Joo-Ho Park: Bereit für die Vertragsverlängerung

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Als die U23-Nationalmannschaft Südkoreas bei den Asienspielen ein Spiel nach dem anderen gewann, fieberten auch in Mainz die Anhänger mit. Der Grund für das Interesse an einem hierzulande doch eher weniger beachteten Turnier: Joo-Ho Park, Linksverteidiger des FSV Mainz 05, spielte um einen hohen Preis: die Befreiung vom Militärdienst. Park und die jungen "Taegeuk Warriors" gewannen im Finale gegen Nordkorea die Goldmedaille. Der 27-Jährige darf zur Belohnung weiter im Ausland Fußball spielen. Wäre die Mission fehlgeschlagen, wäre die Europakarriere des 05-Profis bald vorbei gewesen. Der nullfünfMixedZone gab Park nun das erste Interview seit seiner Rückkehr.

Jung-Kyoon Lenzen vom Deutsch-Koreanischen Freundeskreis Mainz übersetzt das Gespräch, das die nullfünfMixedZone-Redakteure Jörg Schneider und Christian Karn (von links) mit Joo-Ho Park am Bruchweg führen. Fotos: Jörg Schneider Mittwochmittag. Wir sind am Bruchweg mit Joo-Ho Park verabredet. Nach dem Training. Die nullfünfMixedZone hat sich Verstärkung für dieses Interview mitgebracht. Michael Tassler, seit ewig und drei Tagen 05-Fan und Vorsitzender des Deutsch-Koreanischen Freundeskreises Mainz, ist gekommen und wird von Jung-Kyoon Lenzen, seiner Stellvertreterin, begleitet. Die gebürtige Koreanerin hat sich bereit erklärt, die Rolle der Dolmetscherin zu übernehmen und ist etwas nervös vor dem Gespräch mit dem Profi. „Ich verstehe so wenig vom Fußball“, sagt sie. Und erzählt, wie schwierig es sei, koreanisch Gesprochenes wörtlich ins Deutsche zu übersetzen, weil vieles ganz anders ausgedrückt werde.

Wir müssen eine Weile auf den Spieler warten. Das Training hat später begonnen und länger gedauert. Außerdem wartet das Mannschaftsessen im benachbarten „Haasekessel“ - es gibt Nudel mit Gulasch und Salat. In der Zwischenzeit erinnern wir uns an die Saisonfakten des Spielers. Viel hatten die 05er in dieser Saison noch nicht von Park. Bei den drei Pokalspielen vor dem Bundesligastart war der Koreaner dabei, ebenso beim Auftaktspiel in Paderborn. Es folgten eine Verletzung, die Asienspiele und beim folgenden A-Länderspiel gegen Costa Rica die nächste Verletzung. Beim Heimspiel gegen Bremen am vergangenen Samstag saß der Profi erstmals wieder auf der Bank, in Leverkusen winkt ihm nun ein Einsatz.

Joo-Ho Park hat sich mit dem Essen beeilt, und Jung-Kyoon Lenzens Nervosität verfliegt schnell. Die beiden Landsleute haben sofort einen Draht zueinander und los geht’s mit dem Interview.

Als erstes interessiert uns alle natürlich die Geschichte mit dem Militärdienst...

Durch den Erfolg bei den Asienspielen mit der U23-Nationalmannschaft bin ich davon befreit. Ich muss nur eine vierwöchige Grundausbildung machen.

Wann wird das passieren?

Nächsten Sommer in der Urlaubszeit. Ich will deswegen kein Training verpassen.

Joo-Ho Park: Kein Militärdienst, nur eine vierwöchige Grundausbildung im nächsten Sommer. Wie sieht so eine Befreiung aus? Haben Sie eine Urkunde oder ein Schreiben bekommen? Wer hat das mitgeteilt? Und wurde es Ihnen vor dem Turnier schon in Aussicht gestellt?

Als die Asienspiele angefangen haben, war das schon bekannt: Alle Sportler, die eine Goldmedaille gewinnen, müssen nicht zum Militär. Das ist wie ein Gesetz. Es musste nicht groß angekündigt werden, das ist einfach so.

War es eine große Belastung für Sie, Fußball spielen und gewinnen zu müssen, um nicht für zwei Jahre zum Militär zu müssen?

Anfangs habe ich daran überhaupt nicht gedacht. Mir war klar: Wenn es sein muss, gehe ich zum Militär. Ich habe keinen Druck bekommen und mir auch selbst keinen gemacht. Ich habe einfach mit Freude gespielt. 

Aber Ihnen war schon klar, dass eine Niederlage das Ende der Karriere hätte sein können?

Seelisch war ich darauf vorbereitet: Wenn wir nicht gewinnen, ist die Karriere in Europa damit beendet. Eine Wahl hatte ich ja nicht.

Und es hing ja auch am seidenen Faden: Das Finale wurde erst in der Nachspielzeit der Verlängerung entschieden. Hätten Sie parallel zum Wehrdienst in Korea weiterspielen können?

Das weiß ich gar nicht genau. Soweit hatte ich nicht geplant.

Die Kollegen in Mainz haben nach dem Finale auf dem Trainingsplatz applaudiert. Manche haben das Spiel im Livestream verfolgt. Hatten Sie in jenen Tagen Kontakt zu den Mitspielern?

