Goldige Punkte vor Minus-Kulisse

Jörg Schneider. Mainz.
Trotz Saison-Minusrekord mit 23.371 Zuschauern in der Opel Arena eine prächtige Fußball-Stimmung. Ein 2:0-Erfolg gegen den FC Augsburg. Den Gegner überholt in der Tabelle. 25 Punkte. Zunächst einmal Platz neun. Der FSV Mainz 05 hat dank seiner Heimstärke wieder einmal eine komplizierte Situation entschärft. „Ein Sieg gegen ein Team, das in diesem Tabellenbereich mit uns mitfightet. Das sind die goldigen Punkte, die wir holen müssen. Wenn wir diese Mannschaften schlagen, heißt das, der Abstand bleibt groß genug nach hinten“, sagte Martin Schmidt zufrieden. „Wir haben uns mit diesem Erfolg erst einmal Luft verschafft.“

Rouven Schröders Appell an die Fans, die Bitte des Sportdirektors ins Stadion zu kommen und die Mannschaft aktiv zu unterstützten in einer komplizierten und gefährlichen Tabellensituation, hat nicht groß gefruchtet. 23.371 Zuschauer kamen zum Freitagabend-Spiel in die Coface Arena. Absoluter Minusrekord in der laufenden Saison. Doch der Atmosphäre an diesem Abend hat die dünne Kulisse ganz und gar nicht geschadet, Im Gegenteil. Selten zuvor in dieser Spielzeit erlebte der FSV Mainz 05 in einem Heimspiel eine solch prächtige Fußball-Stimmung, eine solch lautstarke Unterstützung von den Rängen, ein begeisterungsfähiges Publikum, das am Ende passend zur fünften Jahreszeit in dieser Stadt zusammen mit der Mannschaft einen eminent wichtigen Erfolg feierte, der die düstere Stimmung, die Skepsis nach der hohen Niederlage in Hoffenheim mit einem Schlag vertrieb. Die Mannschaft von Martin Schmidt hat geliefert, hat wie schon so oft in der Vergangenheit eine komplizierte Tabellensituation fürs erste entschärft. Ein souveräner, nie gefährdeter 2:0-Sieg im Mittelfeldduell der Bundesliga gegen den FC Augsburg. Den direkten Konkurrenten in der Tabelle überholt. 25 Punkte. Zunächst einmal auf Platz neun geklettert. Die Welt der 05er sieht dank ihrer Heimstärke wieder etwas rosiger aus.

Großer Jubel nach dem 2:0-Sieg. Die 05-Profis bedankten sich anschließend bei ihrem Publikum, das dem Team mit prächtiger Unterstützung an diesem Abend half. Foto: Imago„Wir haben wieder unterstrichen, dass wir zu Hause sehr gerne spielen, dass wir uns hier wohlfühlen. Auch und vor allem dank des zwölften Mannes hinten dran. Die Stadt war heute da“, sagte der 05-Trainer nach dem Abpfiff aufgeräumt angesichts des optimal gelaufenen Abends. „Es hat sich so angehört, als wenn die Bude richtig voll gewesen wäre. Das war für uns sehr wichtig. Deshalb Kompliment ans Publikum, aber auch ans Team. Die Leistung heute war ein wichtiges Zeichen für die nächsten Spiele.“ Schmidt sprach von einer schwierigen Konstellation, von einem schwierigen Spiel unter den bekannten Voraussetzungen, das seine Mannschaft mit großem Willen und hoher Bereitschaft gemeistert habe. „Die Situation war schon nicht ungefährlich“, sagte der 49-Jährige. „Jetzt haben wir aber ein 2:0 gegen die Augsburger geschafft. Einen Sieg gegen ein Team, das in diesem Tabellenbereich mit uns mitfightet. Das sind die goldigen Punkte, die wir holen müssen. Die Spiele, die wir bisher gewonnen haben, waren Erfolge gegen Klubs, die um uns herum oder hinter uns stehen. Wenn wir diese Mannschaften schlagen, heißt das, der Abstand bleibt groß genug nach hinten. Je größer der Abstand nach hinten ist, desto mehr kannst du träumen.“

