Glühwein und drei Punkte zum Abschied

Jörg Schneider. Mainz.
Das große Finale ums Weiterkommen in der Europaliga ist es bekanntlich nicht geworden. Doch der FSV Mainz 05 möchte sich heute Abend im letzten Gruppensiel mit einem Sieg in der Opel Arena gegen Qäbälä FK erhobenen Hauptes aus dem Europapokal verabschieden. Aus einem Wettbewerb, in dem die Mainzer knapp gescheitert sind, in dem der Bundesligist jedoch eine Menge Erfahrungen gesammelt hat. „Ich bin überzeugt davon, dass sich das auf unseren Job in der Bundesliga auswirken wird und dass man dies spätestens im Frühling unserer Arbeit auch ansehen wird“, sagt der Trainer.

Das späte Gegentor gegen AS Saint-Etienne im ersten Heimspiel der Gruppenphase war letztlich mitentscheidend für das Ausscheiden der 05er. Heute Abend will sich der Bundesligist nun zu Hause gegen Qäbälä FK mit einem Sieg aus dem Europapokal verabschieden. Foto: ImagoDer Klub selbst hat dieses Finale, das dann doch keines geworden ist mit einer gewissen Portion Selbstironie als das Duell um die goldene Ananas vermarktet und schaut gespannt darauf, welche Resonanz die Partie heute Abend in der Opel Arena (19 Uhr) noch findet beim eigenen Publikum. Ob dieser letzte Auftritt des FSV Mainz 05 in der Gruppenphase der Europaliga noch einmal mehr Zuschauer anlockt als die 12.000, die sich im Vorfeld mit Karten eingedeckt haben. Oder ob der rein sportlich reduzierte Wert der Partie und das Winterwetter möglicherweise sogar dazu führen, dass ein Teil jener Fans, die sich frühzeitig das Triple-Karten-Paket sicherten, doch lieber zu Hause bleibt. Das Signal, das der Bundesligist vor dieser Abschlusspartie des Mainzer Europapokal-Intermezzos aussendet, ist deutlich und lautet: Wer wegbleibt, könnte etwas verpassen. Und zwar mehr als der kostenlose, alkoholfreie Glühwein, den die 05er ihren Besuchern heute Abend spendieren.

Das Team von Martin Schmidt verabschiedet sich erhobenen Hauptes aus diesem Wettbewerb und möchte dies mit einem letzten Heimsieg gegen Qäbälä FK dokumentieren. Der Ehrgeiz im Team sei groß, nach dem 3:2-Erfolg in Aserbaidschan den Gegner nun auch zu Hause zu schlagen, sagt der Trainer. In dieser vorerst letzten Vorstellung auf dem internationalen Parkett liege noch einmal genug sportliche Herausforderung drin. Die Mannschaft hat in dieser Gruppe C bisher kein Heimspiel gewonnen, was im Endeffekt ausschlaggebend für das Scheitern in der Gruppenphase war. Die beiden 1:1-Unentschieden gegen Saint-Etienne und den RSC Anderlecht, jeweils nach eigener Führung und dominanter Spielweise, waren zu wenig, um sich nach dem Sieg in Qäbälä, der 1:6-Klatsche in Belgien und dem 0:0 in Frankreich die Chance zu bewahren, in diesem letzten Heimspiel ums Weiterkommen kämpfen zu können.  

Heute Abend geht es nun für die 05-Profis darum, zu zeigen, dass sie zu Hause doch stark genug sind, um einen internationalen Erfolg einzufahren und das Abenteuer mit einem positiven Gesamteindruck zu beenden. Mit dem zweiten Gruppensieg und dann immerhin neun Punkten aus der Runde zu gehen, sich ein gutes Gefühl zu erarbeiten und sich nach zuletzt zwei Niederlagen in der Bundesliga neues Selbstbewusstsein zu erarbeiten vor dem schweren Gang am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach. „Für uns ist das eine Partie, die uns die Möglichkeit bietet, Selbstvertrauen zu tanken“, sagt Schmidt. „Es muss ein Spiel werden, in dem wir uns neue  Power für die Bundesliga holen wollen und müssen. Wir hatten zuletzt zwei Niederlagen und dabei das Gefühl, die wären so nicht nötig und es wäre etwas mehr drin gewesen. Es gibt aber leider keine halben Punkte für gute Leistungen. Es geht einzig um das Resultat und das hat gefehlt. Das Resultat muss nun gegen Qäbälä stimmen, damit wir mit breiter Brust und voller Überzeugung nach Gladbach gehen können. Denn das ist ein sehr wichtiges Spiel nicht nur für uns, sondern für beide Seiten. Ein Eckstein in dieser Vorrunde. Die beste Vorbereitung dafür ist ein Sieg, aus dem man Kraft schöpfen kann“, erklärt der 05-Coach. „Man hat schon gesehen, dass die Mannschaft von Qäbälä Fußball spielen kann. Das haben wir ja am eigenen Leib erfahren“, sagt Fabian Frei. In Baku waren die Mainzer nach eigener Führung in Rückstand geraten, ehe Jhon Cordoba und Levin Öztunali am Ende den 3:2-Erfolg sicherten. „Wir wissen aber auch, wenn wir hundertprozentig unsere Leistung zeigen und alles abrufen, sind wir die bessere Mannschaft und haben genug Qualität, dieses Heimspiel zu gewinnen“, betont Fabian Frei.

