Keine EM-Chance mehr für Todor Nedelew

Christian Karn. Mainz.
Die bulgarische Nationalmannschaft hat ihre letzte Minimalchance auf die EM-Qualifikation mit einem 0:3 in Kroatien klar verpasst. Einzig positive Nachricht aus Sicht des FSV Mainz 05: Todor Nedelew ist inzwischen Stammspieler bei den Bulgaren und sammelt internationale Spielpraxis, die er brauchen kann, um sich bei den 05ern vielleicht doch noch irgendwann durchzusetzen. Der an den FSV Frankfurt verliehene Besar Halimi debütierte derweil in der Nationalmannschaft des Kosovo*, die Äquatorialguinea 2:0 schlug.

Halimi debütiert für Kosovo*

Der völkerrechtliche Status des Kosovo ist umstritten. In der UN wird die Unabhängigkeit des Balkanstaats mehrheitlich anerkannt, Serbien betrachtet den Kosovo als Provinz, arrangiert sich aber inzwischen mehr oder weniger mit dessen Eigenständigkeit. Der Form halber weist ein Sternchen hinter dem Namen darauf hin, dass die Frage noch ungeklärt ist - auch auf dem Trikot der kosovarischen Nationalmannschaft. Diese durfte bis März 2014 fünf Jahre lang nicht gegen FIFA-Mitglieder spielen und bestritt nun in ihrer aktuellen Ausprägung ihr fünftes Länderspiel, das elfte insgesamt, und hofft, 2016 in die UEFA aufgenommen zu werden. Beim 2:0 gegen Äquatorialguinea in Prishtina - so steht es in weißen Sitzen auf die Gegengerade geschrieben, nach serbischer Lesart heißt die Stadt Priština und die nullfünfMixedZone möchte sich politisch neutral verhalten - debütierte der im Sommer von den Stuttgarter Kickers verpflichtete und sofort an den FSV Frankfurt weiterverliehene Besar Halimi im offensiven Mittelfeld. Halimi war an den Toren, die der Schweizer Zweitligaspieler Mërgim Brahimi in der zweiten Minute der ersten und der ersten Minute der zweiten Halbzeit schoss, nicht beteiligt.

Die Europameisterschaft in Frankreich wird ohne Todor Nedelew stattfinden. Um die letzte Minimalchance auf die Relegation am Leben zu erhalten, hätte der Mainzer Offensivspieler mit der bulgarischen Nationalmannschaft in Bulgarien gewinnen müssen. Die Aussichtslosigkeit dieser Mission war jedoch im strömenden Regen Zagrebs schnell zu erahnen. Nicht mal die Abwesenheit des gefürchteten kroatischen Publikums nutzte den Bulgaren, die 0:3 (0:2) verloren.

Nedelew spielte im leeren Maksimir-Stadion vorne rechts in einem 4-4-2 und sah schon in der zweiten Minute das 0:1. Ein schnell ausgeführter Freistoß landete bei Ivan Perisic und der im Sommer aufs Wolfsburg zu Inter Mailand gewechselte Flügelstürmer tunnelte den herausstürzenden Torwart Boschidar Mitrew. 

Der Keeper vom moldawischen Dauermeister hielt die Bulgaren danach lange im Spiel, vorne aber war seine Mannschaft einfach nicht gefährlich. Linksaußen Aleksandar Tonew (seit neuestem Kollege des ehemaligen 05ers Nicolás Castillo beim italienischen Aufsteiger Frosinone Calcio) gab in der zwölften Minute einen Distanzschuss ab, das war neben einem gut zehn Meter zu langen Flugball von Nedelew auf Tonew (15.) lange die einzige einigermaßen brauchbare Offensivaktion der Bulgaren, die in dieser Generation nun mal keinen neuen Stoitschkow oder Kostadinow haben; auch Dimitar Berbatow ist seit ein paar Jahren nicht mehr dabei. Das 2:0 würde fallen, das sah man.

