Frei: „Der Sieg sollte uns Mumm geben“

Jörg Schneider. Mainz.
Am Dienstagnachmittag steht noch ein öffentliches Training am Bruchweg auf dem Programm. Am Mittwoch startet der FSV Mainz 05 zum vorletzten Gruppenspiel der Europaliga-Gruppe C, das der Bundesligist am Donnerstagabend bei AS Saint-Etienne auf keinen Fall verlieren darf, um seine Europapokal-Ambitionen nicht vorzeitig begraben zu müssen. „Für uns ist das ein echtes Finalspiel“, betont 05-Trainer Martin Schmidt. Die Mannschaft werde alles versuchen, um dort erfolgreich abzuschneiden.

Um 16 Uhr heute Nachmittag steht das letzte öffentliche Training auf dem Dienstplan der Profis des FSV Mainz 05, bevor das Team aufbricht zu seinen intensiven Reisetagen mit zwei wichtigen Spielen. Am Mittwoch geht der Flieger nach Südfrankreich, wo die 05er am Donnerstagabend (21.05 Uhr) bei AS Saint-Etienne um ihre Chance kämpfen, noch die K.o.-Runden in der Europaliga zu erreichen. Am Freitagmittag geht’s zurück. Am Samstag wartet dann schon wieder das Flugzeug nach Berlin, wo am Sonntag das schwere Bundesliga-Auswärtsspiel bei Hertha BSC ansteht.

Die Ausgangslage in der Gruppe C der Europa League ist klar: Für den Fall einer Niederlage bei AS Saint-Etienne enden die Europapokal-Ambitionen des FSV Mainz 05 schon in dieser Woche. Bei einem Sieg ist die Chance auf die nächste Runde da, und sogar bei einem Unentschieden bleibt die Tür noch einen Spalt offen. Allerdings nur, wenn das Remis höher als 1:1 ausfällt. Höher also, als das Unentschieden im Hinspiel in Mainz. Die 05er stehen aktuell mit fünf Punkten auf Platz drei hinter dem RSC Anderlecht und den Franzosen, die jeweils acht Zähler gesammelt haben. Das Team von Martin Schmidt muss beim Tabellenneunten der ersten französischen Liga, der am Wochenende gegen Nizza seine erste Heimniederlage kassierte, auf Sieg spielen, um sich im letzten Gruppenspiel gegen Qäbälä eine realistische Chance aufs Weiterkommen zu bewahren. „Für uns ist das ein echtes Finalspiel“, betont der 05-Trainer. Die Mannschaft werde alles versuchen, um dort erfolgreich abzuschneiden.

Die Defensive des FSV Mainz 05 muss sich in Saint-Etienne darauf einstellen, viele hohe Bälle verteidigen, viele Kopfballduelle führen zu müssen. Foto: Ekkie VeyhelmannDer jüngste 4:2-Erfolg zu Hause gegen den SC Freiburg dürfte dabei als moralische Unterstützung behilflich sein. Die 05er haben in dieser turbulenten Partie die Nerven behalten, trotz heftiger Freiburger Gegenwehr nach den Anschlusstoren jeweils noch einen Treffer draufgepackt, sind nicht eingeknickt und haben ihrem Konto drei wichtige Zähler zugefügt. „Diese drei Punkte mussten auf den Tisch, um den Anschluss ans vordere Mittelfeld zu halten“, sagte Schmidt nachher erleichtert. „Wir haben den hart erarbeiteten Vorsprung über die Zeit gebracht und am Ende noch ein viertes Tor gemacht. Das sollte uns Mumm geben“, fügte Fabian Frei hinzu. Die Basis für den Erfolg gegen den spielstarken Aufsteiger legten die 05er mit ihrer Stärke in den Standardsituationen. Vor allen Dingen die beiden Kopfballtore der Innenverteidiger nach Eckbällen zeugten von der Luft-Überlegenheit der Mainzer. Dass die auch in Saint-Etienne gegeben ist, davon darf man nicht unbedingt ausgehen. „Gegen Freiburg waren wir in der Übergröße. Das ist aber fast das einzige Team, dem wir größenmäßig überlegen sind. In Frankreich wird das wahrscheinlich anders sein“, sagt Schmidt.