Für die Mainzer war diese Gruppenphase in jedem Fall ein wichtiger Baustein in ihrer Entwicklung, auch wenn es nicht zum Weiterkommen gereicht hat. „Leider ist es so, dass vor dem letzten Spieltag alles klar ist. So ist es ein Spiel, vor dem wir über Erfahrungen reden können, die wir gesammelt haben, über neue Abläufe, über neue Wege, die wir gegangen sind als Mainz 05. Wir haben Erfahrungen gesammelt, auch negative. Und wir haben gesehen, dass man Erfahrungen braucht, wenn man auf diesem Niveau spielen will“, sagt der Trainer, der wichtige Erkenntnisse aus diesen internationalen Begegnungen gezogen hat. „Da sind wir schon weiter gekommen und haben uns auf den nächsten Level hochgearbeitet. Das Team arbeitet jetzt professioneller als in der letzten Saison. Ich bin überzeugt davon, dass sich das auf unseren Job in der Bundesliga auswirken wird und dass man dies spätestens im Frühling unserer Arbeit auch ansehen wird. Ich glaube schon, dass wir im nächsten Sommer ein positives Fazit ziehen können, in dem wir auf diese Erfahrungen im Herbst im internationalen Geschäft zurückgreifen können.“

Das Bewusstsein, in allen Spielen konkurrenzfähig und bis auf die Schlussphase in Anderlecht immer dran gewesen, teilweise besser als der Gegner gewesen zu sein, stärke die Mannschaft. „Wir wussten, dass es schwierig wird. Wir wissen jetzt aber auch, dass ein Weiterkommen möglich gewesen wäre“, ergänzte Frei.

Martin Schmidt würde gerne mit diesem Erfahrungsschatz die komplette Runde noch einmal spielen. Ob der Trainer dann gewisse Dinge anders machen würde? „Die Gedanken macht man sich natürlich im Nachhinein“, sagt der 49-Jährige. „Zu sagen, hätte ich besser diesen Spieler bringen sollen oder jenen, dann hätte wir vielleicht bestimmte Fehler nicht gemacht, das wäre zu einfach. Wir sind in jedes Spiel rein gegangen mit dem Ziel zu gewinnen. Was ich ein bisschen anders machen würde? Ich würde in Anderlecht in der 87. Minute nicht mehr auf alles gehen, sieben Stürmer auf dem Platz haben und nur noch zwei Verteidiger, um derart einzugehen“, sagt Schmidt. „Ich glaube, dass dieses 1:6 nicht nur geschmerzt hat sondern auch fürs ganze Selbstvertrauen nicht gut war. Trotzdem bin ich von unserer Herangehensweise überzeugt. Es hat vielleicht etwas an der fehlenden internationalen Routine gelegen. Schon im ersten Spiel gegen AS Saint-Etienne. Das Tor in der Nachspielzeit war fast schon entscheidend dafür, dass es jetzt um nichts mehr geht. Das ist das Krasse daran.“

Eine Gelegenheit bleit nun noch, den Gesamteindruck aufzupolieren und auch unter finanziellen Gesichtspunkten einen vernünftigen Abschluss zu finden. Ein Sieg gegen Qäbälä würde diese Gruppenphase alles in allem zu einer für den Klub doch lukrativen Angelegenheit werden lassen. 2,6 Millionen Euro gab es als Antrittsgeld. Die 05er holten sich darüber hinaus bisher weitere 720.000 Euro an Punktprämien. Ein Erfolg heute Abend würde weitere 360.000 Euro Prämie in die Kasse spülen. Dazu kommt später noch der bisher nicht bezifferte Anteil aus dem Vermarktungs- und Fernseh-Pool der Uefa, plus die Zuschauereinnahmen.

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