Von irgendwelchen Träumen sind die 05er allerdings weit entfernt nach diesem notwendigen Heimsieg. Der Trainer und dessen Profis stellen sich der Realität, wie Schmidt betonte. Die Liga lasse keine andere Einstellung zu. „Auch wenn wir manchmal von anderen Dingen träumen, auch wenn wir letztes Jahr Sechster geworden sind, bleibt es für uns dennoch elementar, uns im Mittelfeld festzukrallen, das ist immer unser grundlegendes Ziel. Es gibt aber so Momente in der Saison, in denen sich immer etwas entscheidet, in welche Richtung es geht“, so der Schweizer. „Wenn man in diesen Spielen besteht, kann man sich anderen Zielen zuwenden. Das erste Ziel bleibt für uns die 30 Punkte zu erreichen, weiterhin die wichtigen Spiele zu gewinnen. Nächste Woche steht schon wieder so eins an. Deshalb werden wir uns jetzt bestens darauf vorbereiten.“

Kommenden Samstag empfangen die Mainzer den SV Werder Bremen im nächsten Heimspiel. Da wollen und müssen die 05er nachlegen. Deshalb kommt bei Schmidt die Demut deutlich vor einer derzeit unangebrachten Euphorie. „Wir haben uns mit diesem Erfolg erstmal Luft verschafft. Wir wissen jedoch, dass es in diesem Jahr eine lange Geschichte wird. Das wird eine spannende Angelegenheit, und der Kampf wird weiter gehen bis zum 34. Spieltag. Bremen hat in Augsburg komplett unnötig verloren, die sind erstarkt. Hamburg ist erstark, Ingolstadt ist erstarkt. Gladbach, Schalke, die bleiben nie lange hinter uns, Wolfsburg. Das bleibt eine  gefährliche Konstellation.“ Umso wichtiger waren diese drei Punkte gegen den FCA. Auch fürs eigene Gefühl. „Wir haben doch diese Statistiken gehört“, so der 05-Coach: „In diesem Jahr noch nicht gewonnen, der letzte Sieg vor fünf Spielen, in den vergangenen acht Spielen nur ein Sieg. Mit diesem 2:0 sieht es jetzt schon wieder anders aus.“ Man könne das Ganze nun ins Positive drehen: In den letzten vier Spielen nur einmal verloren, fünf Punkte daraus geholt. „Das ist ein guter Schnitt, um unsere Ziele erreichen zu können. Deshalb sind die drei Punkte so wichtig.“

Einziger Makel: Die Konter in Hälfte zwei

Möglich waren die durch viel Einsatz, Kampf, guter Defensivordnung. Und auch das Spiel nach vorne war über weite Strecken besser als zuletzt, wenngleich die Chancenausbeute nicht sonderlich hoch war. Doch die 05-Profis fanden eine ganz gute Mischung im Aufbau. Einerseits mit hohen Chip-Bällen über die Augsburger Pressinglinie hinweg und mit vielen gewonnenen zweiten Bällen. Aber auch immer wieder mit Aktionen aus eigenem Ballbesitz heraus, in denen der Ball durch die eigenen Reihen nach vorne lief. „Das Team hat aber vor allen Dingen den Kampf angenommen und gezeigt, dass wir auch eine andere Mentalität haben als in Hoffenheim, wo wir diese haben vermissen lassen. Am besten sieht man das, wenn man sich die heutige Laufleistung anschaut. Wir haben am Schluss 122 Kilometer abgespult. Daran sieht man, dass wir Power haben, aber auch, dass wir das in jedem Spiel reinwerfen müssen, sonst ist es schwer, in der Bundesliga zu gewinnen. Wir müssen schlau sein, wir müssen schnell sein, müssen die wenigen Chancen in einem solchen Spiel reinmachen. Wir müssen sehr vieles richtig machen, um bestehen zu können. Das haben wir heute getan, und wenn wir so weiter machen, sind wir auf einem guten weg. Wir haben wieder zu null gesielt, das gehört auch dazu“, sagte Schmidt. Ein perfekter Konter nach einer Augsburger Ecke, die Bojan Krkic einleitete, über Jean-Philippe Gbamin, Levin Öztunali und den überragenden Jhon Cordoba, den Öztunali dann per Kopfball zum 1:0 abschloss war die Grundlage für den späteren Erfolg. „Das war ein wunderschöner Konter, ein typisches Mainz-Tor. Das freut mich am meisten“, betonte der Trainer. „In der zweiten Halbzeit wurde  der Druck des Gegners zunehmend größer. Da haben wir viel verteidigen und rennen müssen. Aber wir kamen auch zu unseren Konterchancen.“

