Gründe werden intern aufgearbeitet

Jörg Schneider. Gelsenkirchen.
Vor dem Pokalspiel am Dienstagabend zu Hause gegen Holstein Kiel ist die Personaldecke des FSV Mainz 05 auf der Innenverteidigerposition dünn geworden. Leon Balogun hat sich bei der 0:2-Niederalge in Gelsenkirchen einen Jochbeinbruch zugezogen und ist inzwischen operiert worden. Erschwerend hinzukommt, dass Stefan Bell im Moment nicht gerade in Topform spielt und auffällig viele Wackler hat in den vergangenen Wochen. Auf Schalke hatte auch Abdou Diallo seine Probleme. Niko Bungert und Alexander Hack sind noch im Aufbautraining.

Wie lange Leon Balogun ausfällt, ist noch nicht raus. Der Innenverteidiger hat jedenfalls am Freitagabend bei der 0:2-Niederlage des FSV Mainz 05 beim FC Schalke 04 einen Bruch des linken Jochbeins erlitten und sich umgehend einem rekonstruktiven Eingriff in der Unimedizin Mainz unterzogen. Wie das Ganze genau passierte, ist nicht ganz klar. Beim Eckball, der zum 2:0-Endstand führte, schien zunächst Danny Latza involviert gewesen zu sein, dessen Hand beim Abwehrversuch im Gesicht des Mitspielers war. Bilder zeigten nachher, dass wohl der Schalker Thilo Kehrer Balogun mit dem Ellenbogen erwischte. Dafür spricht, dass sich der 05-Profi bei seiner Auswechslung kurz darauf beim vierten Offiziellen heftig beschwerte.

Anscheinend hat der Schalker Thilo Kehrer beim fraglichen Eckball Leon Balogun mit dem Ellenborgen im Gesicht erwischt. Nach Baloguns Ausfall stehen den 05ern im Pokalspiel nur noch zwei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Foto: ImagoSandro Schwarz gehen nun in dieser Englischen Woche mit den zwei folgenden Spielen am Dienstagabend im Pokal gegen Holstein Kiel und dem Rhein-Main-Derby am Freitag gegen die Frankfurter Eintracht langsam die Innenverteidiger aus. Niko Bungert und Alexander Hack stecken noch immer im individuellen Aufbau-Training und dürften keine Option sein. Das bedeutet, dass Jean-Philippe Gbamin wieder hinten aushelfen müsste, wenn Stefan Bell oder Abdou Diallo nicht spielen könnten oder wenn der 05-Trainer gegen die Eintracht beispielsweise mit einer Dreier-Abwehr antreten möchte. Gbamin hat sich jedoch in den vergangenen Spielen eindrucksvoll zum Chef im zentralen Mittelfeld emporgeschwungen und war auch am Freitagabend eine der Ausnahmen im schwachen 05-Spiel.

Zum Verletzungs-Dilemma kommt hinzu, dass gerade Bell und Diallo auf Schalke nicht gerade einen sattelfesten Eindruck hinterließen, ungewohnt viele Zweikämpfe verloren, immer wieder seltsame Wackler hatten und bei den Gegentoren ebenfalls nicht sonderlich gut aussahen. Beim jungen Franzosen kann das in dessen ersten Bundesligaspielen mal passieren, beim 05-Kapitän ist die Häufigkeit der Fehler in den vergangenen Wochen schon auffallend. „Hinten haben wir uns das Leben oft selbst schwer gemacht mit komischen Ballverlusten und leider wieder ein Tor nach der Ecke bekommen“, sagte der Kapitän, der sich die Unsicherheiten selbst nicht erklären konnte. „Ich weiß nicht, woran es lag. Wir haben versucht, mit Selbstvertrauen hinten raus zu spielen. Das ist einige Male schief gegangen. Wir wollten, aber uns hat irgendwo das Gefühl gefehlt, dass es passt. Wir wollten, aber wir wussten nicht genau wie und was wir anders machen müssen.“ Bell sagte später, er habe noch nie eine Schalker Mannschaft erlebt, die dermaßen aggressiv angelaufen und gepresst habe vorne. Die 05-Abwehr hatte dagegen von Anfang an Schwierigkeiten. Auch, weil die Mainzer zu behäbig und ohne Tempo ihr Spiel von hinten heraus eröffneten.

