Keine Genehmigung: Platz-Neubau verschoben

Jörg Schneider. Mainz.
Die Trainingsbedingungen beim FSV Mainz 05 sind derzeit alles andere als gut. Die Profis trainieren im Stadion, dessen Rasen arg ramponiert ist, weil ihr Trainingsplatz ausgebessert wird. Inzwischen ist bekannt geworden, dass der geplante und eigentlich jetzt beginnen sollende Neubau von zwei Trainings-Spielfeldern hinter der Nord-Tribüne um ein Jahr verschoben werden muss, weil eine notwendige Genehmigung zum Fällen einiger Bäume nicht erteilt werden konnte. Rouven Schröder hat unterdessen angekündigt, dass wenigstens der Bruchwegrasen kurzfristig erneuert wird. „Ein einziger Trainingsplatz für die Profis übers ganze Jahr, das ist eine Infrastruktur, die hat selbst in der Zweiten Liga niemand“, sagt Martin Schmidt ärgerlich.

Das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg, speziell die zweite Halbzeit beim 1:1-Unentschieden, hat einen Themen-Schwerpunkt aufgezeigt, der beim FSV Mainz 05 derzeit weit oben steht auf der To-do-Liste des täglichen Arbeitsablaufes. Die Passqualität im Spielvortrag ist stark verbesserungswürdig. „Wir müssen überlegen, was wir ab dem Sechserblock nach vorne mehr investieren können. Ins Spiel von Zone zwei in Zone drei. Wie wir besser in die letzte Zone kommen, wie wir die Läufe in die Tiefe, die Spielverlagerung verbessern können. Daran arbeiten wir sehr intensiv“, bekräftigte der 05-Trainer. Doch Martin Schmidt fügte gleich hinzu: „Wobei es mit den Platzverhältnissen derzeit nicht ganz so einfach ist.“

Die 05-Profis trainieren aktuell im Bruchwegstadion, weil ihr Trainingsplatz ausgebessert wird. Doch auch das Stadiongrün ist arg ramponiert und wird demnächst ausgetauscht. Foto: Jörg SchneiderAm Dienstagmorgen trainierten die 05-Profis erneut im Bruchwegstadion, weil der Trainingsplatz noch gesperrt ist. Das Übungsgrün war in einem derart schlechten Zustand, dass der Platz instand gesetzt werden musste. Die Greenkeeper mussten den Untergrund vertikutieren, lochen, teilweise neu einsäen, Sand einarbeiten, Düngen. Im Bereich um die Fünfmeterräume musste der Rasen komplett ausgetauscht werden. Insgesamt zehn Tage stand und steht der Platz nicht zur Verfügung. Mit dem Ergebnis, dass nun auch der stark belastete Bruchwegrasen, auf dem die U23 der 05er ja auch ihre Drittligaspiele austrägt, in einem beklagenswerten Zustand ist. „Heute, das war Schlittschuhfahren. Oft springt der erste Kontakt schon weg. Da ist es schwierig, die Passqualität zu erhöhen. Der Platz ist durch den Regen noch tiefer und matschiger geworden. Da brauche ich den Spielern keinen Vorwurf machen, man hat gesehen, es wurde zunehmend schwieriger, die Bälle flach durchs Zentrum zu spielen auf diesem Platz. Die springen dann auf oft Kniehöhe.“

Keine guten Voraussetzungen also, um gezielt Spielformen zu üben, die das Passspiel und die Qualität der Zuspiele steigern sollen. „Wir müssen es aber ständig üben, um uns zu verbessern“, sagt Schmidt. Das Auswichen auf einen der Kunstrasenplätze sei dabei keine Alternative. „Der Kunstrasen ist halt wieder viel schneller, das Stop-and-go ist aggressiver, geht total auf die Leisten und die Knie, wenn du es nicht gewohnt bist, weil der Platz nicht nachgibt und du nicht wegrutschst. Wenn du nie auf Kunstrasen bist, ist da so wie in der Halle, dass du nachher Probleme hast. Das Risiko ist zu groß.“, erklärt Schmidt. Ab Donnerstag ist der Trainingsrasen wieder freigegeben, doch das Problem bleibt bestehen und ist grundsätzlich.