Domagoj Vidas Kopfballtor (17.) war es nicht. Der Innenverteidiger von Dinamo Kiew war abseits. Nikola Kalinic schoss es auch nicht, der Mittelstürmer aus Florenz schoss knapp vorbei (20.) und zog vor dem Strafraum gegen Mitrew sicherheitshalber zurück (21.) - der Keeper hätte auch sonst klar den Ball erwischt, aber den Stürmer dabei mit abgeräumt. In der 25. Minute hielt Mitrew stark gegen Dinamo Zagrebs Linksaußen Marko Pjaca; beim anschließenden Klärungsversuch donnerte Georgi Tersiew (Ludogorez Rasgrad) den Ball an den eigenen Pfosten. Das 2:0 war überfällig.

Todor Nedelew - im Duell der 22er gegen Josip Pivaric - und seine Kollegen hatten nicht die Mittel, um in Kroatien irgendetwas zu erreichen. Die EM-Qualifikations-Playoffrunde ist damit nicht mehr in Reichweite. Foto: imago

Und dennoch wäre in dieser Phase beinahe der Ausgleich gefallen. Denn um die 30. Minute herum setzten sich die Bulgaren ein bisschen in der kroatischen Hälfte fest, kamen auch in den Strafraum, schafften aber dort keine Abschlüsse. Nedelew hätte trotzdem beinahe den Ausgleich vorbereitet, wenn auch wohl eher aus Versehen: Sein Zuspiel auf Christo Slatinski war nur ein Verlegenheitspass ein paar Meter vor dem Sechzehner zum Nebenmann, aber der Mittelfeldspieler von Universitatea Craiova hielt aus weit über 20 Metern einfach drauf und verfehlte das Tor nur knapp.

Die wieder etwas aufgeschreckten Kroaten entschieden die Partie in der 42. Minute mit einem ganz feinen Doppelpass: Ivan Rakitic lief von links diagonal in den Strafraum, Kalinic leitete seinen Pass mit der Hacke weiter und Mitrew, der bis dahin vieles richtig gemacht hatte, musste gegen den Mittelfeldspieler des FC Barcelona in ein aussichtsloses Duell. 0:2 gegen Bulgarien, damit war die Sache durch.

Die zweite Hälfte des Spiels bestritten die Bulgaren ohne Nedelew, der seine Sache nicht schlechter, aber auch nicht besser gemacht hatte als seine offensiven Mitspieler. Sie mühten sich, sie zeigten auch, dass sie grundsätzlich wissen, wie man Fußball spielt, aber sie hatten nicht die Mittel, das auch umzusetzen. Lediglich Mitrew, der in der 52. Minute einen anspruchsvollen Kopfball von Kalinic hielt, war konkurrenzfähig gegen die Kroaten.

Das Spiel ließ nach. Lange war Rakitics Grätsche gegen Schiwko Milanow die aufregendste Szene der zweiten Hälfte. Rakitic spielte den Ball und nur den Ball, aber mit beiden Beinen gleichzeitig und auf eine schwungvolle Weise, die direkt aus der Klischeekiste des kroatischen Fußballs kam. 

Kalinic machte in der 80. Minute doch noch sein Tor. Perisics Flanke war perfekt, kam nahe an den langen Pfosten, aber so hoch, dass Mitrew gar nicht auf die Idee kommen konnte, sie frühzeitig abzufangen. Der Torwart musste zusehen, schnell aus dem kurzen ins lange Eck zu kommen, aber da war schon der Mittelstürmer, der mit einem Karatesprung den Ball aus kürzester Distanz über die Linie drückte.

Der eingewechselte Stürmer Duje Cop (Malaga) sah in der 89. Minute noch Rot für sinnlose Brutalität weit in der bulgarischen Hälfte, einen fiesen Tritt von hinten auf die Wade des Rechtsverteidigers Strahil Popow (Litex Lowetsch). Ein paar harte Zweikämpfe hatte es bis dahin gegeben, aber nichts Unhöfliches, nichts Respektloses. Cop dürfte nicht nur das Gruppenendspiel der Kroaten in Malta verpassen, in dem seine Kollegen versuchen werden, Norwegen noch vom zweiten Platz zu holen und die Relegation zu vermeiden. Die Bulgaren haben mit neun Punkten Rückstand auf den dritten Platz keine Chance mehr und werden am Dienstag im direkten Duell versuchen müssen, wenigstens den vierten Platz gegen Aserbaidschan zu verteidigen.

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