Heinz Müller klagt erfolgreich gegen 05er – Präzedenzfall mit Tragweite?

Jörg Schneider. Mainz.
Sollte dieses Urteil Rechtsgültigkeit erlangen, dann droht dem Profifußball in Deutschland und Europa der größte Umbruch seit dem Bosman-Fall: Ein früherer Profi des FSV Mainz 05 hat vor dem Arbeitsgericht Mainz erfolgreich auf den Fortbestand seines Vertrages als unbefristetes Arbeitsverhältnis geklagt. Das Gericht vertrat die Auffassung, dass die auf zwei Jahre befristete Vertragsverlängerung mit dem Spieler, der zuvor bereits einen Dreijahresvertrag in Mainz erfüllt hatte, nicht rechtens war. Bei dem Profi handelt es sich nach Informationen der nullfünfMixedZone um den Ex-Torhüter Heinz Müller. 05-Präsident Harald Strutz kündigte an, dass der Bundesligist ein Berufungsverfahren anstrebt.

Sollte das Urteil des Mainzer Arbeitsgerichtes rechtskräftig werden, wäre Heinz Müller der erste Spieler, der nicht mehr beim FSV Mainz 05 aktiv ist, aber einen unbefristeten Arbeitsvertrag hätte am Bruchweg. Foto: ImagoEine am Dienstag veröffentlichte Pressemitteilung des Arbeitsgerichtes Mainz hat beim FSV Mainz 05 große Aufregung ausgelöst. Nach Informationen der nullfünfMixedZone hat der frühere Torhüter Heinz Müller gegen den Verein geklagt. Müller hatte 2009 einen Dreijahresvertrag beim Bundesligisten erhalten. 2012 war dieser Vertrag verlängert worden, befristet auf zwei Jahre. Müller, der sportlich keine Rolle mehr spielte im Bundesligateam, hatte im Sommer 2014 den Verein verlassen. Seine Klage auf Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis hatte vor dem Arbeitsgericht Erfolg.

In der Pressemitteilung heißt es: „Die Befristung eines Arbeitsverhältnisses mit einem Spitzensportler ist nur nach Maßgabe des § 14 TzBfG zulässig. Die Eigenart der Arbeitsleistung als Profifußballspieler rechtfertigt danach als solche nicht eine Befristung des Vertrags. Der Kläger war bei dem beklagten Bundesligaverein zunächst aufgrund eines auf 3 Jahre befristeten Vertrags als Lizenzfußballspieler beschäftigt. Unmittelbar anschließend schlossen die Parteien im Sommer 2012 erneut einen auf 2 Jahre befristeten Vertrag. Der beklagte Verein macht geltend, mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits 34-jährigen Spieler habe er aufgrund der Ungewissheit der Leistungserwartung keinen unbefristeten Vertrag geschlossen und verweist auf die Branchenüblichkeit.“ Eine Befristung, so das Gericht, ohne Sachgrund sei wegen Überschreitung der Höchstbefristungsdauer von 2 Jahren nicht mehr in Betracht gekommen. „Der zuletzt geschlossene Arbeitsvertrag durfte auch nicht wegen eines Sachgrundes befristet werden. Liegen andere Sachgründe - etwa in der Person aufgrund des eigenen Wunsches des Profisportlers - nicht vor, so rechtfertigt die Ungewissheit der zukünftigen Leistungsentwicklung auch im Profisport nicht die Befristung des Arbeitsverhältnisses“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Wir müssen das zur Kenntnis nehmen“, sagte Harald Strutz der nullfünfMixedZone. Der 05-Präsident und Rechtsanwalt ist jedoch irritiert, dass der Verein als Beklagter noch keine schriftliche Urteilsbegründung erhalten hat. „Wir werden aber in jedem Fall ein Berufungsverfahren anstreben“, kündigte Strutz an, der sich wegen der möglichen Tragweite dieser Entscheidung der Mainzer Arbeitsrichterin nicht weiter äußern wollte. „Über die Konsequenzen müssen wir uns Gedanken machen, wenn es in letzter Instanz entschieden ist.“

Denn dieses Mainzer Urteil gegen die 05er könnte zu einem Präzedenzfall auswachsen, der den kompletten deutschen und europäischen Profifußball in seinen Grundfesten erschüttern würde. Ähnlich wie seinerzeit das Bosman-Urteil. Sollte das Mainzer Urteil rechtskräftig werden, dürften Profiklubs ihre Spieler künftig nur einmal mit einer zeitlichen Befristung unter Vertrag nehmen, jede Verlängerung würde gleichzeitig ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit sich bringen, das der Verein als Arbeitgeber nur unter bestimmten Voraussetzungen kündigen dürfte.

Heinz Müller, der längst nicht mehr beim Bundesligisten beschäftigt ist, hätte dann als erster Spieler überhaupt einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei Mainz 05. In der Praxis jedoch sind alle Verträge mit Fußballprofis befristet. Die Folgen eines solchen rechtskräftigen Urteils für die gesamte Branche wären unüberschaubar. Diese Pressemitteilung des Arbeitsgerichtes Mainz dürfte auch bei der DFL und der Uefa mit Sorge zur Kenntnis genommen worden sein.

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