Geht's wieder ins Ausland?

Christian Karn. Mainz.
Die Saison geht nach Ostern in ihre Schlussphase. Und während Platz 1 und 2 wahrscheinlich, Platz 18 nahezu sicher feststehen, drängelt sich die Mehrheit der Bundesligisten noch bis zu sieben Spiele lang darum, wer in der Bundesliga bleiben darf und wer runter muss, wer in der Champions League spielt, wer in der Europa League, und wer eine ruhige Sommervorbereitung bekommen wird. Mit nicht mal ganz unrealistischen Chancen, den Vereinsrekord noch einmal zu verbessern, steht schon wieder auf Platz 7 der FSV Mainz 05. Die nullfünfMixedZone hat sich mal das Restprogramm der 05er und der direkten Konkurrenten angesehen.

  Früher war manches wirklich besser, zum Beispiel die Bundesligatabelle. Jeder wusste: Der Meister kommt in den Landesmeisterpokal, der Pokalsieger in den Pokalsiegerpokal (außer er ist schon Meister, dann trifft's den Finalisten) und die höchsten vier, die dann noch übrig sind, spielen im UEFA-Cup. Und hinten steigen drei ab, fertig. Zwischendrin gab's mal eine Relegation, aber die wurde nach zehn Jahren wieder abgeschafft.

Das hing übrigens mit dem Ende der DDR und der Eingliederung des ostdeutschen Fußballs in den DFB zusammen. Gerade erst hatte der DFB im April 1990 die Reduzierung der 2. Bundesliga von 20 auf 16 Vereine beschlossen - vielleicht etwas voreilig, denn schon im Februar hatte sich angedeutet, dass die Wiedervereinigung nur noch eine Frage der Zeit war, nach der DDR-Volkskammerwahl im März war sie im Grunde sicher. Und dann ging's schnell - im August wurde der 3. Oktober als Vereinigungstermin festgelegt, die DDR hatte auf Eile gedrängt, weil ihre Wirtschaft gerade zusammenbrach, und der DFB hatte schneller als erwartet die Herausforderung, nicht mehr zur gerade begonnenen Saison, aber zum Spieljahr 1991/92 hin 24 Mannschaften in eine Liga zu zwängen. Die Lösung war nicht besonders elegant; über zwei Zwölferligen mit Auf- und Abstiegsrunde und eine 24er-Liga mit sieben Absteigern (1992/93) bekam der Verband es in den Griff. Die beiden Meister der Zwölferstaffeln stiegen auf, einen zusätzlichen Relegationsteilnehmer zu ermitteln wäre möglich gewesen, aber unnötig kompliziert.

Der FSV Mainz 05 stand damals aufgrund einer gewissen Naivität des Vorstands noch 14 Tage vor Saisonbeginn ohne Zweitliga-Lizenz da, wurde ganz spät begnadigt. Europapokal spielten die 05er vielleicht bei Bundesliga Manager Professional. Inzwischen ist das Realität geworden, die Mainzer sind ein Bundesligist, gleichzeitig ein seriöses Wirtschaftsunternehmen, haben schon zehn Europapokalspiele hinter sich, das elfte und zwölfte könnten in diesem Jahr kommen.

Allerdings ist der Zugang in den internationalen Fußball nicht mehr ganz so simpel wie früher. Der DFB bemüht sich, die komplizierte Staffelung übersichtlich darzustellen und bekommt das einigermaßen gut hin. Klar ist: Meister, Vizemeister und Dritter kommen in die Champions League, der Vierte in die Qualifikationsrunde, deren Verlierer nur in der Europa League spielen wird. In diese kommen auch der DFB-Pokalsieger und die zwei höchstplatzierten Klubs, die übrig sind, im Regelfall der Fünfte und Sechste.

Ist aber der Pokalsieger über die Tabelle schon für einen der beiden europäischen Wettbewerbe qualifiziert, rückt in die Europa League nicht der unterlegene Finalist nach, sondern ein weiterer gut platzierter Bundesligist - der Siebte. Die Chance ist hoch, denn neben Werder Bremen (Platz 14) stehen die Top 3 der Bundesliga im Pokal-Halbfinale: Bayern, Dortmund und Hertha BSC. Hertha kann rein rechnerisch sogar noch absteigen, der BVB wird selbst im größten Katastrophenfall Vierter.

Vor knapp zwei Jahren schoss Shinji Okazaki (links) das Siegtor gegen Asteras Tripolis - im Rückspiel lernten die 05er Pablo de Blasis kennen. Foto: imagoDer BVB kann aber außerdem - als einziger noch vertretener deutscher Teilnehmer - die Europa League gewinnen. Kann also mit dem Pokal-Double eine dreifache Qualifikation schaffen, auf zwei verschiedenen Wegen für die Champions League und zusätzlich für den kleineren Europapokal. An dieser Stelle wird es ein bisschen kompliziert und wir warten lieber erst einmal ab, wie sich die Pokalwettbewerbe weiter entwickeln. Es ist zu früh für derlei Hirnverzwirner. Der DFB kennt jedenfalls jeweils sieben Fallbeispiele für die Qualifikationen, viermal ist der Tabellensiebte dabei.

Das ist momentan Mainz 05 mit beachtlichen 41 Punkten aus 27 Spielen - elf andere Bundesligisten hätten diese Punktzahl auch gerne. Sieben Spieltage stehen noch bevor, 21 Punkte sind zu vergeben. Meister und Vizemeister werden die 05er demnach nicht mehr, auch nicht mehr Letzter. Der direkte Abstieg als Vorletzter ist bei nur 14 Punkten Vorsprung theoretisch noch drin, die direkte Qualifikation für die Champions League bei nur sieben Punkten Rückstand wahrscheinlicher. Noch wahrscheinlicher wird es aber auf eine Platzierung auf Rang 4, 5, 6, 7 oder 8 hinauslaufen; der 1. FC Köln als Neunter soll den Acht-Punkte-Rückstand erst einmal wettmachen. Sehen Sie oben links die Situation und das Programm der 05er und ihrer vier direkten Konkurrenten.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite