Hoffnungsträger und Flops

Jörg Schneider. Mainz.
Das letzte Wochenende vor dem Ende der Transferperiode in der Bundesliga hat noch einmal viel Bewegung in die einzelnen Klubs gebracht. Nicht nur beim FSV Mainz 05, der in allerletzter Minute noch Niki Zimling an Ajax Amsterdam ausgeliehen hat. Christian Heidel hat jedoch mit fünf Neuverpflichtungen, quasi auf einen Schlag, so ziemlich den Vogel abgeschossen. Ob der 05-Manager dabei ein glückliches Händchen bewies oder ob Heidel sich in dem einen oder anderen Fall vergriffen hat, wird diese Saison, die erst zwei Spieltage jung ist, zeigen. Jedenfalls erklärt der 51-Jährige hier schon einmal die Hintergründe seines Handelns. Und auch warum die 05er zwei Spieler, die es nicht schaffen im Kader, behalten haben.

Jairo reizte einfach die Bundesliga. Foto: ImagoJairo Samperio, geholt für kolportierte zwei Millionen Euro vom FC Sevilla, war der erste aus dem Fünferpack, der in Mainz unterschrieb. „Wir sind seit vier Wochen an ihm dran“, erklärt Heidel. „Wir hatten ja alle Fühler ausgestreckt nach einem schnellen Flügelspieler. Man muss dazu sagen, der spanische Markt kollabiert zurzeit. Halb Spanien will nach Deutschland. Wir haben dort im Laufe der Jahre ein ganz gutes Netzwerk aufgebaut. Da haben wir Tipps bekommen. Dann haben wir uns den Spieler angeschaut. Bei ihm gab es den für uns glücklichen Umstand, dass Sevilla einen Spieler vom FC Barcelona geholt hat und sich niemand vorstellen konnte, dass Jairo einen Stammplatz auf der Tribüne buchen würde. Dann sind wir in Kontakt gekommen. Das ging dann verhältnismäßig flott, weil er als erstes gesagt hat, er wolle nach Deutschland. In Spanien hätten ihn eine Handvoll Vereine genommen. Ohne Übertreibung. Die Seriosität der deutschen Vereine hat sich inzwischen herumgesprochen. Es hat aber auch mit dem Titel zu tun. Wir haben die Liga des Weltmeisters, die Stadien sind top. Jairo ist mit mir durch unser Stadion gegangen. Das hat ihm so gefallen. Logen, so etwas kannte er gar nicht aus dem alten Kasten in Sevilla. Jairo war sofort Feuer und Flamme. An ihm werden wir viel Freude haben.“

Mit Jonas Hofmann haben die 05er schon einmal zu Abend gegessen. Jetzt steht er in Mainz unter Vertrag - vorübergehend. Foto: imagoPablo de Blasis hat die Gunst der Stunde in zwei Qualifikationsspielen zur Europaliga gegen die 05er genutzt, um sich für die Bundesliga zu empfehlen. Die Ablösesumme, die die 05er an Asteras Tripolis zahlen, jenem Klub also, der die Mainzer aus dem Europapokal warf, soll bei rund 1,5 Millionen Euro liegen. „Pablo ist uns halt aufgefallen in den beiden Spielen. Die Bewerbungsunterlagen, die er uns gegeben hat, waren deutlich“, betont der 05-Manager. „Dann haben wir uns mit dem Spieler erst einmal befasst. Viele Spiele angeguckt, Quoten und statistische Werte. Er läuft im Schnitt elf Kilometer im Spiel. Das passt nicht so schlecht zu Mainz 05. Aber er kommt aus der griechischen Liga. Er muss sich erst umstellen auf die Bundeliga, dessen sind wir uns bewusst. Nach den Gesprächen mit ihm war klar, dass wir ihn holen wollen. Er spricht perfekt Englisch, war Kapitän seines Teams, was auch kein unwichtiger Faktor innerhalb der Gruppe ist.“

Jonas Hofmann hat Heidel von Borussia Dortmund ausgeliehen. Für ein Jahr. Ohne Kaufoption. Was vor einem Jahr scheiterte, ist nun gelungen. „Wir haben ja schon mal mit ihm ausgiebigst zu Abend gegessen und uns dabei schon mal gefreut, dass er kommt. Dann kam der Herr Klopp auf die wahnwitzige Idee, ihn in einem Bundesligaspiel einzusetzen, was er vorher nie getan hat. Immer nur U23. Danach musste ich nicht mehr anrufen. Das war erledigt. Auch Jonas hätte nun viele andere Möglichkeiten gehabt, aber wir mussten uns nicht mehr groß vorstellen. Er wollte dann nach Mainz. Da hatten wir einen Vorsprung vor anderen. Und die Zeit hat da für uns gespielt zum Ende der Wechselfrist. Das ging dann schnell“, so der Manager.

