Gruppenphase erfordert teure Verstärkungen

Jörg Schneider. Mainz.
Das große Finale wirft seine Schatten voraus. Der FSV Mainz 05 hat am Samstag in der Coface Arena die Riesenchance, sich erstmals in seiner Geschichte für die Gruppenphase der Europaliga zu qualifizieren. Voraussetzung dafür ist mindestens ein Punktgewinn gegen Hertha BSC. Das Erreichen der Gruppenphase würde allerdings bedeuten, dass der Klub seinen Kader mit kostspieligen Verstärkungen aufstocken müsste. Martin Schmidt hat am Dienstag über die Konsequenzen im Erfolgsfall gesprochen und gleichzeitig angedeutet, dass die Chancen auf einen Einsatz von Elkin Soto in diesem Finale recht gering sind. Der Publikumsliebling kann derzeit wegen muskulärer Probleme nicht trainieren.

Dass Elkin Soto im Finale noch einmal zum Einsatz kommt, ist relativ unwahrscheinlich. Zum einen, weil die Brisanz dieser Partie keinen Raum für Experimente bietet, aber auch deshalb, weil der Kolumbianer nicht rechtzeitig in Wettkampfform gekommen ist. Derzeit kann Soto wegen muskulärer Belastungs-Probleme nicht trainieren. Foto: Jörg SchneiderStefan Bell hat am Dienstag gefehlt beim Trainingsstart des FSV Mainz 05 in die letzte Woche dieser Bundesligasaison. Der Innenverteidiger hat immer noch Probleme mit einem angeschwollenen Fuß, der kaum in den Schuh passt. Bell wird behandelt, damit der Routinier am Samstag fit ist für das große Finale in der Coface Arena. Keine guten Nachrichten gibt es unterdessen für alle Fans von Elkin Soto, die darauf hoffen, dass der Publikumsliebling nach fast einem Jahr Verletzungspause, gegen Hertha BSC noch einmal für ein paar Minuten auf dem Platz steht. Soto kann wegen muskulärer Probleme nicht trainieren. Die Hoffnungen auf einen Kurzeinsatz gegen Hertha BSC schwinden immer mehr. Zumal der Kolumbianer, der Ende Juni in seine Heimat zurückkehrt, bisher noch so gut wie keine intensive, körperbetonte Trainingseinheit mit Zweikämpfen und hartem Gegendruck absolviert hat. „Wir haben immer gesagt, es muss sportlich einen Sinn machen“, sagte Martin Schmidt. Das ist derzeit offenbar nicht der Fall. Dazu kommt, so der 05-Trainer, dass am Samstag die sportliche Qualifikation für die Gruppenphase der Europaliga vor allem stehen muss. In diesem Fall dann leider auch vor Emotionalität und einem persönlichen Schicksal. Wie es aussieht, wird auch Danny Latza aufgrund anhaltender Adduktorenprobleme das letzte Heimspiel der Saison verpassen.

Dieses Finale gegen die punktglichen Berliner, in dem es um den fünften Tabellenplatz geht, überstrahlt alles am Bruchweg. In diesem Endspiel bietet sich nicht nur die überragende Chance auf den größten Erfolg der 05-Vereinsgeschichte. Diese Partie vor eigenem Publikum entscheidet zudem darüber, ob der Verein nach seinem zehnten Bundesligajahr auch in der Personalplanung der kommenden Saison über seinen Schatten springen und erstmals neue Wege gehen muss. Denn das Erreichen der Gruppenphase würde bedeuten, dass im Sommer nicht nur wie bislang Perspektivspieler verpflichtet werden, die sich am Bruchweg in Ruhe entwickeln können. Sondern, dass der eine oder andere Neuzugang dazu kommen müsste, der die Mannschaft auf Anhieb verstärkt. Was gleichzeitig bedeuten würde, dass der Verein erheblich mehr Geld ausgeben müsste für Neuzugänge als üblich.

