Freigestellt, kein neuer Vertrag - Jairo sucht Klub

Jörg Schneider. Mainz.
Der Wechsel von Jairo Samperio zu Hannover 96 ist bekanntlich am Mittwoch geplatzt. Offenbar wegen einer überhöhten Provisionsforderung des Agenten des Profis vom FSV Mainz 05. Am Donnerstag beschrieb Rouven Schröder die Folgen für den Spanier: „Fakt ist, Jairo ist nicht gewechselt. Das hat zur Folge, dass wir ihn ab sofort bis zum 31. August als Spieler freistellen. Dass wir die Konsequenz daraus ziehen und Jairo die Möglichkeit hat, sich einen neuen Verein zu suchen. Wenn wir kein adäquates Angebot bekommen für ihn, dann wird er ganz normal bei uns bleiben. Wir verschenken den Spieler nicht.“ Die Möglichkeit, dass der Stürmer seinen bis zum Saisonende laufenden Vertrag in Mainz verlängert, schließt der Sportvorstand definitiv aus.

Bis zum Ende der Transferperiode freigestellt: Jairo Samperio muss sich einen neuen Verein suchen. Foto: Jörg SchneiderDass der Wechsel eines Profi-Fußballers nicht zustande kommt, weil sich der abgebende und der aufnehmende verein nicht über die Konditionen einig werden, geschieht immer wieder. Auch dass der Spieler und der interessierte Klub finanziell nicht zufriedenstellend klarkommen und irgendwann die Finger von einander lassen, ist Normalität. Dass jedoch ein möglicher Transfer, in dem ansonsten alles besprochen und geregelt ist, daran scheitert, dass dem aufnehmenden Verein die geforderte Provision des Spielerberaters letztlich zu hoch ist, kommt nicht so häufig vor. Zumindest erfährt die Öffentlichkeit so etwas selten. Wenn es denn stimmen sollte.

Die Klarheit, mit der Horst Heldt, der Sportdirektor von Hannover 96, den Transfer von Jairo Samperio zum Aufsteiger für gescheitert erklärte, lässt jedoch darauf schließen, dass da von Beraterseite offenbar eine Grenze überschritten worden ist. „Es ist sehr schade, wir hätten den Spieler gern unter Vertrag genommen. Allerdings hat sein Berater Christian Wein von der Agentur Promoesport, obwohl wir ihm ein branchenübliches Angebot unterbreitet haben, seine eigenen Interessen mit übertriebenen Forderungen über die der Vereine und seines Spielers gestellt", erklärte Heldt und schob dem Ganzen einen Riegel vor. Jairo war am späten Dienstagabend nach Hannover gereist, sollte am Mittwochmorgen den obligatorischen Medizincheck absolvieren und am Nachmittag mit seiner neuen Mannschaft erstmals trainieren. Dazu ist es nun bekanntlich nicht gekommen.

„Es wäre eine gute Lösung gewesen. Wir haben sehr akribisch und inhaltlich gut gearbeitet. Es gab vertrauensvolle Gespräche mit Hannover 96. Wir haben Einigung mit 96 erzielt, zwischen den Vereinen war es geregelt. Alle anderen Gespräche haben uns nicht zu interessieren. Das ist eine Situation zwischen Hannover 96 und dem Spieler, der mit seinem Agenten die Gespräche führt. Ich habe dann erfahren, dass es Probleme gibt. Schwierig ist es, wenn eine zweite Partei dazukommt, sprich Agent und Spieler und es gibt eine andere Meinung dazu“, sagte Rouven Schröder am Donnerstagmittag in der Pressekonferenz der 05er. „Der Transfer hat im Endeffekt nicht funktioniert. Das haben wir zu akzeptieren und trotzdem ist es für alle Beteiligten schade.“

