Hack: Große Schritte in Richtung Stammplatz

Christian Karn. Mainz.
In diesen Tagen nehmen die Profis des FSV Mainz 05 wieder den Normalbetrieb auf. Das Winter-Trainingslager ist längst vorbei, die Generalprobe für die Rückrunde gewonnen. Die unmittelbare Vorbereitung auf das Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt 04 am Samstag, 15.30 Uhr, beginnt nun. Die Aufstellung vom 1:0 gegen den 1. FC Köln versteht 05-Trainer Martin Schmidt ausdrücklich nicht als die Elf, die an der Donau beginnen wird. Ein paar Änderungen wird es geben, einer aber könnte seine Chance genutzt haben.

Ausdrücklich hat Martin Schmidt am Samstag im Testspiel gegen den 1. FC Köln (1:0 durch ein frühes Tor von Danny Latza) nicht die Startelf für den Rückrunden-Auftakt beim FC Ingolstadt 04 (Samstag, 15.30 Uhr) ausprobiert. Teils gezwungenermaßen: Die Stammspieler Niko Bungert und Yunus Malli standen dem Coach des FSV Mainz 05 nicht zur Verfügung, auch Stefan Bell war nicht im körperlichen Bestzustand. Beim Innenverteidiger reichte es nur für eine Einwechslung nach einer Stunde.

"Ich habe die Startelf nicht willentlich versteckt", sagte Schmidt. "Aber ich wollte heute die beste Aufstellung, ich wollte Ernsthaftigkeit im Spiel haben. So eine Elf kann ich mir vorstellen." Aber auch: "Zwei bis drei Änderungen wird es am Samstag vielleicht geben."

Wir wagen an dieser Stelle die Spekulation: Es werden vier. Gaetan Bussmann, Leon Balogun, Suat Serdar und Karim Onisiwo werden in Ingolstadt nicht beginnen. Wobei der Österreicher könnte mit seinem wuchtigen Spiel und seiner Lust auf Duelle ein interessanter Faktor sein könnte gegen einen Gegner, der wahrscheinlich nicht allzu viel anbieten wird, der die 05er seinerseits niederzukämpfen versuchen wird. "Die Testspielberechtigung hat Karim", sagte Schmidt, "und das Ziel ist, dass er auch gegen Ingolstadt berechtigt sein wird. Aber wir müssen warten, bis wir den Zettel in der Hand haben." Mit Christian Clemens und Pablo de Blasis - beide wurden gegen Köln eingewechselt - hat Schmidt bewährte Kandidaten für die Position vorne rechts. Links dürfte es keinen Grund geben, den in der Hinrunde starken und effizienten Jairo Samperio aus der Mannschaft zu nehmen.

Für die zentrale offensive Mittelfeldposition fehlten Schmidt beide Kandidaten, Malli und Philipp Klement. Drei Mann probierte er gegen den FC aus, die ihre Aufgabe ordentlich machten. Es begann der junge Suat Serdar, der aggressive, technisch starke 18-Jährige, der einst von seinem damaligen Jugendtrainer Meikel Schönweitz als Offensivsechser vorgestellt wurde. Mit jeweils vier Einsätzen in der Bundesliga und in der 3. Liga fehlt dem Binger natürlich noch etwas Erfahrung, aber das ist kein Grund, ihn nicht spielen zu lassen. Serdars Passqualität ist jedoch noch nicht ganz ausgereizt, als Zehner verlor der Juniorennationalspieler einige Bälle.

Nach einer Stunde kam Jhon Córdoba für Serdar ins Team. Der Kolumbianer spielte freilich ganz vorne, Yoshinori Muto rückte zurück auf Serdars Position. Das Spiel des Japaners änderte sich dadurch nicht wesentlich, auch als Mittelstürmer ist Muto ja kein Strafraum-Lauerer. Im flexiblen Wechselspiel mit Córdoba brachte er durchaus eine ziemliche Unordnung ins Kölner Defensivzentrum, Chancen entstanden, das zweite Tor hätte fallen können in den zwölf Minuten bis zu Mutos Auswechslung.

