Joker Serdar verlängert die Serie

Christian Karn. Mainz.
Als Eintracht Frankfurt zum letzten Mal in Mainz gewann, war der FSV Mainz 05 ein Oberligist und der älteste Spieler im heutigen 05-Kader keine zwei Jahre alt. Die Serie hält trotz einer in vielen Belangen nicht allzu guten Leistung im Derby, weil die Eintracht letztlich auch völlig ungefährlich war, sehr lange davon lebte, dass eine abgefälschte Flanke von Stefan Bells Körper ins 05-Tor sprang, und weil mit Suat Serdars Einwechslung ein bisschen mehr Ordnung in die Mainzer Offensive kam - und der Ausgleichsschütze aufs Feld. Bell hätte um ein Haar wie einst Nikolce Noveski sein Eigentor durch einen Treffer ins gegnerische Tor noch kompensiert, ein Sieg wäre allerdings schmeichelhaft gewesen.

FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 1:1 (0:1)

Freitag, 27. Oktober 2017, 33.794 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Zentner - Donati, Bell, Diallo, Brosinski - Frei (57. Serdar), Gbamin, Latza - Öztunali (83. Fischer), de Blasis - Muto (87. Kodro).
Reserve: Huth, Balogun, Maxim, Jairo. Trainer: Schwarz.

Eintracht Frankfurt: Hradecky - Salcedo, Abraham, Falette - Wolf, Boateng, Willems - Gacinovic (85. de Guzman), Stendera (88. Russ) - Haller, Rebic (74. Blum).
Reserve: Zimmermann, Jovic, Medojevic, Beyreuther. Trainer: Kovac.

Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel).

Tore: 0:1 Bell (37., Eigentor, Wolf), 1:1 Serdar (71., Muto).

Gelbe Karten: Abraham, Willems.

Als Eintracht Frankfurt zuletzt in Mainz gewann, konnte René Adler wahrscheinlich schon alleine geradeaus laufen, aber sich noch nicht gut artikulieren; der älteste Spieler im 05-Kader war seinerzeit erst 21 Monate alt, Niko Bungert als Zweitältester genau einen Tag. Natürlich hat die Eintracht seit jenem 1:0 in der Verlängerung eines Pokalspiels bei einer ambitionierten Oberligamannschaft nicht allzu regelmäßig in Mainz antreten müssen; das 1:1 am Freitagabend war aber immerhin das 14. Derby in Folge, das die Mainzer zuhause nicht verloren.

Die Verletzungsprobleme der 05er hatten sich weitgehend gelöst. Insbesondere die Abwehr war wieder komplett, Abdou Diallo kam zurück in die Abwehr und schickte Jean-Philippe Gbamin als dritten Sechser ein Stück nach vorne, Leon Balogun stand ebenfalls im Kader. René Adler fehlte natürlich und wird noch eine Weile fehlen: Der Torhüter wurde bereits operiert, wird die restliche Hinrunde und den Beginn der Rückrunde verpassen. Neu im Team standen nach dem Pokalspiel auch wieder Danny Latza (anstelle von Suat Serdar), Pablo de Blasis (anstelle von Viktor Fischer), Yoshinori Muto (anstelle von Kenan Kodro). Die Systemumstellung schickte außerdem Alexandru Maxim auf die Ersatzbank.

Die Eintracht deutete schon nach 75 Sekunden ihre Offensivstärke an. Ante Rebic war im Konter zu schnell für die Abwehr, Marc Stendera verfehlte das Tor jedoch deutlich. Robin Zentners erste Bundesliga-Ballkontakte waren daher ein zu langer Steilpass der Frankfurter, den Stefan Bell dem Torwart überließ, und ein Rückpass. Und der erste (und lange Zeit einzige) Mainzer Torschuss nach dreieinhalb Minuten eher eine Rückgabe von Pablo de Blasis. Der erste Ball, den Zentner halten musste, war in der zwölften Minute keine ernste Herausforderung. Drang zum Tor war bei beiden Mannschaften vorhanden, seitens der 05er zunächst über den eifrigen de Blasis, die Mainzer hatten Vorteile im Mittelfeld, aber auf beiden Seiten stand auch eine aufmerksame Abwehr, auf beiden Seiten flogen unterm Strich vielleicht zu viele lange Bälle übers Spielfeld. Und die Frankfurter Abseitsfalle funktionierte gut. Es war laut in der Arena, das lag nicht nur am Gästeblock, aber auch nicht am Spielverlauf.

