Fünf Profis müssen zu Hause bleiben

Jörg Schneider. Mainz.
Sieben Testspiele hat der FSV Mainz 05 absolviert, um sich möglichst optimal auf die neue Saison vorzubereiten. Jetzt wird es ernst. Der Bundesligist muss am Samstag (15.30 Uhr) die erste Hürde nehmen im DFB-Pokal und reist mit der klaren Absicht zum Tabellenführer der Regionalliga Nord, seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Sandro Schwarz steht nicht nur vor seinem ersten Pflichtspiel, der Cheftrainer muss zuvor aus einem bislang sehr homogen wirkenden Kader von 21 Feldspielern 16 Profis auswählen für die Partie beim Lüneburger SK. Da wird es die ersten Härtefälle geben. „Wir wollten ja diesen harten Konkurrenzkampf. Da werden wir uns jetzt nicht beschweren, dass die Entscheidung so schwierig ist“, sagte Schwarz am Donnerstag.

Knapp sechs Wochen nach dem Start der Sommer-Vorbereitung ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sandro Schwarz und dessen Bundesligakader erstmals Farbe bekennen müssen. Erste Runde im DFB-Pokal, auswärts beim aktuellen Tabellenführer der Regionalliga Nord. Eine Woche vor dem Start in die Liga zu Hause gegen Hannover 96 wartet ein unterklassiger Gegner als Prüfung, die der FSV bestehen muss. Eine Aufgabe, die der Trainer des FSV Mainz 05 erfolgreich zu bewältigen gedenkt. Auch wenn diese erste Pokalrunde als erstes Pflichtspiel der neuen Spielzeit für die Favoriten traditionell eine besonderen Herausforderung darstellt. „Es ist in der Tat so, dass der unterklassige Gegner über sich hinauswachsen kann, das ist auch gut so. In allererster Linie kommt es aber darauf an, was der Favorit an Leistungsbereitschaft an den Tag legt. Wir wissen, dass es an uns liegt. Wenn wir das Maximale aus uns herausholen, werden wir das Spiel gewinnen“, sagte Schwarz am Donnerstag in der Pressekonferenz.

Für den 38-Jährigen ist die Partie am Samstag um 15.30 Uhr im Lüneburger Stadion an den Sülzwiesen nun das erste Pflichtspiel als 05-Trainer. Dass sich bei ihm im Vorfeld Anspannung und Vorfreude die Waage halten, daraus macht der Coach keinen Hehl. „Es ist nicht alles so wie sonst“, sagt Schwarz. „Ich freue mich riesig auf dieses Spiel, mir geht’s auch sehr gut, aber die Anspannung ist da. Ich denke, das ist auch normal. Das gehört dazu und ich persönlich brauche das auch, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Gut gelaunt präsentierte sich Sandro Schwarz in seiner ersten Pflichtspiel-Pressekonferenz. Der 05-Trainer hat nicht vor sein Debüt mit den 05-Profis im DFB-Pokalspiel in Lüneburg zu verlieren. Foto: Jörg SchneiderSchwarz möchte sich nicht einreihen unter den 05-Trainern, die in den vergangenen Jahren ein Ausscheiden in der ersten Runde zu verantworten hatten. Jürgen Klopp im Jahr 2006 mit einer 0:1-Niederlage in Saarbrücken, Jörn Andersen 2009 mit einem 1:2 in Lübeck und Kasper Hjulmand 2014 mit dem unvergessenen 5:5 in Chemnitz und dem Aus nach Elfmeterschießen. Insgesamt zehnmal sind die Mainzer ansonsten seit dem ersten Bundesligaaufstieg über die erste Runde gekommen. Auch wenn’s bisweilen schwer fiel. Das größere Mainzer Problem im Pokal war die zweite Runde. Da gab‘s in der jüngeren Vergangenheit sechs Pleiten. In Lüneburg geht’s nicht darum, sich einen Schönheitspreis zu verdienen. Auch diese Partie dürfte zum jetzigen Entwicklungsstand der neuen Mannschaft Phasen zeigen, in denen nicht alles Wunsch läuft. Hinfahren. Gewinnen. Fertig. Das muss das Ziel sein. Egal, was der unterklassige Gegner auch immer in die Waagschale werfen mag.