Es waren zu viele Dinge, die bei den 05ern an diesem Abend in der Gelsenkirchener Arena nicht passten. Zu viele Dinge, die verhinderten, dass die Mannschaft in die Nähe dessen kam, was eigentlich das Ziel gewesen war: Die gute Entwicklung der vergangenen Wochen mit einer selbstbewussten Leistung auf den Platz zu bringen, dem Gegner wenigstens das Leben schwer machen und im besten Fall etwas mitzunehmen. Die Ergebnischance war immer da. Nach dem frühen Rückstand in der 13. Minute bis zum 0:2 in der 77. Minute. Und selbst danach hätte die Verwertung der Großchance von Kenan Kodro das Ganze noch einmal interessant machen können. Doch die Mainzer scheiterten an eigenen Unzulänglichkeiten, die gravierender waren als die Stärken und Qualitäten dieser Schalker Mannschaft. „Das war mal wieder so ein Lehrbeispiel dafür, dass jeder genau sehen kann, dass wir in der Bundesliga gegen solche Gegner nur was holen können, wenn wir alles abrufen an unseren Tugenden. Das heißt Leidenschaft, Kampf, einer für den anderen, alles reinwerfen, einfach brutale Wege gehen und darüber ins Spiel kommen. Darin war Schalke einfach besser. Das muss man anerkennen“, sagte René Adler nachher gereizt. Dem Torhüter war anzumerken, dass er mit diesem Auftritt höchst unzufrieden war.

Ergebnischance nicht realisiert

„Das hat Gründe, die werden wir intern aufarbeiten und versuchen, es nächstes Mal wieder besser zu machen. Gut so, dass es schon  Dienstag weiter geht. Ich mag das lieber, wenn gerade nach einer Niederlage schnell das nächste Spiel kommt“, sagte der Routinier. Gerade im Pokal seien die Tugenden, die diesmal gefehlt hätten, absolut gefragt. „Sonst wird es auch am Dienstag schwer. Das sprechen wir an und werden anders auftreten. Vieles bei uns ist im Ansatz stecken gebelieben. Das hat ja auch Gründe. Wenn du nicht bis zum Anschlag gespannt bist, spiegelt sich das im ganzen Spiel wider. Deshalb brauchen wir uns nicht hinstellen und über irgendwelche Ballbesitzzeiten und sowas zu sprechen. Wir hatten zu viele einfache Ballverluste. Aber das kommt ja auch daher, wenn man das Gefühl hat, man kommt nicht richtig in die Zweikämpfe. Das sind die Grundtugenden, die wir als erstes bringen müssen. Das hat nicht so gepasst wie in den Spielen zuvor.“ Tiefere Erklärungen dafür, warum das so war, wollte Adler nicht abgeben. „Das passiert. Wenn wir alles richtig machen würden, würden wir jedes Spiel gewinnen. Es hat seine Gründe, aber direkt nach dem Spiel und hier im Medienbereich ist weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort, um das zu besprechen.“

Die Vorstellung des eigenen Teams hatte auch den Sportvorstand angefressen. Der Gesichtsausdruck von Rouven Schröder sprach Bände. „Gefühlt war hier einfach mehr drin“, sagte der 42-Jährige. „Wir haben in vielen engen Situationen in den Zweikämpfen den Kürzeren gezogen. Uns fehlte die Überzeugung, hier was Klares herauszuspielen. Schalke hat die erste Situation genutzt zum Tor. Das müssen wir besser verteidigen, da muss Diallo den Zweikampf definitiv gewinnen. Schalke hat kontrolliert, aber das Risiko nicht gesucht. Zweite Halbzeit war es etwas besser bei uns, wir haben angedeutet, dass wir gefährlicher werden könnten. Im Endeffekt hat uns aber gerade im Spiel nach vorne definitiv der Mut gefehlt.“ Und das ärgerte den Vorstand. „Du hast hier die Chance, etwas mitzunehmen. Das musst du einfach sehen auf dem Platz. Schalke hat sich auf das Wesentliche beschränkt und war sogar etwas unruhig in der zweiten Halbzeit. Genau wie das Publikum. Da war wesentlich mehr möglich für uns. Wenn du Zweikämpfe gewinnst und Chancen erzwingst, dann wird’s hier ungemütlich. Beim zweiten Tor müssen wir den von Adler gehaltenen Kopfball klären. Zwei Leute von uns stehen da und wissen nicht, wer ihn wegschlagen soll. Das müssen wir auch besser lösen. Ich muss wirklich sagen, wir müssen insgesamt mehr tun.“

Das knappe Ergebnis habe dem Team das Gefühl geben müssen, man sei jederzeit mit einer gelungenen Aktion wieder drin im Spiel. „Mal einen Standard erzwingen, da rutscht vielleicht mal einer durch und die hast die Chance zum 1:1. Daran muss du einfach glauben und alles dafür tun. Diesen Schritt haben wir heute nicht gemacht“, sagte Schröder.

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