Eigentlich sollte nämlich um diese Zeit die Bruchwegtribüne Richtung Hartenberg abgebaut und mit den Vorbereitungen begonnen werden, den bestehenden Trainingsrasen zu drehen und auf der vergrößerten Fläche zwei neue Plätze längsseits nebeneinander zu bauen, die hinter dem von der Haupttribüne aus gesehen linken Tor abschließen. Die Pläne dafür gibt es seit langem. Doch daraus wird nun nichts.

Projekt verschoben bis 2018

„Wir haben im Jahr 2012 gemeinsam mit der Stadt entschieden, dass wir unser sportliches Herz am Bruchweg lassen“, sagt Michael Kammerer, 05-Geschäftführer Verwaltung und Organisation. „Wir haben einen so genannten Masterplan erarbeitet, was rund um das Bruchwegstadion im Rahmen des aktuellen Bebauungsplans passieren soll in Bezug auf Trainingsflächen und so weiter. Jetzt ging es darum, im Norden den Bau von zwei kompletten Plätzen in Originalgröße plus einem etwas kleineren dritten Übungsplatz anzugehen. Wir haben den Bau-Antrag eingereicht, allerdings etwas unter Druck, dass muss man fairerweise dazu sagen, um die Maßnahmen im Sommer umzusetzen. Dafür haben wir auch eine Fällgenehmigung für die Bäume gestellt, die dort zwischen Trainingsplatz und Tribüne stehen“, erklärt Kammerer. Per Gesetz sei geregelt, dass zwischen dem 28. Februar und dem 1. Oktober aus Gründen des Natur- und Artenschutzes nicht gefällt werden dürfe. „Die Zeit hat nicht gereicht, um die zuständigen Ämter davon zu überzeugen, dass alles sauber und in Ordnung ist.“ Sowohl das Bauamt als auch das städtische Grünamt hätten Einwände gehabt, so der 05-Geschäftsführer, so dass die Genehmigung nicht zeitnah habe erteilt werden können.

Jetzt ist also eine Verschiebung des Trainingsplatz-Projektes um ein Jahr bis 2018 notwendig. Rouven Schröder erklärte am Mittag, Schuldzuweisungen führten nicht weiter. In der Konsequenz bedeute dies aber, dass der Verein trotzdem etwas tun müsse, um die Bedingungen zu verbessern. Der Sportdirektor betonte, dass im Stadion nun relativ kurzfristig ein komplett neuer Rasen verlegt werden muss, um das Platzproblem zumindest etwas aufzufangen. Vor allem auch, weil die U23 im Abstiegskampf der Dritten Liga nicht auf einem kaputten Untergrund spielen kann. „Wir haben Angebote vorliegen“, sagt Kammerer. Die Rasenfirma, die mit den 05ern zusammenarbeitet, habe vorgeschlagen, einen komplett neuen Hybridrasen zu verlegen. Also eine Grasoberfläche, die mit Kunstfasern durchsetzt, sehr eben und gut bespielbar ist. Das Problem dabei: Der Hybridrasen kann nicht von heute auf morgen ausgetauscht werden, weil die Kunstfasern fest im Boden verankert sind. Und die Geschichte ist teuer. Rund 700.000 Euro kostet ein solcher Rasen, der zudem erst in der Sommerpause verlegt werden könnte, was die aktuelle Problematik nicht verbessern würde. Also läuft es auf einen herkömmlichen Roll-Rasen hinaus, den schnell zu verlegen kein Problem darstellt und im laufenden Spielbetrieb möglich ist. Die Kosten dafür, würden laut Kammerer rund 100.000 Euro betragen.

Die sportliche Leitung ist natürlich nicht begeistert über die Gesamtsituation. Martin Schmidt, der sich ansonsten selten kritisch über die Verhältnisse äußert, sagte am Dienstag: „Ein einziger Trainingsplatz für die Profis übers ganze Jahr, das ist eine Infrastruktur, die hat selbst in der Zweiten Liga niemand. Das ist natürlich absolut grenzwertig, um qualitativ hochwertig zu arbeiten.“

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