41 Tore in 82 Spielen schoss, in der Bundesliga bisher vier in neun.

Hallers Nebenmann ist eine Überraschung. Mit Ante Rebic war die Eintracht gar nicht so zufrieden in der vergangenen Saison, sie schickte den Leihspieler zurück zum AC Florenz. Dort spielte Rebic gar keine Rolle; am letzten Tag der Transferperiode liehen die Frankfurter ihn erneut aus. "Manchmal muss man richtig hinfallen, um einiges zu merken", verkündete der Eintracht-Trainer Niko Kovac. "Ich glaube, die drei Monate, in denen er nicht bei uns war, können Gutes bewirken." Er selbst habe "alles verloren", jammerte Rebic im Scherz. Luka Jovic habe seine Wohnung übernommen, Boateng seine Rückennummer, Haller seinen Schrank in der Kabine, Willems seinen Platz im Mannschaftsbus... neu gefunden hat der Kroate aber neben Wohnung, Nummer und Sitzplätzen die gewisse Ernsthaftigkeit, die die Eintracht zuvor bei ihm vermisst hatte.

Viermal hat die neu formierte Mannschaft in dieser Bundesligasaison gewonnen. 1:0 in Gladbach durch ein Tor von Boateng in der 13. Minute. 1:0 in Köln, wo Haller in der 22. Minute einen Elfmeter verwandelte. 2:1 zuhause gegen den VfB Stuttgart mit Toren von Rebic (42.) und Haller (90+4.) und 2:1 in Hannover, wo wieder Rebic (90.) und Haller (10.) trafen. Zuletzt glichen Haller (64.) und der Rechtsverteidiger Wolf (68.) ein 0:2 gegen Borussia Dortmund aus; es wurde nach dem 0:0 in Freiburg am ersten Spieltag das zweite Unentschieden. Gegen den VfL Wolfsburg (0:1) und den FC Augsburg (1:2) verloren die Frankfurter ihre Heimspiele, in Leipzig gab es ein weiteres 1:2.

Es ist also eine knappe Angelegenheit, wenn die Eintracht spielt. Klare Niederlagen gab es noch nicht, klare Siege nur im Pokal gegen die Regionalligaklubs TuS Erndtebrück (3:0) und 1. FC Schweinfurt 05 (4:0). Auswärtsstark ist die Eintracht. In Mainz wiederum hat sie seit Ewigkeiten nicht mehr gewonnen, zuletzt vor 31 Jahren im Pokal. Seitdem gab es in vier Zweitliga- und neun Erstligaspielen sieben Unentschieden und sechs 05-Siege, in den vergangenen vier Jahren ein 1:0 (Maxim Choupo-Moting, 88.), ein 3:1 (Christian Clemens, Johannes Geis, Yunus Malli binnen 15 Minuten nach dem Frankfurter Führungstor), ein 2:1 (Yoshinori Muto, 5., und Malli, 42.) sowie im vergangenen Jahr das im Abstiegskampf so wichtige, so unerwartete, so ungewöhnliche 4:2 mit den Treffern von Jhon Córdoba (60.), Stefan Bell (62.), Muto (76.) und de Blasis (90+3.), als das Spiel durch die Frankfurter 2:0-Führung schon verloren schien. Es war ein Kraftakt, begünstigt auch durch zwei fragwürdige Tore - Córdoba war abseits, de Blasis' Elfmeter eher unberechtigt. Der Serie zum Trotz wird die Eintracht jedoch auch heute wieder in Mainz antreten.

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