Jara-Wechsel ist kein Thema mehr

Jörg Schneider. Mainz.
Im Sommer galt Gonzalo Jara beim FSV Mainz 05 als Auslaufmodell. Der chilenische Nationalspieler entschied sich jedoch dafür, seinen Vertrag am Bruchweg zu erfüllen und die Herausforderung anzunehmen. Inzwischen präsentiert sich der 30-Jährige als zuverlässiger Leistungsträger und gehört im Team von Martin Schmidt zum Kreis der Stammspieler. Ein Wechsel steht derzeit nicht im Raum. „Wir sind froh, dass er da ist“, sagt der 05-Trainer. „Für uns ist es kein Thema mehr, dass er jetzt im Winter wechselt.“

Eine der großen Überraschungen in dieser Bundesliga-Vorrunde ist zweifellos Gonzalo Jara. Der chilenische Nationalspieler hat sich beim FSV Mainz 05 trotz aller für ihn negativ erscheinenden Umstände nach 15 Spieltagen als zuverlässiger Leistungsträger präsentiert und gehört inzwischen im Team von Martin Schmidt zum Kreis der Stammspieler. Eine ungewöhnliche Entwicklung angesichts der Vorgeschichte.

Vom Auslaufmodell in der Kreis der Stammspieler: Gonzalo Jara hat sich trotz aller Umstände durchgesetzt beim FSV Mainz 05. Noch im Sommer war der 30-Jährige ein Auslaufmodell am Bruchweg. Jara war relativ deutlich aufgefordert, sich mangels Perspektive einen neuen Klub zu suchen. Jara tat dies nicht, entschied sich gegen den Vereinswechsel und stellte sich der Herausforderung - ob sein Bleiben damit zusammenhing, dass es keine Nachfrage für den Verteidiger gab, oder ob der Routinier aus einer ehrgeizigen Trotzreaktion heraus darauf bestand, seinen Vertrag zu erfüllen, ist nie ganz klar geworden. Jedenfalls haben sich für die Voraussetzungen für den Chilenen gravierend geändert. „Wir sind froh dass er da ist“, sagt der 05-Trainer. „Für uns ist es kein  Thema mehr, dass er jetzt im Winter wechselt.“

Es waren nicht nur sportliche Aspekte, die den harten, aber technisch starken, international erfahrenen, aber in der vergangenen Saison oft zu Leichtsinnigkeit im Spiel neigenden Abwehrspieler ins Hintertreffen gebracht hatten. „Mir geht es mehr darum, dass Gonzalo Teil einer Gruppe ist. Da kann es nicht sein, dass einer neben dieser Gruppe steht. Was wir wollen, ist eine Integration, aber auch den Willen, das zu tun“, beschrieb Christian Heidel im Sommer die Probleme, die die 05er mit dem Profi hatten. Den Willen sich zu integrieren, vermisste der 05-Manager am meisten bei dem Spieler.

„Das haben wir ihm klar gesagt. Er muss mit dieser Mentalität, mit den Gegebenheiten in Deutschland und in Mainz einfach besser umgehen. Das ist eine klare Forderung von uns. Macht er das nicht, hat er keine Chance bei uns. Wir wollen einfach eine große Gruppe. Da hat sich jeder Spieler gewissen Regeln unterzuordnen. Wer das nicht macht, hat ein Problem.“

Offenbar hat sich der Chilene diese Regeln zu Eigen gemacht. Schon in der Vorbereitung überzeugte der variabel einsetzbare Profi mit großer Einsatzbereitschaft, Kampfkraft, drängte auf einen Kaderplatz. Im Laufe der Vorrunde fand Jara seine Rolle und präsentierte sich vor allen Dingen als Backup auf der Doppelsechs mit taktischem und spielerischem Verständnis. Beim 3:1-Sieg der Mainzer in Hamburg gab Jara erneut eine überzeugende Vorstellung, dominierte an der Seite von Julian Baumgartlinger das HSV-Mittelfeld besonders in der zweiten Hälfte.

"Der ist nie nervös"

„Er ist ein Defensivallrounder. Eine coole Socke“, sagt Schmidt über den einstigen Problemfall. „Der ist nie nervös. Der lächelt vor dem Spiel, der lächelt nach einem Sieg, der lächelt nach der Niederlage. Der ist immer cool aufgestellt. Man merkt das auch im Spiel. In Hamburg in der zweiten Halbzeit wurde er unter Druck angespielt, da macht er noch einen Hüftschwung, nimmt den Ball, spielt ihn ganz ruhig weg ohne nervös zu werden.“ Der Vorteil des Routiniers sei, dass er defensiv alles spielen könne. „Das taugt auch strategisch nach vorne bei ihm. Er und Baumi könnten das auch noch  offensiver spielen.“ Doch der Matchplan im Volksparkstadion verlangte eine defensivere Herangehensweise. „Wir wussten, dass wir auswärts, um den Plan erfüllen zu können, zuallererst verteidigen und in Führung gehen müssen“, sagte der Trainer.

„Da sieht man mal wieder, dass im Fußball immer alles möglich ist. Im Sommer, als wir ihm gesagt haben, er kann weggehen, wenn er will, das war ja nicht bösartig“, so der Schweizer. „Wir haben ihm nur gesagt, wie die Situation ist, dass er im Zentrum weit hinten ist und in der Defensive ein Backup. Wenn er mit der Rolle klarkomme, sei alles gut. Er hatte ja auch im Frühling selbst gesagt, dass er eventuell wechseln möchte.“

Der übereilte Abgang von Joo-Ho Park zu Borussia Dortmund hat für Jara vieles verändert. Der Koreaner war bis dahin derjenige im Team, der sowohl als Linksverteidiger, als auch als Sechser im Kader die Vorteile für sich hatte. Nach Parks Weggang manövrierte sich Jara in diese Rolle. Beim Auswärtssieg in Darmstadt gab Jara sein Debüt über 90 Minuten links hinten in der Abwehr. Seitdem ist der Chilene fester Bestandteil des 05-Kaders und hat etliche komplette Spiele entweder als Linksverteidiger oder als Sechser absolviert.

Von der einstigen Flatterhaftigkeit des Nationalspielers ist nichts mehr geblieben. Jara zeigte sich in dieser Vorrunde als gewissenhafter Arbeiter mit klarem, konzentriertem Spiel.  „Deshalb sind wir froh, dass Gonzo geblieben ist“, sagt Schmidt. „Wichtig ist auch, dass ein Spieler, dem man gesagt hat, es wird schwierig für ihn, sich durchgesetzt hat und nun plötzlich eine Serie guter Spiele macht. Er ist ein wichtiger Mann für uns.“

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