Martin Schmidt hat am Dienstag in der kleinen Medienrunde am Bruchweg einen Einblick in seine Gedanken zugelassen. „Wenn du durch die Qualifikationsrunde musst, kannst du ja nicht hingehen, einen Europa-League-Kader zusammenstellen und es ist womöglich im August schon vorbei“, erklärte der 05-Trainer. „Wenn du aber in der Gruppenphase bist, musst du direkt an einem Europaliga-Kader schrauben. Das heißt, der Kader muss insgesamt breiter werden, vor allen Dingen qualitativ breiter. Das heißt wiederum, der Kader muss nicht um einen Perspektivspieler unten dran breiter werden, sondern um Spieler, die oben drauf kommen. Und das bedeutet, du musst überlegen, dass du auf drei, vier Positionen Spieler holst, die bereits in der Bundesliga eine Rolle gespielt und vielleicht auch internationale Erfahrungen haben.“

Das wäre eine komplett neue Entwicklung in Mainz, die Schmidt und der neue Sportchef Rouven Schröder angehen müssten nach einem Erfolg am Samstag. Der 49-Jährige erklärte auch warum, dies so sein müsste. „Du hättest im Herbst von vornweg acht englische Wochen, zum Teil an einem Stück. Mit unserer Art und Weise, wie wir Fußball spielen, kannst du das nicht mit 15 Stammspielern bewältigen wie bisher, sondern da müsstest du 18 Stammspieler haben, um das zweigleisig fahren zu können.“ Das Ganze müsse allerdings auch marktwirtschaftlich Sinn machen. „Unser Kader, wie er jetzt da steht, mit allen Positionen doppelt besetzt, ist sicherlich ein herausragender Bundesligakader für uns im nächsten Jahr, weil man zusammen bleibt und vom ersten Training an schon an den Details arbeiten kann. Aber wenn du in der Gruppenphase wärst, ist es klar, dass der Kader angepasst werden muss.“ Der 05-Kader sei im Moment so aufgestellt, dass er so problemlos in die neue Saison und in die Euro-Quali-Runde gehen könne. „Alles andere werden wir ab Samstag wissen“, sagte Schmidt. „Wenn es die Gruppenphase wird, brauchen wir aber Verstärkungen, die auf der einen oder anderen Position auch sofort im Kader vorne dran sind. Ich rede nicht davon, dass wir zu Wolfsburg oder Leverkusen gehen, um Verstärkungen abwerben zu wollen. Es gibt aber viele Spieler, die Interesse hätten, in Mainz im internationalen Geschäft mitzuspielen und auch herkommen würden in dem Wissen, dass es hier nicht das zu verdienen gibt, was es woanders gibt. Für die Bundesliga im nächsten Jahr ist der Kader, so wie er jetzt steht, absolut top. Sollten sich die Voraussetzungen ab Samstag ändern, haben wir drei Monate Zeit etwas zu machen.“

Schmidt bestätigte, dass entsprechende Planungen nicht erst nächste Woche beginnen müssten. Das Scouting laufe schon seit geraumer Zeit. Man sei vorbereitet. Die Gruppenphase bedeute von der Einnahmenseite her durch Antrittsgeld und sechs Spiele einen größeren finanziellen Rahmen. Dennoch werde man in diesem Fall kaum daran vorbei kommen, leicht ins Risiko zu gehen. „Wenn die Chance dann da wäre, will man ja nicht abgeschossen werden.“

Wenn im Sommer alle wieder trainierten, also auch der zur Zeit verletzte Yoshinori Muto und der im Aufbautraining arbeitende Neuzugang Emil Berggreen, habe er 22 Profis. „Das reicht nicht, um Euroliga und Bundesliga spielen zu können. Du musst auf einen 24er Kader aufstocken plus drei Perspektivspieler, plus Torwart, die aus der U23 dazukommen. Ich gehe das aber sehr beruhigt an, weil wir im Moment schon einen Kader haben, der sich in der Bundesliga gut behaupten kann“, sagte Schmidt. Und zuallererst müssten ja auch am Samstag in der Coface Arena die Voraussetzungen erfüllt werden. Ein Punktgewinn gegen die Hertha würde ausreichen, um das große Ziel klarzumachen. „Es gibt keinen in der Mannschaft, der so rechnet“, erklärte der 05-Trainer. „Die Spieler wollen das jetzt alle holen, sie wollen dieses Finale unbedingt gewinnen.“

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