Nach rund zwanzig Minuten wurden die Frankfurter dominanter. Viele Eckbälle kamen dabei heraus, aber wenig Gefährliches, auch dank des ruhigen, konzentrierten Spiels von Robin Zentner, der nicht wie ein Debütant wirkte - beim 0:1 aber keine Chance hatte. Daniel Brosinski wollte einen Steilpass ins Toraus laufen lassen, ließ sich den Ball vom Linksverteidiger Marius Wolf abluchsen. Und von Stefan Bell prallte der Querpass ins Mainzer Tor (37.). Unglücklich - wahrscheinlich hätte der Kapitän den Ball locker gestoppt, hätte Zentner diesen nicht noch um ein paar Grad vom Tor weg abgelenkt. Mal wieder ein Rückstand im Derby, nicht der erste. Auch nicht der erste nach einer belanglosen erster Hälfte, auch nicht der erste, den die 05er trotzdem drehten oder zumindest ausglichen.

Freilich hatten die 05er bis dahin zu zahm gespielt. Zu ungefährlich zum Tor hin - seit de Blasis' Schüsschen in der vierten Minute hatten sie keinen Angriff mehr zu Ende gespielt, keinen Torschuss mehr hinbekommen. Muto rieb sich auf, Levin Öztunali war kaum im Spiel, das Mittelfeld kam nicht mit in die Aktionen. Was in diesem Spiel gut getan hätte, wäre ein Stürmer mit der Robustheit von Jhon Córdoba, vielleicht - wenn wir schon einen Wunschzettel schreiben - mit etwas weniger aufbrausendem Temperament.

Eigentlich war's ein verpatzter Standard. Danny Latza machte die Szene aber noch einmal gefährlich und Suat Serdar traf nach Yoshinori Mutos Vorlage zum Ausgleich. Foto: VeyhelmannUnd vielleicht heißt der eierlegende Wollmilchspieler Suat Serdar. Der ist zwar kein Mittelstürmer, aber seine Einwechslung tat dem Spiel gut. Die 05er wurden ein bisschen zielstrebiger, ein bisschen besser. Insbesondere brachte seine Einwechslung in einer Situation, die schon nicht mehr wie eine Torchance aussah, den Ausgleich. Danny Latza machte die Szene wieder interessant mit einem Diagonalball nach rechts, Muto hob den Ball noch einmal an den kurzen Pfosten, Serdar kickte ihn unter die Latte ins Netz (71.).

Zuvor hatte Zentner gegen Rebic gehalten (48.), de Blasis einen gut herausgespielten Angriff mit einem Schuss zunichte gemacht, der nicht aufs Tor ging (55.), Muto in zwei verdächtigen Szenen zweimal keinen Elfmeterpfiff bekommen (57.), die Frankfurter längst mit dem Zeitspiel begonnen, das die Mainzer nach dem Ausgleich etwas zurückhaltender fortführten.

Nicht ohne dabei aber das erhoffte Siegtor aus den Augen zu verlieren. Die Schlussoffensive gab es. In der Eckballserie der 88. und 89. Minute kam erst de Blasis nicht an die Flanke heran, dann Stefan Bells Kopfball gerade nicht platziert genug. Daher blieb's bei einem 1:1, mit dem die 05er wohl leben können. Die Serie gegen die Eintracht hält, die Heimserie hält. Adlers Verletzung steckten die 05er zumindest im ersten Bundesligaspiel ohne ihn locker weg. Und mehr als ein Punkt wäre bei der in vielen Belangen mittelmäßigen Leistung womöglich zu viel verlangt.

► Alle Artikel zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt

► Zur Startseite