Gute Taten als Antwort auf die Prognosen

Jörg Schneider. Mainz.
Den Saisonprognosen diverser Experten zufolge startet der FSV Mainz 05 als potenzieller Abstiegskandidat in seine insgesamt zwölfte Bundesligasaison, die am Samstag mit dem Heimspiel gegen Hannover 96 (15.30 Uhr) beginnt. Für Rouven Schröder ist dies nicht mehr als Geplänkel. „Wir wissen, was wir getan haben, wie wir uns vorbereitet haben. Wir sind überzeugt von unserem Kader. Alles andere hat uns nicht zu interessieren. Wir wollen uns belohnen für die harte Arbeit und mit Taten Antworten geben“, sagt der Sportvorstand, der zudem betonte, die Wahrscheinlichkeit tendiere gegen Null, dass der Klub zum Ende der Transferperiode noch einen Leistungsträger abgeben werde.

Glaubt man den diversen Experten oder denen, die sich als solche bezeichnen, dann steht dem FSV Mainz 05 ab diesem Samstag eine Bundesligasaison bevor, die bitter enden kann. Die Mannschaft von Sandro Schwarz, die mit dem Heimspiel gegen Hannover 96 in ihre insgesamt zwölfte Runde in der höchsten deutschen Spielklasse startet, gilt allgemein als einer der heißesten Abstiegskandidaten. Eigentlich wird nur der kommende Gegner bei den Buchmachern oder auch von verschiedenen Medien noch schlechter eingeschätzt als die 05er, für die es demnach schon ein Erfolg wäre, den 15. Tabellenplatzt aus der Vorsaison zu wiederholen. Ähnliche Prognosen gab es auch in früheren Spielzeiten schon und viele dieser Vorhersagen stützten sich damals wie heute auf offenbar äußerst profunde Kenntnisse der Mainzer Verhältnisse.

Uns von der nullfünfMixedZone haben aktuell zwei Einschätzungen am besten gefallen. Die Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ schreibt unter der Überschrift „Was spricht gegen Mainz 05?“: „Mit Yunus Malli und Jhon Cordoba haben die beiden besten Spieler den Klub verlassen. Mit dem Abstieg von Ingolstadt und Darmstadt gibt es keine Vereine mehr, die deutlich weniger Geld als die Mainzer haben. Die Stimmung ist gedrückt, weit entfernt von der Karnevals-Euphorie unter den Trainern Klopp oder Tuchel. Sandro Schwarz will von der Konter-Taktik seines Vorgängers Schmidt absehen und wieder mehr Ballbesitz wagen - eine riskante Taktik im Abstiegskampf.“ Interessant. Sehr schön ist auch der Kommentar, den die „Westfälischen Nachrichten“ den 05ern widmen: „Blues statt Narhalla-Marsch. In Mainz mussten sie schon im Vorjahr viele Feuer löschen. Weil der Bruchweg nicht mehr zur Festung taugt, wird es auch aktuell eng - aber die Rettung gelingt.“

Rouven Schröder (hier mit Stadionsprecher Klaus Hafner auf der Sommerfest-Bühne am Dom) gibt nichts auf die Prognosen diverser Experten. Foto: Jörg SchneiderGut, dass die Mainzer inzwischen in der Opel Arena spielen und es trotz allem Hoffnung gibt, dass es dem 05-Trainer gelingen kann, sein Team wie in all den Jahren zuvor seit dem Wiederaufstieg, auch in der neuen Spielzeit von einem Abstiegsplatz fernzuhalten. Rouven Schröder jedenfalls mag  auf solche Prognosen erst gar nicht aufspringen. „Alles in Ordnung. Show-Geschäft“, sagt der Sportvorstand. Jeder könne seine Meinung haben. „Wir konzentrieren uns auf uns selber. Wir bilden unsere Stärke von innen heraus“, so der 41-Jährige. „Wir wissen, was wir getan haben, wie wir uns vorbereitet haben. Wir sind überzeugt von unserem Kader. Alles andere hat uns nicht zu interessieren.“ Schröder geht wie alle 05er mit großer Motivation in die neue Runde. „Wir haben viel gearbeitet, um ordentlich dazustehen, brennen auf den Start und freuen uns, dass es endlich losgeht. Wir wollen uns belohnen für die harte Arbeit und mit Taten Antworten geben.“

Der Gegner am Samstag kommt in den Saison-Prognosen noch schlechter weg als die 05er. „Hannover 96 wird als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt. Das dürfen wir nicht an uns heranlassen“, sagt André Breitenreiter, der Trainer des Aufsteigers. „Wir haben gut gearbeitet in der Vorbereitung. Wir als Hannover 96 müssen zusammenhalten und alle gemeinsam für das Ziel zusammenstehen.“ Das Ziel hat der Coach klar definiert: „Mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben."

Sandro Schwarz erwartet in jedem Fall einen Gegner, der sehr gut organisiert ist in  der Arbeit gegen den Ball. „Sie haben in der Saison-Vorbereitung in verschiedenen Grundordnungen gespielt, haben sehr gute Umschaltstürmer, sind auch auf den Seiten gut besetzt. Es ist kein typischer Aufsteiger in dem Sinne. Sie haben einen sehr guten Kader, sind sehr gut im Spielaufbau. Da müssen wir gewappnet sein“, betont der 05-Coach. „Der Druck ist natürlich da, dem werden wir uns stellen. Wir freuen uns, dass wir die Möglichkeiten haben mit einem Heimspiel zu starten. Wenn ich die Trainingsleistung  diese Woche sehe, dann haben die Jungs noch einmal einen draufgesetzt auf das, was wir bisher schon trainiert haben. Da war viel Schärfe drin, eine große Bereitschaft Zweikämpfe zu führen.“

Der 05-Trainer hatte fast sieben Wochen Zeit seinen Kader, wie er aktuell dasteht, vorzubereiten und einzuspielen. „Das ist ein Vorteil, ist doch logisch“, sagt der 38-Jährige. „Unser Anspruch war die Qualität im Kader zu steigern. Wir haben es zudem als sehr wichtig erachtet, dass wenn ein neues Trainerteam da ist, wir früh genug die Spieler zusammen haben sollten. Wir merken, dass es ein großer Vorteil ist, dass wir von Anfang an zusammenarbeiten konnten.“

Unter normalen Umständen ist die Kaderplanung mit dem Saisonstart abgeschlossen. „Intern sind wir grundsätzlich klar, dass da keine Bewegung mehr reinkommt. Trotzdem kann man es nie ausschließen“, sagt Schröder. „Die Wahrscheinlichkeit tendiert aber gegen null, dass wir noch einen Stammspieler abgeben. Wir sind ehrgeizig, möchten das beste Ergebnis für Mainz 05 erzielen, dann steht irgendwann die Wirtschaftlichkeit definitiv nicht mehr im Vordergrund, weil es in der Kürze der verbleibenden Transferzeit schwierig wird, noch für geeigneten Ersatz zu sorgen. Das könnten wir nach außen hin keinem verkaufen.“ Im Trainingslager hatte der Sportvorstand noch angedeutet, er erwarte gegen Ende der Transferperiode, die bis zum 31. August läuft, geht, eventuell noch unmoralische Angebote für den einen oder anderen Leistungsträger. „Umso später wir über gewisse Spieler sprechen, so unmoralisch kann‘s dann schon gar nicht mehr werden“, betont Schröder, fügt aber hinzu: „Obwohl, die Summen, man weiß es ja nie…“

 

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