Doch darin fand Schmidt den einzigen Makel in diesem Auftritt vor eigenem Publikum. „Die Umschaltsituationen in der zweiten Hälfte haben wir nicht gut ausgespielt, nicht aufs Tor gekriegt. Daran müssen wir noch vermehrt arbeiten. Die Arbeit gegen den Ball, die Laufleistung hat jedoch gepasst.“ Immerhin erzielten die Mainzer das 2:0 durch gedankenschnelles Handeln und Zielstrebigkeit. Daniel Brosinskis weiten Einwurf, Cordobas Antritt. Die Aktion des Mittelstürmers im Strafraum vermochte der heranstürmende FCA-Torhüter Marvin Hitz nur durch ein Foul am Kolumbianer stoppen. Jairo Samperio verwandelte den fälligen Strafstoß zum Endstand.

„Wir haben sehr konzentriert gespielt, sehr kompakt gestanden und vollkommen verdient gewonnen“, erklärte auch der 05-Sportdirktor. „Das war eine gute Reaktion der Mannschaft in dieser Situation. Sie hat sehr geschlossen agiert, nicht verkrampft gespielt und auf die Chance gelauert.   Für mich hätte es schon in der ersten Halbzeit Elfmeter geben müssen, als Bojan am Fuß erwischt wurde. Der Sieg war aber nicht gefährdet, alle Mann haben sehr gut gearbeitet. Jhon Cordoba hat ein überragendes Spiel gemacht, das muss man wirklich sagen.“ Niemand, betonte Rouven Schröder, werde nun in Euphorie verfallen. „Wir werden voll konzentriert Richtung Bremen schauen. Wir können uns aber jetzt etwas beruhigt den Spieltag ansehen, was da noch kommt.“

Manuel Baum, der neue Trainer der Augsburger, beklagte einige Defizite seiner Mannschaft. „Wir hatten uns nach dem Heimsieg gegen Bremen sehr viel vorgenommen in Mainz, wollten das alles auf den Platz bringen. Wir haben aber in der ersten Halbzeit vor allem den Mut und die Gier nach Ballverlusten vermissen lassen. Wir haben die zweiten Bälle nicht bekommen. Mainz war in diesen Situationen deutlich besser. Wir haben die ganze Woche darauf hingewiesen, dass Mainz eine richtig große Stärke hat im Kontern. So ist es dann gekommen, dass sie nach einer Ecke von uns kontern und in Führung gehen konnten. In der zweiten Halbzeit haben wir deutlich aggressiver und besser gepresst, dann kam jedoch der Elfmeter. Da haben wir halt geschlafen in der Situation bei dem Einwurf. Ich finde es trotzdem sehr unglücklich, dass der Ball, der an der Mittellinie ins Aus geht, 15 Meter weiter vorne schnell eingeworfen wird. Das haben die Mainzer clever gemacht und wir haben gepennt.“

► Alle Artikel zum Spiel gegen den FC Augsburg

► Zur Startseite