Jung und offensiv

Christian Karn. Mainz.
Die Bundesligasaison 2016/17 hat der VfB Stuttgart verpasst. Nur ein Jahr nach dem Abstieg sind die Schwaben nun zurückgekommen; gegen den FSV Mainz 05 werden sie heute (15.30 Uhr) ihr erstes Heimspiel ausrichten. Das Erstliga-Comeback ist schiefgegangen: In Berlin verlor der VfB trotz einer durchaus ansprechenden Leistung 0:2. Das soll die junge Mannschaft - neun Mann im 18er-Kader sind 1995 oder später geboren - nicht vom Kurs abbringen: Auch gegen die Mainzer, kündigt VfB-Trainer Hannes Wolf an, werde sein Team auf keinen Fall passiv oder destruktiv spielen: "Wir wollen nach vorne gehen."

Es scheint in Mode zu kommen in der Bundesliga, den Spieltagskader schon vorab zu verraten. André Breitenreiter hat vor dem Auftaktspiel Hannovers verraten, welche 18 Spieler in Mainz in der Startelf und auf der Bank sind und sich daran gehalten. Auch Hannes Wolf, der Trainer des VfB Stuttgart, hat seine 18 Auserwählten fürs Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 bereits öffentlich benannt. Der VfB hat zur Verfügung: Ron-Robert Zieler, Mitch Langerak, Benjamin Pavard, Marcin Kaminski, Timo Baumgartl, Holger Badstuber, Matthias Zimmermann, Dennis Aogo, Ailton Ferreira Silva, Orel Mangala, Kapitän Christian Gentner, Ebenezer Ofori, Dzenis Burnic, Berkay Özcan, Josip Brekalo, Chadrac Akolo, Takuma Asano und Simon Terodde.

Das zeigt schon, wie weitreichend sich die Stuttgarter nach dem Abstieg aufgestellt haben. Zwar fehlten sie nur ein Jahr in der Bundesliga - damit ein Jahr weniger als beim letzten Mal -, dennoch sind lediglich vier Mann übrig aus dem 18er-Kader, mit dem sie am 7. Mai 2016 mit einer 1:3-Heimniederlage gegen die 05er die letzte ernsthafte Chance auf den Klassenverbleib verspielten: Der Sechser Gentner war in der Startelf, schoss das frühe 1:0, wurde nach einer Stunde ausgewechselt. Baumgartl spielte in der Innenverteidigung. Der Ersatztorwart Langerak hielt, was zu halten war - das war eine Menge. Außenverteidiger Zimmermann wurde nicht eingesetzt. Alle anderen sind weg. Kurzer Abgleich mit dem Gegner: Die 05er spielten mit Giulio Donati, Stefan Bell, Niko Bungert, Gaetan Bussmann, Fabian Frei, Karim Onisiwo, Jairo Samperio, Suat Serdar, hatten auf der Bank Daniel Brosinski und Pablo de Blasis - die heutige Elf wird anders aussehen, aber man wird die Mannschaft im Großen und Ganzen wiedererkennen.

Ganz Stuttgart - von links Marcin Kaminski, Ailton Ferreira Silva, Simon Terodde, Matthias Zimmermann und Benjamin Pavard - steht schlecht beim 2:0 von Herthas Matthew Leckie. Eine gewisse Unerfahrenheit ist die Schattenseite der jungen Mannschaft. Foto: imagoAns VfB-Team wird man sich gewöhnen müssen. Auffällig: Es ist jung. Pavard, Baumgartl, Ailton, Mangala, Ofori, Burnic, Özcan, Brekalo, Akolo sind 1995 oder später geboren. Ein Leistungsnachweis für die hochgelobte Jugendarbeit des VfB ist das jedoch nicht - fast alle wurden kürzlich erst dazugekauft. Für den offensiven Mittelfeldspieler Akolo soll der VfB dem FC Sion fünf Millionen Euro gezahlt haben; Akolo dürfte der Nachfolger des heutigen Mainzer Alexandru Maxim sein. Vier Millionen hat der neue Stammtorwart gekostet: Ron-Robert Zieler, der aus Leicester zurück in die Bundesliga kommt, kennt René Adler aus der Nationalmannschaft. Weitere teure Neuzugänge, nämlich der griechische Stürmer Anastasios Donis (21, kam für 4 Millionen von Juventus Turin) und der argentinische Sechser Santiago Ascacibar (20, kam für 5 Millionen von den Estudiantes de La Plata) fehlen, ebenso der Außenverteidiger Emiliano Insua, der Mittelfeldspieler Anto Grgic und die Angreifer Carlos Mané und Daniel Ginczek.

Das Bundesliga-Comeback des VfB ging daneben. Bei Hertha BSC verloren die Schwaben (ohne Aogo und Badstuber) 0:2. Ihr Spiel sah im Grunde gut aus - der VfB spielte Fußball, versteckte sich nicht so wie der Mitaufsteiger Hannover 96 in Mainz, war aber zu unruhig in vielen Aktionen. Vielleicht war's tatsächlich die Unerfahrenheit des Gegners, die den eher lethargischen Berlinern den Heimsieg ermöglichte. Auch gegen die 05er will Hannes Wolf eine offensive Mannschaft sehen: "Mainz lebt vom Gegenpressing", erklärte der VfB-Trainer. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir viel mehr Intensität aushalten müssen. Wir werden auf keinen Fall ein passives oder destruktives Spiel machen. Wir wollen nach vorne gehen."

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