Alles andere als glücklich über die Jairo-Geschichte: Sportvorstand Rouven Schröder am Donnerstag. Foto: Jörg SchneiderOb es letztlich die überhöhten Forderungen des Beraters ausschlaggebend waren, wollte der 05-Sportvorstand nicht klar kommentieren, deutet es nur an. „Wir waren nicht dabei. Das kann nur Horst Heldt beantworten, wie die Gespräche waren. Er wird seine Gründe gehabt haben“, sagt Schröder, fügt aber hinzu: „Es ist sehr selten, dass es öffentlich so klar positioniert dargebracht worden ist.“ Das lässt darauf schließen, dass der Einfluss eines Beraters in diesem speziellen Fall tatsächlich eine neue Qualität erreicht hat. „Bei einem Eins-plus-Spieler mit 45 Sternchen ist man bereit, gewisse Kompromisse einzugehen. Und bei manchen anderen ist dann auch irgendwann Schluss. Ein Agent ist ein wichtiger Faktor bei einem Spieler. Es ist ein gewisses Vertrauensverhältnis da. Der Agent hat für den Spieler gesprochen. Wenn er es nicht möchte, kann er es blockieren“, sagt der 41-Jährige. „Fakt ist, dieser Transfer hat nicht stattgefunden und es gab eine klare Aussage von Heldt dazu in der Öffentlichkeit.“

Für Jairo hat die Geschichte nun Folgen. „Für uns war klar, dass wir das Gespräch mit Jairo nochmal suchen, um die Situation aufzuarbeiten“, sagt Schröder. Der Sportvorstand besuchte den Spanier noch am Mittwochabend zu Hause in Mainz und führte dort ein klärendes Gespräch mit dem Spieler und dessen Agentur. „Um einfach mal die andere Seite zu hören. Nicht um den Schuldigen zu finden, sondern um die Dinge aufzuarbeiten. Wir arbeiten jeden Tag hart für unseren Verein und unsere Interessen. Wir haben uns das anders vorgestellt und haben das auch deutlich dem Spieler gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass wir das in der Form nicht gut finden“, berichtet der 41-Jährige und stellt klar: „Jairo ist nicht gewechselt. Das hat zur Folge, dass wir ihn ab sofort als Spieler freistellen. Dass wir die Konsequenz daraus ziehen und Jairo bis zum 31. August die Möglichkeit geben, sich zu sammeln und zu orientieren und sich einen neuen Verein  zu suchen. Aber mit einem ganz klaren Hinweis.“

Dass der Transfer gescheitert sei, bedeute nämlich nicht, dass der Spieler jetzt dadurch günstiger werde. „Wir haben die Interessen des Vereins zu vertreten. Wirtschaftlich können wir uns das leisten, uns den Spieler leisten und Jairo ist ein Spieler mit einem gewissen Potenzial. Wenn wir kein adäquates Angebot bekommen für ihn, dann wird er ganz normal bei uns bleiben. Wir verschenken den Spieler nicht.“ Im Klartext heißt das: Findet Jairo keinen Verein, der den von Mainz 05 geforderten Preis bezahlt, sitzt der 24-Jährige seinen bis Saisonende laufenden Vertrag in Mainz ab. Notfalls auf der Tribüne. „Freigestellt heißt, er wird nicht trainieren, er kann sich frei auf die Suche nach einem Klub begeben. Trotzdem muss ein Wechsel vom Marktwert her passen, da sind wir konsequent“, betont Schröder. Ob Hannover 96 bereit wäre, den Spanier doch noch zu verpflichten, sollte bei Jairos Agentur ein Umdenkungsprozess einsetzen, ist derzeit nicht bekannt.

Klar ist unterdessen aber auch, die im Sommer angedachte und dem Spieler unterbreitete mögliche Vertragsverlängerung beim Bundesligisten ist hinfällig. Auf die Frage, ob die Chance noch bestehe, mit dem Stürmer über diese Saison hinaus zusammenzuarbeiten, erklärte Schröder kategorisch:  „Definitiv nein.“ Die schwachen Leistungen in der Vorbereitung und nun die unrühmliche Wechselgeschichte haben dazu geführt, dass Jairo am Bruchweg keine Zukunft mehr hat. Dass diese neue Situation auch Auswirkungen auf José Rodriguez hat, der von derselben Spielerberatungsfirma vertreten wird, will Schröder indes nicht bestätigen. „Ich bin ein großer Freund davon, dass man die Dinge trennt“, sagt der Sportvorstand.

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