Heidel: Kein Gewissenskonflikt im Fall Clemens

Jörg Schneider. Mainz.
Der Abgang von Christian Heidel im Sommer soll die Kaderplanung beim FSV Mainz 05 für die neue Saison nicht beeinflussen. Der Manager hat ohnehin vorgebaut. Fast der komplette Kader steht über die Saison hinaus unter Vertrag. Massive Veränderungen sind nicht geplant. Zwei größere Baustellen bleiben jedoch: Die 05er müssen überlegen, ob sie bei Christian Clemens und Jhon Cordoba die vereinbarte Kaufoption ziehen. In jedem Fall zwei teure Entscheidungen.

Martin Schmidt hat sich geirrt. Der Trainer des FSV Mainz 05 hat die Geschichte mit seinem Manager und dem FC Schalke 04 hautnah miterlebt, aber offenbar immer nur als Flirt betrachtet und bis zum Schluss fest daran geglaubt, dass Christian Heidel am Bruchweg bleibt. „So habe ich gedacht“, sagte der 48-Jährige. „Ich konnte nur das bewerten, was ich jeden Tag sehe und was ich höre. Was ich mit ihm zu tun habe und was ich mit ihm arbeite. Das war die Quintessenz daraus. Es gab überhaupt keine einzige Minute in der täglichen, wöchentlichen und in der Arbeit für die Zukunft einen Moment, in dem er gemauert und gesagt hätte: Warten wir mal ab, das können wir uns auch noch im Sommer angucken oder so etwas.“ Und er habe mit Heidel viel geredet über interessante Spieler, auch über eigene Spieler, deren Verträge in 2017 auslaufen, wo eine Verlängerung entschieden werden müsse. „Wir hatten Diskussionen, ich wurde immer auf dem Laufenden gehalten, was abgeht. Es war aber nie so, dass ich gedacht habe, der ist weg.“ Auch der Name Rouven Schröder, Heidels designierter Nachfolger, sei nie ein Thema gewesen. „Ich habe ihn nicht gekannt. Er kam zu mir beim Spiel gegen Werder Bremen hier im Stadion und hat sich vorgestellt. Ich glaube aber nicht, dass er da schon ein Thema hier war“, so Schmidt.

Der Ausleihvertrag mit Schalke läuft zum Saisonende aus. Die 05er müssen entscheiden, ob sie die Kaufption für Christian Clemens ziehen. Christian Heidel sieht darin keinen Interessenskonflikt.Wenn alles nach Plan verläuft und die Verhandlungen mit dem SV Werder über den Wechsel des Sportdirektors zügig abgeschlossen werden, wird Schröder alsbald in die Gespräche und Planungen mit dem Trainer einbezogen werden. Heidels Abgang im Sommer soll jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Kaderplanung des Bundesligisten für die nächste Spielzeit haben. Das bekräftigte der 52-Jährige  im Rahmen der Pressekonferenz am Montag. „Wir verhalten uns so, als wenn es diesen Wechsel gar nicht geben würde. Die Zusammenstellung der Mannschaft und des Kaders wird seriös geplant“, erklärte Heidel. Es werde ohnehin im Sommer nicht den großen Schnitt geben. Massive Veränderungen im Mannschaftsbereich seien nicht vorgesehen. „Weil unser Kader fast komplett über die Saison hinaus unter Vertrag steht“, so Heidel. „Wir unterhalten uns natürlich über die Kaderplanung. Wenn Rouven früher kommen könnte, sitzt er dabei. Und wenn ich das Gefühl habe, der Tag ist da, dass die Sache ohne mich läuft, habe ich kein Problem damit, dann auch hinten anzustehen.“

Heidel hat vorgearbeitet. Zum Saisonende laufen die Verträge von Elkin Soto und Julian Derstroff aus. Soto wird im August 36. Dass der Kolumbianer noch einmal verlängert, ist nicht zu erwarten. Der Mittelfeldspieler wollte schon vor dieser Saison zurück in die Heimat. Aufgrund der schweren Knie-Verletzung erhielt Soto noch einmal einen Jahresvertrag, quasi als Reha-Unterstützung. Jetzt ist sein Ziel, in dieser Runde noch auf den Platz zurückzukehren. Zwei weitere Personalien sind da schon schwieriger zu handhaben. Was passiert mit Christian Clemens und Jhon Cordoba?

Heidel sieht im Fall Clemens keinen Interessenskonflikt, weil der Rechtsaußen bekanntlich bis Ende der Saison vom FC Schalke 04 ausgeliehen ist. Das Problem, dass er in den Gesprächen  als Verhandlungsführer sowohl des einen wie auch des anderen Klubs nach jedem Satz die Schreibtischseite wechseln müsse, stelle sich nicht. „Die Sache mit Clemens ist die leichteste überhaupt“, sagte der 05-Manager. „Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wir als Mainz 05 müssen entscheiden, ob wir die Option auf Vertragsverlängerung und damit die Kaufoption ziehen. Das entscheiden wir alleine. Da gibt es keine Verhandlungen. Der Fall ist klar. Da spielt dann Martin Schmidt die Hauptrolle.“ Der Trainer muss letztlich sagen, ob er weiterhin mit dem Profi arbeiten will oder andere Pläne hat. Die Kaufoption für Clemens soll bei drei Millionen Euro liegen.

Noch teurer ist auf dem Papier wohl Jhon Cordoba. Im Fall des Mittelstürmers, der vom FC Granada ausgeliehen ist, werden offenbar fünf Millionen fällig, sollten die 05er die Kaufoption ziehen. Heidel hat jedoch in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, dass es Verhandlungs-Spielraum geben könnte. Auch da hat der Trainer zunächst das Sagen, ehe Heidel und/oder Schröder dann in die Verhandlungen mit den Spaniern eintreten. Ob die 05er letztlich bereit sind, die Ablösesumme zu bezahlen, hängt davon ab, ob sich der Mittelstürmer weiterhin so stark präsentiert wie zuletzt. Cordoba hat seine Zeit gebraucht, um im Mainzer Team Fuß zu fassen und eine wertvolle Rolle zu spielen. Der 22-Jährige überzeugt jedoch seit Beginn der Rückrunde als wuchtiger, kampfstarker Mittelstürmer mit Durchsetzungsvermögen, der im Zentrum die Bälle behauptet, der sich aufgrund seiner Explosivität und seiner Antritts-Geschwindigkeit aber auch als eine echte Waffe im Konterspiel erwiesen hat. In Hoffenheim erzielte er seinen ersten Treffer auf diese Weise. Gelingen dem Angreifer weitere Tore, dürfte es keinen Zweifel geben, den Profi halten zu wollen. Einen neuen Stürmer zu suchen, der so gut ins Anforderungsprofil passt, könnte schnell noch teurer werden.

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