Philipp Wollscheid hat die große Transfersumme von 7,5 Millionen Euro bewegt bei seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg zu Bayer Leverkusen. Eine Kaufoption in den Ausleihvertrag einstellen zu wollen, wäre deshalb wenig sinnvoll gewesen, weil Heidel diese Summe nicht ausgeben kann. „Bei ihm hatten wir viel Konkurrenz aus Deutschland“, räumt der Mainzer Manager ein. „Da haben wir lange gesprochen.“ Für den Spieler sei es darum gegangen, wo die Wahrscheinlichkeit für ihn groß sein könnte, regelmäßig zu spielen. „Er ist in Leverkusen etwas rausgerutscht. Besonders nach der Verpflichtung von Kyriakos Papadopoulos. Wir haben ihm unsere Situation erklärt, dass er momentan einer von drei Innenverteidigern wäre und wir mal sehen müssten, wie lange das mit Nikolce Noveski dauert. Das hat für ihn anscheinend den Ausschlag gegeben. Philipp hätte durchaus auch woanders hin wechseln können.“ Hätte sich der 05-Kapitän nicht verletzt, so Heidel, wären die Überlegungen eher in die Richtung gegangen, einen jungen Spieler dazu zu nehmen, den man nach und nach hätte heranführen können. So aber sei das Risiko zu groß gewesen.

Bei Todor Nedelew (Miitte) hoffen die 05er, dass der Bulgare irgendwann den Durchbruch schafft. Foto: Jörg Schneider In Sachen Sami Allagui musste offenbar keiner der Beteiligten lange nachdenken. Weder die 05er, noch der Spieler selbst, der 2012 für knapp zwei Millionen Euro zu Hertha BSC gewechselt war und nun für ein Jahr ausgeliehen wird - plus Kaufoption. „Wir wissen doch, dass Sami auf beiden Flügeln, hinter dem Stürmer, zweiter Stürmer oder einzige Spitze spielen kann“, beschreibt Heidel das Profil des Tunesiers. „Wir müssen immer bedenken, dass mal mit Shinji etwas passieren kann. Wir haben de facto drei Stürmer im Kader. Das ist nicht besonders viel. Sami wird ein bisschen verkannt. Wenn man sich seine Quoten anguckt, dann sieht man, dass es kaum Spieler gibt, die eine solche Torbeteiligungsquote haben. Als wir ihn angerufen haben, hat er gesagt, er komme sofort. Am Tag später hat er bei Michael Preetz im Büro gesessen und gesagt, er wolle zurück nach Mainz. Das war eine logische Gesichte für uns, insbesondere, weil wir keine Transferentschädigung zahlen müssen.“

Neben diesen Zugängen war im Management des Bundesligisten auch intensiv darüber nachgedacht worden,Todor Nedelew auszuleihen. Der Bulgare, seit dem Winter in Mainz, kommt bei den 05ern nicht voran. „Es gab eine Reihe von Möglichkeiten, ihn auszuleihen“, bestätigt der Manager. „Wir haben uns aber dafür entschieden, ihn hier in Mainz richtig aufzubauen. Durchaus über viele Einsätze in der zweiten Mannschaft. Ich habe da so eine Idee, dass sich jetzt einer richtig um Todor kümmert. Denn der Junge hat Talent, sonst wären nicht so viele Klubs gekommen, die ihn verpflichten wollten. Wir werden uns viel mit ihm beschäftigen und überlegen, wie wir ihn nach vorne bringen können. Es kann nicht sein, dass er in einem halben Jahr das Fußballspielen verlernt hat. Das gibt es nicht. Deshalb geben wir ihn nicht ab. Wir müssen das mit Vehemenz angehen und schauen, ob er es nicht doch noch schafft bei uns.

Nikita Rukavytsya war offenbar nicht vermittelbar und erfüllt seinen bis Saisonende laufenden Vertrag am Bruchweg. „Er nimmt das alles so in Kauf“, sagt Heidel. „Es gibt solche Spielertypen. Da kann man nichts machen. Ihm gefällt es anscheinend gut in Mainz. Er kam nicht einmal zu mir und hat gesagt, dass er unbedingt wechseln möchte. Nikita trainiert mit der U23.“

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