„Wir wissen es ja noch vom Hinspiel. Saint-Etienne ist ein Team, das viel mit langen Bällen operiert, eine gute Flügelposition hat und gezielt mit Flanken aus dem Halbfeld heraus in die Box arbeitet. Man muss sich nur an das Gegentor erinnern. Das ist ihre Art und Weise, wie sie gerne spielen.“ Deshalb muss am Donnerstag die 05-Defensive stimmen. „Wir brauchen eine gute Verteidigung auf den Außenbahnen, müssen vorne hoch, gut und gezielt anlaufen und natürlich auf die hohen Bälle mit guten Leuten aufmerksam reagieren. Da sind wir stark gefordert“, so der Trainer. Auf diesen Inhalten liegt auch der Fokus in der Vorbereitung auf diese Partie.

Eine entscheidende Rolle wird am Donnerstagabend zudem das zentrale Mittelfeld einnehmen. Da hat sich Fabian Frei nach längerer Verletzungspause zurückgemeldet und gibt der Doppelsechs mehr Sicherheit. Gut möglich, dass Schmidt in Frankreich den Schweizer zusammen mit André Ramalho ins Rennen schickt und Jean-Philippe Gbamin eine Pause gönnt. Der Franzose wirkte nach den vielen intensiven Einsätzen zuletzt doch etwas überspielt. „Ich war mega happy wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte Frei nach dem Freiburg-Erfolg. „Dass es 90 Minuten reicht ohne Schmerzen, hätte ich gar nicht gedacht. Deswegen bin ich zweimal mega happy und dreimal mega happy, dass wir diesen Sieg geholt haben.“

Freis strategische Fähigkeiten, neben dessen Stärken in der Balleroberung, werden in dieser Partie dringend benötigt, um das Spiel zu ordnen und eigene Angriffe einzuleiten. Gegen Freiburg erkannte Frei in der zweiten Halbzeit die Zeichen und gab seinem Coach mehrfach das Signal, taktisch umzustellen und einen dritten Sechser einzuwechseln. Weil die beiden Sechser gegen die Spielverlagerung des Gegners immer weniger Zugriff hatten.  Schmidt reagierte prompt, brachte Ramalho. „Wir haben das auf dem Platz besprochen und gemerkt, dass die Mitte unter Druck war in der vorletzten Linie“, erklärte Frei später seine taktischen Änderungswünsche. „Deren Außen sind eingerückt, da sind unsere Flügel gar nicht zum Verteidigen gekommen. Deshalb haben wir das nach außen signalisiert. So soll’s ja auch sein. Es ist ja nicht so, dass wir Spieler entscheiden, was man machen muss, aber wir stehen auf dem Platz und sehen es, da kann man ja mit dem Trainer im Austausch sein“, betonte der 27-Jährige. „Und es hat ja auch funktioniert. Sie hatten da vorher immer eine Überzahl. Danach waren es eigentlich nur noch die langen Bälle, die gefährlich wurden.“

Der erfahrene Mittelfeldspieler sieht sich da auch in der Verantwortung. „Es ist schon so, dass ich taktisch auch was verstehe und beobachte. Man muss das aber nicht so hoch hängen. Das war in Absprache mit der Innenverteidigung und Gbamin neben mir. Wenn der Trainer der Meinung ist, dass wir besser nicht wechseln, wird das doch akzeptiert. Er ist der Chef“, sagt Frei.

„Fabian ist einer, der das mit Bedacht macht. Er spielt sehr schlau und gut organisiert. Wenn ich ihn auf dem Platz habe, habe ich immer eine gute, stabile Ordnung. Wir haben dann umgestellt auf ein 4-3-3, später noch auf ein 5-3-2. Wichtig war, dass wir da den dritten Sechser reingenommen haben, um die Halbfelder besser zu schließen und das Ganze etwas besser zu verdichten“ erklärte der Trainer. Im Endeffekt benötigte die Mannschaft jedoch etwas Glück, vor allem aber die Rettungstat von Torhüter Jonas Lössl, um den Vorsprung zu halten. „Wir haben oft drüber geredet, dass du dir das Glück erkämpfen musst“, sagt der 05-Trainer. „Das haben wir getan. Du musst das Quäntchen Glück auf deine Seite ziehen, im richtigen Moment ein Tor erzielen. Dafür haben wir viel gemacht, sind viel gerannt, haben dagegen gehalten und verteidigt bis hinten raus. Deshalb haben wir uns gegen Freiburg das erzwungen, was wir zuletzt nicht gemacht haben.“

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