Frei: „Ich weiß, was verlangt wird“

Jörg Schneider. Marbella.
Fabian Frei hat ein klares Ziel vor Augen. Der Schweizer Nationalspieler, der am Freitag im Trainingslager in Marbella seinen 27. Geburtstag feierte, möchte am 23. Januar im ersten Rückrunden-Spiel des FSV Mainz 05 in der Bundesliga auflaufen. Nach einer viermonatigen Pause wegen eines Sehnenabrisses greift der Sechser im Trainingslager in Spanien voll an, um sich seinen Platz im Mittelfeld zurückzuholen. „Ich möchte natürlich in Ingolstadt in der Startelf stehen. Wenn’s dafür nicht reichen sollte, wird das seine Gründe haben“, sagt er.

Ein Törtchen zum 27. Geburtstag: Statt einer Party gibt's für Fabian Frei Comeback-Maloche. Foto: Jörg Schneider Zur Feier des Tages gab es eine anstrengende Trainingseinheit und später ein Törtchen mit Kerze zum ausblasen von Pressesprecherin Silke Bannick. Auf das obligatorische Ständchen haben die Beteiligten einvernehmlich verzichten – zur Schonung der anderen Gäste. Fabian Frei hat im Trainingslager des FSV Mainz 05 am Freitag seinen 27. Geburtstag gefeiert. Die Party ist aufgeschoben. Bis Montag wartet auf den Schweizer Nationalspieler noch eine Menge Arbeit auf dem Fußballplatz. Der Mittelfeldspieler des Bundesligisten sitzt jedoch völlig entspannt beim Pressetermin auf der sonnigen Terrasse des Teamhotels in Marbella. Der Mann wirkt mit sich selbst und der Welt zufrieden.

„Es ist einfach schön, wieder die Zeit mit dem Team zu verbringen, wieder voll dabei zu sein im Training, denn das ist es, was man während einer langen Verletzung am meisten vermisst.“ Vier Monate lang hat der im Sommer aus Basel gekommene Mittelfeldspieler seine Kollegen meist nur von weitem bei der Arbeit beobachten können, hat bei den Heimspielen auf der Tribüne gesessen. Drei Bundesliga-Einsätze, dann war Schluss für den Neuzugang. Beim 3:0 in der Coface Arena gegen Hannover 96 musste der Sechser verletzt raus. Ein schwieriger Teilabriss der Sehne im rechten Oberschenkel setzte den für eine Ablöse von 3,5 Millionen Euro eingekauften Nationalspieler für den Rest der Vorrunde außer Gefecht. Die schwerste Verletzung in Freis bisheriger Karriere. Danny Latza übernahm den Job des Schweizers und ersetzte den Kollegen so gut, dass Frei nun hart kämpfen muss, um sich die Position zurückzuholen. „Das ist normal. Wir verstehen uns gut. Wir alle innerhalb der Mannschaft. Das behindert nicht den Konkurrenzkampf, der ist immer da“, sagt der Spieler. „Man probiert im Training alles zu tun, damit der Trainer einen aufstellt. Wenn nicht, dann gilt es noch härter weiterzuarbeiten, damit der Trainer nicht an einem vorbeikommt“, lautet Freis Philosophie.

„Wenn ich nicht spiele, dann kann ich nur wütend auf mich selbst oder den Trainer sein, aber nicht auf den Kollegen, der ja selbst auch spielen will und alles dafür tut.“ In einer funktionierenden Teamgruppe sei so etwas kein Problem. Da gehe keiner ins Training, um sich einen Konkurrenten zu schnappen oder körperlich zu attackieren oder so etwas.

Zwei Startelf-Kandidaten auf der Doppelsechs im direkten Duell: Fabian Frei (rechts) und dessen Amts-Nachfolger Danny Latza. Foto: Jörg Schneider Freis Ziel war es, vor Weihnachten noch ein Spiel zu bestreiten. Das hat nicht geklappt, obwohl der Schweizer da schon wieder komplett fit im Mannschafstraining stand. Jetzt hat er weitere intensive Einheiten hinter sich und nimmt einen neuen Anlauf. Das Engagement im Training signalisiert den Ehrgeiz schnellstmöglich wieder dabei zu sein. Fabian Frei  freut sich nun zunächst auf die Testspiele gegen Standard Lüttich und den FC Brügge, die die 05er am Wochenende in Marbella bestreiten. „Nach so langer Zeit mal wieder in einem Spiel auf den Platz zu stehen, da freut man sich ganz besonders drauf“, sagt der 27-Jährige, der seine Ziele klar formuliert: „In der Vorbereitung trainiert man dafür, um im ersten Spiel dabei zu sein. Ich möchte natürlich in Ingolstadt in der Startelf stehen. Wenn’s dafür nicht reichen sollte, wird das seine Gründe haben.“

Körperlich, sagt der 05-Profi, sei er bei 100 Prozent. Was noch fehlt, ist natürlich die Wettkampfpraxis, die Wettkampfhärte  nach der langen Zwangspause. „Nach vier Monaten ohne Spiel ist das Selbstvertrauen und sind die Abläufe im Spiel noch nicht auf Top-Niveau, aber ich arbeite dran und bin positiv gestimmt.“ Die Mannschaft habe ihn unterstützte in der Verletzungsphase. Das habe gut getan. Im Moment versuche er, im Training das zu machen, was er könne, um wieder dabei zu sein. „Ich bin geholt worden, weil ich gewisse Dinge kann. Das muss ich umsetzen und auf dem Platz zeigen.“

Über Freis Interpretation der Position auf der Doppelsechs ist viel diskutiert worden. Da gab’s Licht und Schatten in der Saison-Anfangsphase. Vor allen Dingen im Defensivverhalten. Der Schweizer ist nicht die Kampfmaschine wie sein österreichischer Nebenmann Julian Baumgartlinger, der rennt, Löcher stopft, Zweikämpfe führt und das Spiel ankurbelt. Frei bezeichnet sich selbst als „offensiven Sechser, der lieber den Ball hat als der Kugel hinterherzulaufen. Ich bin vielleicht nicht der typische Sechser wie man ihn kennt.“ Doch rennen und Zweikämpfe führen, das sei auch für ihn kein Problem. Er bemühe sich jedoch ständig, sich ans Spiel der Mannschaft anzupassen. „Ich weiß was verlangt wird und woran ich arbeiten muss“, sagt Frei.

„Ich denke, ich bin ein Spieler, der ein Spiel gut lesen, leiten, organisieren und einen ordentlichen Pass spielen kann.“ In Marbella arbeiten die 05er viel am eigenen Ballbesitz, wollen variabler werden und nicht nur das reine Umschalt- und Konterteam sein. „Wenn‘s nach mir geht, möchte ich, dass wir noch ein bisschen mehr Akzente setzen können mit dem Ball. Im Umschalten sind wir schon sehr gut, aber wir brauchen noch mehr Qualität und Ruhe im Ballbesitz, um schwerer ausrechenbar zu sein. Das weiß die ganze Mannschaft, dass wir da noch Verbesserungs-Potenzial haben“, sagt der Mittelfeldspieler.  

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