Sicherlich ein Gewinner der Winterpause: Danny Latza hat seinen Platz fürs Erste gegen Fabian Frei verteidigt, ist flexibler und offensivstärker geworden. Foto: imagoDer ging nämlich in der 73. Minute vom Platz und wurde abgelöst von Fabian Frei. Der Schweizer ging ins defensive Mittelfeld, nun war Danny Latza der Zehner. Und der Sommer-Neuzugang aus Bochum könnte einer der Gewinner der Winterpause sein, nachdem er schon - durch Freis Verletzung früh in die Stammelf gezwungen - in der Hinrunde die Erwartungen Einiger übertroffen hat. Latza schoss zwei der drei Mainzer Testspieltore, nämlich das 2:0 gegen den Club Brügge und mit seinem Volley-Schlenzer nach Jairos Kopfballvorlage das Siegtor gegen die Kölner. Kein Zufall - der 26-Jährige ist in der Tat ein bisschen offensiver geworden, spielte gegen die Belgier zweimal nominell neben, de facto aber versetzt vor Julian Baumgartlinger, dürfte seinen Stammplatz vorerst sicher haben. Auch weil Frei weiterhin Rückstände hat: "Er hat vor und nach Weihnachten jeweils zwei Wochen trainiert", sagte Schmidt, "läuferisch hat er aufgeholt, aber er ist noch nicht da, wo die Stammspieler sind. Er ist aber auf einem guten Weg und wir geben ihm die Zeit, die er braucht." Als Spezialist dürfte Frei dennoch von Anfang an seine Funktion haben: "Er ist gut, um ein Spiel zu sichern, Ruhe reinzubringen." Sollte es in Ingolstadt zu einer knappen Führung kommen, könnte der Schweizer der erste Einwechselspieler für die Schlussphase sein. 

Startzehner wird natürlich wieder Malli sein, sofern er nach der verletzungsbedingten Trainingspause wieder hergestellt sein wird. Muto, Jairo und Baumgartlinger vervollständigen dann den Aufbau- und Offensivbereich. Jhon Córdoba und Florian Niederlechner, beide Torvorbereiter gegen Brügge, greifen derweil die Startelf an, der Kolumbianer mit Wucht und Schnelligkeit, der Oberbayer als tief spielender Arbeiter und Ballverteiler. Muto auch mal auf den Flügel zu stellen, dürfte mittlerweile möglich sein.

Bleibt die Abwehr. Loris Karius ist natürlich unumstritten, wenn auch Gianluca Curci gegen Brügge einen guten Eindruck hinterließ (dabei allerdings den einen oder anderen Elfmeterpfiff hätte bekommen können). Die Viererkette aus dem Köln-Test, von rechts nach links besetzt mit Daniel Brosinski, Leon Balogun, Alexander Hack und Gaetan Bussmann, wird man in Ingolstadt sicherlich nicht sehen.

Vielleicht der große Gewinner der Wintervorbereitung: Alexander Hack beeindruckte in den Testspielen nicht nur seinen Trainer. Foto: imago

Daniel Brosinski hat seinen Platz am ehesten sicher. Der Rechtsverteidiger ist mehr als ein Positionsverwalter, hat seinen Vorsprung gegenüber Henrique Sereno und dem flexiblen Balogun. Bussmann dagegen zeigte auch in den Winter-Testspielen, dass man ihn grundsätzlich bringen kann, wenn Pierre Bengtsson mal fehlt, diesen aber nicht unbedingt übertrifft. "Seine Trainingsleistungen sind besser", erklärte Schmidt, "er hat jetzt viel mehr Power, das ist eine gute Grundlage für die Bundesliga. Spielerisch muss er noch nachholen. In einem Ernstkampf wird er noch strukturierter spielen." Der Franzose habe seinen Wert dank seiner Vielseitigkeit. "Wir wissen, dass er innen und außen spielen kann", sagte Schmidt. Es ist gut, wenn man so einen auf der Bank hat. Er und Leon Balogun machen jeweils zwei Positionen zu. Damit kann ich mehr Offensive auf die Bank setzen."

Innen fehlten Bungert und Bell wie erwähnt wegen gesundheitlicher Probleme; Bell spielte gegen die beiden belgischen Teams im Trainingslager insgesamt rund 90 Minuten, gegen Köln eine halbe Stunde, Bungert dagegen kam auf keine einzige Testspielminute. Balogun bot sich trotz seiner zwei, drei Fehler gegen die Kölner als Startspieler in der Innenverteidigung an, aber neben ihm spielte der, der der große Gewinner der Winterpause sein könnte: Alexander Hack. Der 22-Jährige Drittligamann, der bereits in der Hinrunde zweimal in der Bundesliga spielte (und beide Spiele gewann), entwickelte sich zu einem sehr ernsthaften Stammplatzkandidaten. Schmidt lobte nach der Partie gegen die Kölner sein "klares Verteidigungsverhalten, seine Schnelligkeit, seinen Kopfball". Auch in der Spieleröffnung zeigte der Allgäuer mit langen, präzisen Diagonalbällen eine nicht alltägliche Qualität. Bell und Hack in Ingolstadt zu sehen wäre keine große Überraschung. "Hack ist ein kompletter Spieler auf der Position", sagte Schmidt, "er macht große Schritte in Richtung Stammplatz."

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