Nein, aber es stimmt, dass sie sich sehr über unseren Sieg gefreut haben. Ich bin sehr dankbar, dass alle so mitgefiebert haben.

Sie haben als Sechser gespielt. In Mainz kam das auch schon vor, aber häufiger waren Sie bisher Linksverteidiger. Was ist Ihre Lieblingsposition?

Ich spiele beides gern, aber lieber als Sechser. Der Trainer sagt auch: Beides. Aber er wird immer kontrollieren, wo er mich besser einsetzen kann. Ich muss immer bereit sein für beides.

Durch die lange Abwesenheit und die beiden Verletzungen haben Sie in dieser Saison erst ein Bundesligaspiel gemacht. Wie haben sie diese Zeit erlebt?

Die Kollegen haben mir sehr geholfen, auch dafür bin ich sehr dankbar. Die Verletzung war schmerzlich für mich, aber mit der Hilfe meiner Kollegen ging es.

Topfit im Training: Joo-Ho Park hofft nun auf einen Einsatz in Leverkusen. Wie ist jetzt Ihre Situation im Team?

Ich fühle mich in Mainz ja zuhause. Moralisch geht es mir gut, körperlich auch. Ich mache das komplette Training mit, um wieder mein Bestes geben zu können.

Würden Sie gerne Ihren auslaufenden Vertrag mit Mainz 05 verlängern?

Mainz 05 ist meine erste Option. Ich würde gern verlängern.

Sind Sie bereit für die Partie in Leverkusen?

Ich weiß noch nicht, ob ich aufgestellt werde, aber ich wäre darauf vorbereitet.

Wie hat es sich angefühlt, jetzt zweimal in Folge verloren zu haben?

So eine Phase hatten wir ja schon einmal. Wir sind wieder herausgekommen. Ich hoffe und glaube daran, dass das auch diesmal wieder besser wird.

Welchen Unterschied sehen Sie persönlich zwischen der Arbeit mit Thomas Tuchel und der mit Kasper Hjulmand?

Ich möchte das nicht unbedingt beurteilen. Beide sind gute und positive Trainer. Beide sind super.

Wie funktioniert die Kommunikation mit Kollegen und Trainern?

Ich lerne Deutsch und kann Englisch, so können wir miteinander sprechen. Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem ich richtig Deutsch kann.

Wie lernen Sie?

Momentan lerne ich alleine und wenn ich nicht weiterkomme, kann ich jemanden fragen. Wenn ich die Grundlagen kenne, will ich ein- oder zweimal wöchentlich mit einem Lehrer weiterlernen. Wann, kann ich noch nicht sagen, aber ich habe das vor.

Wie lernt man Grundlagen? Aus dem Fernsehen, aus Büchern?

Im Alltag. Ich kann auf Deutsch grüßen, im Restaurant bestellen... (deutet mit dem Zeigefinger auf eine imaginäre Speisekarte und sagt auf Deutsch) "Einmal bitte!"

Das können wir auf Koreanisch nicht.

Frau Lenzen erklärt: "Deutsch ist eine schwierige Sprache." Wir entgegnen: "Aber Koreanisch auch." Da widerspricht Frau Lenzen: "Koreanisch ist doch leicht." Sie deutet auf Michael Tassler: "Er kann schon koreanisch."

Joo-Ho Park: "Mainz ist super".Wie ist das Leben für Sie in Mainz?

Super. Nicht nur durch die Mannschaft, auch allgemein ist das Leben in Mainz gut.

Haben Sie hier Familie?

Eine eigene Familie habe ich noch nicht. Aber meine Eltern kommen manchmal zu Besuch. Und ich habe Freunde. Ja-Cheol Koo und Shinji Okazaki vor allem. Ich kann ja Japanisch.

Gibt es Milan, den Faltenhund, noch? Der hat ja für Schlagzeilen gesorgt, als er mit Ihnen nach Mainz gekommen ist.

Den gibt es noch, aber er lebt wieder in Korea. Er war schon oft bei meinen Eltern und sie haben ihn wieder aufgenommen. Ich lebe hier ja alleine und könnte mich nicht gut genug um Milan kümmern.

Beim Training sind ja immer viele asiatische Zuschauer, beim Spiel viele Journalisten dabei. Was bedeutet das für Sie?

Ich habe meine Fans, die manchmal als Gruppe da sind. Ständigen Kontakt haben wir allerdings nicht. Es ist kein eigener Fanclub, aber sie mögen mich.


Wie wird Mainz 05 in Korea wahrgenommen?

Ernst! In Korea wird Mainz 05 sehr positiv wahrgenommen. Immer, wenn etwas passiert, kommt es in den Nachrichten vor. Mainz 05 wird gut angenommen.

Die Menschen wissen also, dass Sie in Mainz spielen?

Frau Lenzen kommt Park mit der Antwortet zuvor:  "Sie wissen alles. Ich weiß es, obwohl ich mich nicht so für Fußball interessiere. Aber ich sehe Mainz oft im koreanischen Fernsehen. Daher weiß ich das."

Nach der Saison könnte es vielleicht eine Asienreise der Mannschaft geben. Freuen Sie sich darauf?

Ich möchte natürlich so lange wie möglich in Europa bleiben. Aber auf eine solche Tour würde ich mich freuen. Ich könnte meine Freunde und meine Eltern treffen.

 

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