Klare Forderungen an Gonzalo Jara

Jörg Schneider. Evian.
In der bisherigen Saisonvorbereitung des FSV Mainz 05, insbesondere im Trainingslager in Evian, haben zwei Profis, die der Bundesligist für die neue Runde nicht mehr auf dem Zettel hatte, mit guten Leistungen möglicherweise ein Umdenken provoziert: Gonzalo Jara und Niki Zimling. Im Fall des Chilenen ging es bisher auch weniger um sportliche Belange, als um mangelnden Integrationswillen. Sollte Jara dies nicht ändern, habe er keine Chance in Mainz, betonte Christian Heidel. Der Manager kündigte abschließende Gespräche mit den beiden Profis über deren 05-Zukunft an.

Den Weggang von Nikolce Noveski hat der FSV Mainz 05 bisher noch nicht kompensiert. Christian Heidel hat im Gespräch im Trainingslager in Evian noch einmal erklärt, dass sich der Klub zwar etwas Zeit lassen wolle auf der Suche nach dem geeigneten Nachfolger für den Ex-Kapitän, dass der Manager aber Ausschau halte nach einem gestandenen, bundesligaerfahrenen Innenverteidiger. Einem, der grundsätzlich zunächst akzeptiert, dass mit Niko Bungert und Stefan Bell zwei Stammspieler vorne dran sind, der aber bereit ist, aus dieser Position heraus den Konkurrenzkampf aufzunehmen.

In der 05-Kaderplanung sind vier zentrale Abwehrspieler vorgesehen. Dieser vierte Innenverteidiger muss jedoch nicht  extern besetzt werden. Da bietet der eigene Kader Optionen und möglicherweise Überraschungen. Leon Balogun, der aus Darmstadt gekommene, variable Abwehrmann hat im Trainingslager eine auffällige Bewerbung als Alternative auf dieser Position abgegeben. Balogun, als zusätzlicher Rechtsverteidiger geholt, um in Konkurrenz zu treten mit Daniel Brosinski, ist ein gelernter Innenverteidiger. Das ist besonders im Testspiel gegen AS Monaco deutlich geworden. Der 27-Jährige war sehr präsent, verteidigte aggressiv und konsequent, überzeugte damit, sich aus schwierigen Situationen auch spielerisch zu befreien und könnte eine Lösung sein. Baloguns Trainingsleistung in dieser Vorbereitung hat ohnehin einen positiven Nebeneffekt: Brosinski präsentiert sich in beachtlicher Frühform und lässt an seinen Ambitionen den Stammplatz rechts hinten behaupten zu wollen, keinerlei Zweifel aufkommen.

Der FSV Mainz 05 fordert von Gonzalo Jara (rechts) mehr Willen zur Integration, sonst habe der Chilene keine Chance. Foto: Daniel Bongartz Und da gibt es ja dann auch noch Gonzalo Jara. Der Chilene zeigte sich bisher äußerst stark, kämpferisch, konzentriert und gewillt, trotz aller Begleitumstände auf einen Kaderplatz zu drängen. Jara unterstrich, dass er auf beiden Außenverteidigerpositionen, aber auch zentral immer eine Option für den Trainer sein kann. Die Probleme, die der 29-Jährige in Mainz und die der Klub mit ihm hat, liegen auch nicht unbedingt im sportlichen Bereich. Die unschöne Provokation gegen Edinson Cavani bei der Copa America, die Jara eine Sperre einbrachte, habe allerdings nichts damit zu tun, unterstrich Heidel noch einmal in Evian.

„Ich hatte ein langes Gespräch mit ihm. Ich muss noch einmal sagen, das, was bei der Copa passiert ist, hat uns nicht gefallen. Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun gehabt, was wir vorher mit ihm und seinem Berater besprochen hatten“, sagt der 05-Manager. „Mir geht es mehr darum, dass Gonzalo Teil einer Gruppe ist. Da kann es nicht sein, dass einer neben dieser Gruppe steht. Er ist kein Böser, überhaupt nicht. Was wir wollen, ist eine Integration, aber auch den Willen, das zu tun.“

Das fängt bei der Sprache an. „Da hat Gonzo unserer Meinung nach im ersten Jahr einfach zu wenig getan. Das haben wir ihm klar gesagt. Er muss mit dieser Mentalität, mit den Gegebenheiten in Deutschland und in Mainz einfach besser umgehen. Das ist eine klare Forderung von uns. Macht er das nicht, hat er keine Chance bei uns. Das ist die Frage an ihn. Von der Einstellung, vom Training her, ist das alles in Ordnung. Da haben wir kein Problem mit ihm. Wir wollen einfach eine große Gruppe. Da hat sich jeder Spieler gewissen Regeln unterzuordnen. Wer das nicht macht, hat ein Problem.“

Der 05-Manager hat abschließende Gespräche mit Niki Zimling über dessen Zukunft angekündigt. Foto: Jörg SchneiderHeidel räumt in dieser Hinsicht gewisse Fehler ein, die der Verein im vergangenen Jahr gemacht habe. „Das war aber dem Druck geschuldet, weil wir mit unseren Verpflichtungen notgedrungen so spät dran waren. Doch wir haben zu wenig in die Sprache investiert. Das wird sich grundlegend ändern. Es wird künftig eine klare Regel geben: Spieler, die nach Mainz kommen, egal woher, haben die Aufgabe Deutsch zu lernen. Wir werden sie dabei massiv unterstützen. Wenn da einer links und rechts geht und das nicht will, kriegt er Schwierigkeiten. Das ist allen Spielern so gesagt worden. Für die Integration ist das eminent wichtig. Sonst entstehen  Grüppchen.“ Sportlich habe der Chilene alle Möglichkeiten, in Mainz zu bleiben. In der nächsten Woche soll es noch einmal Gespräche geben mit Jara und dessen Berater. Dann werde man sehen, wie es mit dem Nationalspieler weiter gehe. Gebrauchen, das ist keine Frage, kann der Klub die Dienste des Profis auf alle Fälle.

Eine Entscheidung steht auch demnächst bei Niki Zimling an. Der Däne war bekanntlich an Ajax Amsterdam ausgeliehen und zeigt nach seiner Rückkehr ebenfalls mit ambitionierten Leistungen, dass er sich im 05-Kader behaupten möchte. „Wir hatten eigentlich die ganze Zeit eher den Eindruck, dass er nicht mehr zurück zu uns wollte“, betont Heidel. „Wir hatten mit den Beratern Kontakt, die nach Klubs suchten. Dann hatten wir vor dem Trainingsbeginn ein Gespräch mit ihm und ihm klar gesagt, dass diese Position, die er besetzt und die er in unseren Augen spielen kann, bei uns quantitativ und qualitativ sehr gut besetzt ist. Er kann sich der Konkurrenz stellen und tut dies auch.“ In vier Wochen will sich der Manager noch einmal mit dem Spieler zusammensetzen und gemeinsam besprechen, wie die Aussichten sind. „Niki ist im Moment Teil der Mannschaft und muss sehen, dass er seinen Weg geht. Aktuell sieht das sehr stabil aus. Vielleicht startet er durch“, sagt der 52-Jährige. „Vielleicht gibt es ja die Überraschung, dass da Jungs mitspielen, die man gar nicht auf dem Zettel gehabt hat.“

► Alle Artikel zur Kaderplanung

► Zur Startseite