Im Fokus: de Blasis, Jairo und Bjelland

Jörg Schneider. Mainz.
Das Warten auf potenzielle Neuzugänge wenige Tage vor dem Ende der Transferperiode ist das zentrale Thema dieser Tage zwischen den Bundesligaspielen. Gerüchte gibt es viele, offizielle Aussagen dazu gar nicht. Und trotzdem deutet im Moment vieles darauf hin, dass der FSV Mainz 05 seinen Fokus auf drei Profis gerichtet hat, mit denen die Verhandlungen fortgeschritten sind: Am Transfer von Pablo de Blasis von Asteras Tripolis nach Mainz gibt es kaum noch Zweifel. Inzwischen scheinen aber tatsächlich auch Jairo Samperio Bustara, Rechtsaußen vom FC Sevilla und Andreas Bjelland, Innenverteidiger vom FC Twente Enschede mehr als nur heiße Kandidaten auf dem Laufzettel des Bundesligisten zu sein.

Trainer Kasper Hjulmand (hier mit Elkin Soto) wartet auf Verstärkungen. Foto: Jörg SchneiderChristian Heidel hat kürzlich gesagt, in den letzten Tagen, bevor das Transferfenster schließt, komme noch einmal eine große Dynamik in das komplette Marktgeschehen. Spieler, die vor Wochen zwar interessant, finanziell jedoch außer Reichweite standen, würden plötzlich zu Themen. Weil die Zeit drängt und äußere Faktoren sich verändert haben. Da gibt es viele Aspekte. Der Manager des FSV Mainz 05 hat sich den Ruf erworben, solche Dinge auszureizen zum Wohl seines Klubs und dessen Geldbeutel. In diesen Tagen ist viel Bewegung in die Suche nach Verstärkungen gekommen. Gerüchte verdichten sich. Da gilt es rund um die Trainingseinheiten der 05er am Bruchweg genauestens hinzuhören und auf Zwischentöne zu achten, darauf, welche Reaktionen gewisse Fragen und Themen bei den Beteiligten auslösen.
Eine dieser Dinge betrifft die Suche nach einem weiteren Innenverteidiger. Der Bändereinriss im Knie von Nikolce Noveski, der den 05-Kapitän wochenlang auf Eis legt, stellt Trainer und Manager vor eine neue Situation. Bisher war die Suche nach einem zusätzlichen Innenverteidiger eher Beiwerk beim Fischen nach Offensivverstärkungen. Das hat sich geändert.

"Wir brauchen da einen guten Spieler"

Natürlich müsse nun im Abwehrsystem etwas geschehen. „Wir haben mit Niko Bungert und Stefan Bell zwei sehr gute Innenverteidiger“, sagt Kasper Hjulmand. „Das ist langfristig möglicherweise etwas zu wenig.“ Deshalb hat die Suche nach einem gestandenen defensiven Zentrumsverteidiger nun Priorität, anstelle der angedachte Bemühungen um einem talentierten, entwicklungsfähigen Perspektiv-Abwehrspieler. „Talent“, sagt der 05-Trainer, „was ist Talent? Ein Talent kann trotzdem Erfahrung haben. Du kannst 20 sein und trotzdem schon ein guter Innenverteidiger. Wir brauchen da auf jeden Fall einen guten Spieler.“
Einer der unbestritten gut ist und die Talentphase bereits hinter sich hat, ist Andreas Bjelland. Dessen Name tauchte bereits zu Beginn der Transferperiode im Zusammenhang mit Mainz 05 auf. Eine Verpflichtung schien jedoch aus finanziellen Gründen außer Reichweite. Nun steht der 26-Jährige Abwehrspieler vom holländischen Erstligisten FC Twente Enschede offenbar ganz weit oben auf Hjulmands Wunschzettel und Heidels Unternehmungen. Der dänische Abwehrmann, früher bei Hjulmands Klub FC Nordsjaelland unter Vertrag, ist keine Billiglösung. Der Mann ist Stammspieler bei den Holländern und kostet nicht wenig Ablöse. Da dürfte Heidel nach einem gangbaren Weg suchen und Bezahlmodelle ausarbeiten. Stefan Bell bildet mit Niko Bungert zusammen die 05-Innenverteidigung, da Nikolce Noveski länger ausfällt. Auf dieser Positon sind die 05er jetzt etwas dünn besetzt. Foto: Jörg Schneider Das dürfte zeitaufwendig und ein Indiz dafür sein, dass der 05-Manager bisher noch keinen Vollzug melden kann  „Wir haben einen guten Überblick“, sagt der Trainer. „Es wird etwas passieren. Christian weiß genau was, wir tun wollen. Wir sind in ständiger Kommunikation. Er weiß, was er macht. Da habe  ich großes Vertrauen und bin ganz ruhig.“

Ein Ausleihgeschäft?

Inzwischen deutet doch einiges daraufhin, dass sich die Mainzer intensiver als vermutet um den schnellen Rechtsaußen des FC Sevilla bemühen. Und dass dieses Interesse, von dem spanische Medien berichten, nicht nur vorgeschoben ist, um den Preis für den mitbietenden FC Granada in die Höhe zu treiben. Jairo Samperio Bustara (21), spanischer U21-Nationalspieler, ein beidfüßig spielender Flügelmann, der vor der vergangenen Saison für zwei Millionen Euro von Racing Santander zum aktuellen Europaliga-Sieger nach Andalusien gewechselt war und für den FC Sevilla in 36 Spielen sechs Tore geschossen hat, ist ein heißes Thema am Bruchweg. Möglicherweise ein Kandidat für ein weiteres Ausleihgeschäft  - wie bei Filip Djuricic, der aus Lissabon kam.
Jairo wäre vom Profil her genau der Mann, der die Lücke auf dem rechten Flügel schließen könnte, die Nicolai Müller hinterlassen hat, aber aufgrund seiner Beidfüßigkeit auch links einsetzbar wäre. Pablo de Blasis, über dessen Wechsel von Asteras Tripolis nach Mainz inzwischen kaum noch Zweifel bestehen, kann diese Positionen ebenfalls besetzen. Der kleine Argentinier ist zudem, wie er in den beiden Begegnungen mit den 05ern im Europapokal deutlich gezeigt hat, ein Spieler, der auch als hängende oder sogar einzige Spitze agieren kann, sollte 05-Torgarant Shinji Okazaki mal nicht zur Verfügung stehen. Allgemein wird erwartet, dass die Verpflichtung von de Blasis nach dem Europaliga-Rückspiel der Griechen am Donnertagabend bei Maccabi Tel Aviv über die Bühne gehen soll.
Alle diese Kandidaten würden im Falle eines erfolgreichen Transfers aus dem laufenden Spielbetrieb kommen. Die Profis hätten also eine komplette Vorbereitung absolviert und bereits Wettkampfpraxis in den Knochen. Könnten die Profis also bereits für das erste Bundesliga-Heimspiel der Saison, am Sonntag (15.30 Uhr) in der Coface Arena gegen Hannover 96 ein Thema sein, sollten die Transfermodalitäten bis dahin abgewickelt sein?

„So etwas hängt von vielen Dingen ab“, sagt Hjulmand. „Wer kommt zu uns? Welche Qualität? Wie hat er bis jetzt gespielt? Wie ist die Trainingsverfassung? Alles ist möglich. Wir werden sehen.“

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