„Der Pokal ist ein sehr lukrativer Wettbewerb“, betont der Trainer. „Mit relativ wenigen Spielen kann man sehr viel erreichen und eine besondere Atmosphäre im Klub herstellen. Wir betrachten den Pokal als einen sehr wichtigen Wettbewerb.“ Für den Sportvorstand stehen dabei zwei Dinge im Vordergrund. „Du kannst wirtschaftlich gute Einnahmen generieren und du kannst Zeichen setzen, das Umfeld und die Fans direkt mit reinnehmen und emotionalisieren. Am Samstag beginnt dieses Kapitel, und wir sollten es am besten erfolgreich gestalten“, betont Rouven Schröder.

Der Favoritenrolle gerecht werden

Die 05er sehen sich in der Lage, ihrer Favoritenrolle in Lüneburg gerecht zu werden. Die Mannschaft habe vom ersten Testspiel an in diesem Sommer eine stetige Weiterentwicklung genommen. Vor allem was die Arbeit gegen den Ball und das Verteidigungsverhalten angeht, ist Schwarz mit dem aktuellen Leistungsstand sehr zufrieden. „Die Jungs geben mir ein gutes Gefühl, dass es losgehen kann. Wir sind bereit, Spiele zu gewinnen“, sagt der Trainer. „Es wird auch echt Zeit, dass es losgeht. Wir haben sieben Vorbereitungsspiele absolviert, haben jedes einzelne Spiel und viele Trainingseinheiten ausgiebig analysiert und bis ins Kleinste aufgearbeitet. Jetzt haben wir großen Bock darauf, das Ganze einfach auf den Platz zu bringen.“ In dieser Woche haben die 05er im Training nochmal intensiv am Bespielen eines tiefstehenden und auf Konter lauernden Gegners gearbeitet, haben verstärkt Torabschlüsse und Standards trainiert. Schon unter der Woche hatte der 05-Trainer erklärt, er wisse, wo die Mannschaft stehe. Mit diesem Level sei er zufrieden zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung, die ja mit dem Pokalspiel nicht gänzlich abgeschlossen ist. Danach bleibt ja noch eine Trainingswoche bis zum Bundesligastart. „Wir haben sehr gut gearbeitet, haben große Fortschritte gemacht. Das ist das Wichtigste, was wir mitnehmen im Gepäck.“

Spannend ist in jedem Fall die Frage, welche Spieler Schwarz in seinen 18er-Kader für diese Partie beruft. Die zwei Torhüter sind klar: René Adler und Robin Zentner. Bei den Feldspielern gibt’s noch bei zwei Profis Fragezeichen wegen Verletzung und Krankheit. Bei Gerrit Holtmann (Pferdekuss am Oberschenkel im Testspiel gegen Enschede) und Levin Öztunali (Magen-Darm-Grippe) muss das Abschlusstraining zeigen, ob es reicht für einen Einsatz. Jannik Huth, Florian Müller, Jean-Philippe Gbamin, Alexander Hack und Marin Sverko stehen wegen Verletzung noch nicht zur Verfügung. Sollten Öztunali und Holtmann einsatzbereit sein, verfügt der 05-Trainer über 21 gesunde Feldspieler. 16 davon kann Schwarz nominieren. Das bedeutet, dass fünf Profis, die sich Hoffnungen gemacht haben, zu Hause bleiben. „Das wird eine sehr schwierige Entscheidung“, sagt der Trainer. „Weil sich alle auf einem guten Niveau bewegt haben bisher. Doch genau das wollten wir ja. Wir wollten diesen harten Konkurrenzkampf. Da werden wir uns jetzt nicht beschweren, dass die Entscheidung so schwierig ist. Das gehört schließlich auch dazu, dass der Einzelne, den es betrifft, damit richtig umgeht und sich dann ab Sonntag wieder fürs erste Bundesligaspiel anbietet.“

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