Holtmann rennt, Quaison trifft

Christian Karn. Mainz.
Kurzweiliger als sonst bei solchem Anlass und am Ende erfolgreich war das Testspiel des FSV Mainz 05 gegen den Standardgegner der vergangenen Jahre, das Zweitliga-Spitzenteam SV Sandhausen. Bereits vor dem Rückstand hatten die 05er in erster Linie durch Mittelstürmer Robin Quaison die besseren Chancen. In der zweiten Hälfte nutzte der inzwischen auf die rechte Seite versetzte Schwede zwei Vorlagen des Sololäufers Gerrit Holtmann zum 1:1 und 2:1. Erstmals nach ihren langen Verletzungspausen waren Jannik Huth und Alexander Hack wieder dabei.

FSV Mainz 05 - SV Sandhausen 2:1 (0:1)

Donnerstag, 5. Oktober 2017.

FSV Mainz 05: Fl. Müller (46. Huth) - Onisiwo, Bell, Hack (60. Sverko), Holtmann - Serdar, Klement - Jairo, Maxim, de Blasis (46. Berggreen) - Quaison (60. Brosinski).

SV Sandhausen: Karacic - Gipson, Karl (72. Seegert), Knipping, Roßbach - Förster (59. Kulovits), Stiefler (72. Zejnullahu) - Ibrahimaj (59. Herrmann), Aygünes (59. Sutuka Pasu), Derstroff (72. Daghfous) - Wright (59. Vunguidica).

Tore: 0:1 Wright (33., Ibrahimaj), 1:1 Quaison (48., Holtmann), 2:1 Quaison (54. Berggreen).

Nicht ganz zu Unrecht haben diese Länderspielpausen-Testkicks nicht den allerbesten Ruf. Zu viele lustlose Auftritte hat man in den vergangenen Jahren gesehen, um die Termine knallrot im Kalender anzustreichen. Am Donnerstag hat der FSV Mainz 05 gezeigt, dass es durchaus auch anders geht. Wenn's auch trotzdem kein Vergleich ist mit dem Adrenalin und der Dynamik eines Bundesligaspiels, war es eine kurzweilige Partie, eine in vielen Phasen unterhaltende, in manchen Szenen spektakuläre Partie. Und eine Partie, in der die 05er eine zwar nicht schwarze, aber zumindest mittelgraue Serie wieder ans Positive heran brachten: Mit dem 2:1 (0:1) gegen den SV Sandhausen ist die neuzeitliche Bilanz gegen den Zweitliga-Topklub wieder ausgeglichen. So ein Fiasko wie vor einem Jahr beim 1:3 gab es diesmal nicht.

Und das war früh zu sehen. Mit den offensiven Außenverteidigern Karim Onisiwo und Gerrit Holtmann und mit dem engagierten Mittelstürmer Robin Quaison hatten die 05er von Anfang an eine gewisse Angriffslust auf dem Platz. Vor allem Quaison zeigte von den ersten Minuten, dass er große Pläne hatte an diesem Abend: In der neunten Minute war der von der Idee her feine Pass von Alexandru Maxim auf den Schweden eine Kleinigkeit zu lang, der Winkel war zu spitz, der Torwart war da. In der elften zog Quaison ohne Vorwarnung ab, sein 25-Meter-Schuss kam aber zu zentral, war darum haltbar. Der Angreifer suchte die Abschlüsse, suchte die Torchancen. In der 29. Minute wackelte er am ersten Verteidiger vorbei, fand die Lücke zwischen den nächsten beiden, schoss dann aber die Trinkflasche des Torwarts einen Schritt neben dem Tor ab. Und was in der ersten Hälfte nicht gelang, holte Quaison nach der Halbzeit-Umstellung als Flügelstürmer nach: In der 48. Minute glich er den Rückstand aus, in der 54. brachte er die 05er in Führung.

Die Wende war notwendig, weil die Defensive nach einer guten halben Stunde minutenlang nicht funktionierte. Die erste Torchance des SV Sandhausen hatten die 05er noch abgewehrt; in der 15. Minute war Onisiwo an der Mittellinie womöglich im Kopf zu offensiv, zu leichtfertig für einen Defensivspieler. Nach dem Ballverlust des Rechtsverteidigers, der vor einem Jahr noch als reiner Stürmer galt, hielt der junge 05-Torwart Florian Müller den Schuss seines ehemaligen U23-Kollegen Julian Derstroff. In der 33. Minute aber passte gar nichts in der Defensive. Stefan Bell unterschätzte einen Flugball nahe des Mittelkreises und kam nicht mehr zurück in die Szene, Alex Hack musste sich bei seinem Comeback zwischen zwei Angreifern entscheiden und nahm keinen, Müller wurde dann auch noch nach Ali Ibrahimajs Querpass von Haji Wright zum 0:1 getunnelt. In den folgenden Minuten hatte der Mittelstürmer der Gäste zwei weitere dicke Chancen, eine etwas anspruchsvollere, eine offensichtliche, die er geradezu kläglich vergab. Ausgangspunkt beider Szenen war erneut Bell, der angeschlagen wirkte, der humpelte, der sich aber fing, der bis zum Ende durchspielte, der seine Leistung auch wieder deutlich steigerte.

Mit viel Mühe versuchte Sandhausen in der ersten Hälfte, Robin Quaison vom Tor fernzuhalten. In der zweiten gelang es nicht mehr. Foto: imagoSandhausen wiederum war überfordert vom Mainzer Linksverteidiger, von Gerrit Holtmann, von seinem Tempo. Hinten wurde der zweite Ex-Stürmer der 05er nicht allzu oft gefordert, nach vorne rannte er den Verteidigern einfach weg. Bereits an Quaisons Chancen der ersten Hälfte war Holtmann immer mal beteiligt. In der 44. Minute hätte er sich wohl den Elfmeter holen können, nahm die Einladung aber nicht an. Und in der zweiten Hälfte ging es rund auf seiner linken Seite. Holtmanns Solo in der 48. Minute begann noch in der eigenen Hälfte. Der Linksverteidiger rannte die Seitenlinie entlang, hängte den ersten Verteidiger ab, bog ein paar Grad nach innen ab, überlief den zweiten, legte nahe der Grundlinie vor dem dritten den Ball zurück in den Strafraum. Jairo Samperio hampelte breitbeinig über den Pass, denn der Spanier wusste: Hinten steht Quaison noch viel besser. Der gerade erst von einer kurzen Behandlung zurückgekehrte Rechtsaußen hatte viel Platz und machte sein Tor.

Beim 2:1 rannte Holtmann sogar zwischen vier Mann einfach nur durch, legte ab auf den eingewechselten Emil Berggreen, der dem Torwart Goran Karacic den Ball überbrannte. Quaison sortierte den Abpraller kurz zwischen seinen Füßen, schoss dann nicht mal perfekt, aber gut genug, dass Karacic zwar noch dran war, das Tor aber nicht mehr verhinderte (54.). Zum Ende hin versuchte der als Innenverteidiger eingewechselte Marin Sverko noch einen ähnlichen Lauf, doch dem jungen Abwehrspieler fehlte die Spitzengeschwindigkeit, mit einem Foul im Mittelfeld vermochten die Gäste ihn aufzuhalten.

Die inzwischen umgekrempelte Abwehr mit Daniel Brosinski auf der rechten Seite hinter Onisiwo, mit Bell und Sverko innen und weiterhin Holtmann am linken Ende der Kette wirkte nur kurzzeitig etwas sorglos. Vom wuchtigen Joe Vunguidica, der wie Jhon Córdoba mit dem Kopf durch jede Wand wollte, der eine ganz neue Physis ins Spiel brachte, wurden die Verteidiger noch einmal gefordert, aber sie hatten es im Griff. Auch dank der Entlastung durch den geschickten Suat Serdar hatte der eingewechslte 05-Torwart Jannik Huth bei seinem Comeback nach der Verletzung nichts Besonderes zu tun. Über Onisiwo gab es noch eine Reihe kleiner und halber Chancen, jedoch keine Tore mehr.

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