Hundertprozentig auf Derby gepolt

Jörg Schneider. Mainz.
Der siebte Spieltag beschert dem FSV Mainz 05 das erste Derby in der Opel Arena. Das Team erwartet am Sonntag (15.30 Uhr) den SV Darmstadt 98. Ein Nachbarschaftsduell, das eigentlich ein volles Stadion garantieren sollte. Doch bisher haben die 05er lediglich 27.000 Karten abgesetzt. „Wir brauchen die lautstärksten und die begeisterungsfähigsten Fans“, sagt Martin Schmidt. Die Mannschaft benötige zur Unterstützung alle Anhänger, die es nicht ein halbes Jahr ertragen könnten, wenn das Derby mit dem falschen Ergebnis ende. „Wenn es die lautesten Anhänger sind, freue ich mich auch über 27.000“.

Martin Schmidt beklagt sich nicht über die doch eher mäßige Zuschauer-Resonanz vor dem Derby. Der 05-Trainer hofft vielmehr, dass die Fans, die am Sonntag kommen, die lautstärksten und begeisterungsfähigsten sind. Foto: Jörg SchneiderEs ist erst das zweite Mal, dass der FSV Mainz 05 und Darmstadt 98 in diesem Stadion in der Bundesliga aufeinandertreffen. Und natürlich taucht im Vorfeld die Frage auf: Derby, ja oder nein. Wenn vielleicht auch die ganz große gewachsene Tradition dieser Duelle nicht gegeben ist, so ist dieses Nachbarschaftstreffen alleine aufgrund der räumlichen Nähe eine brisante und spannende Angelegenheit, in der der Derby-Charakter eine große Rolle spielt. Für Martin Schmidt ist die Sache sowieso klar. Für den 05-Trainer erfüllt die Begegnung mit den Lilien alle Voraussetzungen eines Derbys. „Hundertprozentig“, sagt der 49-Jährige. „In der Bundesliga gibt es nur wenig Vereine, die so nahe beieinander liegen. Wir liegen nur maximal 35 Kilometer auseinander. Und für uns ist es ein richtiges Derby.“

Mit der räumlichen Distanz, die beide Klubs trennt, hat sich Schmidt allerdings leicht vertan. Die Strecke zwischen der Opel Arena und dem Böllenfalltor beträgt 48 Kilometer. Da gibt es in der Liga deutlich geringere Entfernungen zwischen den Stadien. Vom Westfalenstadion in Dortmund bis zur Arena in Gelsenkirchen sind es rund 40 Kilometer, zwischen der Frankfurter Commerzbank Arena und dem Böllenfalltor liegen 34 Kilometer. Bayer Leverkusen muss zum Auswärtsspiel beim 1. FC Köln nur 23 Kilometer weit fahren. Doch schon das erste Treffen beider Teams in Mainz, dieses 0:0 im März in der ausverkauften Arena in Bretzenheim, hatte von der Intensität, von der Giftigkeit der Beteiligten auf dem Platz, von den Emotionen her alles, was ein solches Derby ausmacht. „Das war eher ein ekliges Spiel mit vielen Emotionen drin“, erinnert sich Rouven Schröder, der, seinerzeit noch nicht im Amt, die Partie als Tribünengast erlebte.

Schmidt berichtete in der Spieltags-Pressekonferenz am Freitag davon, dass seine Profis total auf ein Derby gepolt seien. „So kommt es bei den Spielern an. Das ist bei den Spielern schon die ganze Woche ein Thema. Für sie hat diese Partie noch einmal einen ganz anderen Charakter. Da ist die Befindlichkeit eine ganz andere als sonst. Das spürt man jeden Tag deutlich.“ Als Trainer stelle er allerdings nicht den Derbycharakter in den Mittelpunkt seiner Mannschaftssitzung. „Das ist kein Inhalt, mit dem ich meine Besprechung vor dem Spiel angehe. Nach dem Motto: So, Männer, Derby. Jetzt müssen wir aber. Nein, wir müssen mit unseren fußballerischen Möglichkeiten dahin kommen, dass wir ein Derby daraus machen“, sagt der Schweizer. „Die Motivation dafür, die muss jeder Spieler mitbringen. Die Motivation, dass dies ein Spiel in der Region ist, das gewonnen werden muss. Sonst werden da Hierarchien verschoben. Den Fans geht es ja nicht anders. Da gibt es Leute, die arbeiten vielleicht miteinander. Die wollen sich nicht ein halbes Jahr lang am Arbeitsplatz erzählen lassen, dass sie das Derby verloren haben. Das ist ein Kampf unter den Fans, ein Kampf unter den Teams. Deshalb brauchen wir alle Anhänger, die es nicht ein halbes Jahr ertragen können, wenn es mit dem falschen Ergebnis ausgeht. Wir brauchen, lautstarke und begeisterungsfähige Unterstützung. Die Stimmung muss sehr speziell sein.“

Im März war die Partie gegen die Lilien ausverkauft. Aktuell haben die 05er rund 27.000 Karten verkauft. Dem Klub fällt es derzeit offenbar schwer, sein Stadion voll zu kriegen. Obwohl die 05-Profis in der ersten Phase dieser Saison immer für ein Spektakel gut waren, aber auch für ordentliche Ergebnisse in einem schwierigen Programm. Mit einem Sieg gegen den Nachbarn aus Hessen, der bisher auswärts noch ohne Punkt ist und auf Platz 14 steht, könnten sich die Mainzer im oberen Mittelfeld festsetzen und eine perfekte Ausgangslage schaffen für die anstehenden Englischen Wochen mit einem Intensiv-Programm in Bundesliga, Europaliga und DFB-Pokal.

Schmidt beklagt sich nicht über die mangelnde Resonanz. Der Trainer nimmt die Situation positiv. „Ich bin eigentlich immer erfreut, wenn ich weiß, es sind schon 27.000 Karten verkauft. Das ist das, was mich bestätigt. Mein Team und ich, wir brauchen die lautstärksten und die begeisterungsfähigsten Fans“, betont der Trainer. „In Baku gegen Qäbälä waren es nur rund 400 und im Stadion war eine Stimmung, die war unglaublich. Auch hier gegen Saint-Etienne. Da hatten wir 20.000. Die Stimmung war lauter als in manchen Spielen, in denen wir 34.000 hatten. Wenn es die lautesten Anhänger sind, freue ich mich über 27.000. Ich denke, es werden bis Sonntag noch bis zu 30.000. Und das ist für mich eine Kulisse. Da erfreue ich mich mehr daran, als dass es mich stört, dass einige Sitze leer bleiben.“

Für Schröder ist diese Begegnung das erste Derby in offizieller Funktion bei seinem neuen Klub. „Ich habe als Spieler auch Derbys gehabt. Im Ruhrgebiet ist das ja auch immer etwas ganz Besonderes“, sagt der 40-Jährige. „Ich kann schon empfinden, dass in der Region zu solchen Spielen der Puls etwas mehr atmet und dass es etwas Besonderes ist. So soll es sein. Wenn es einem egal wäre, gegen wen man spielt, das wäre der falsche Ansatz. Wir freuen uns alle drauf, dass die Hütte möglichst voll wird und wir erfolgreichen Fußball spielen.“

 

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