Feinschliff mit Druck auf dem Kessel

Jörg Schneider. Mainz.
Seit heute Mittag ist die Hochbelastungsphase in der Saisonvorbereitung beim FSV Mainz 05 endgültig vorbei. Nach dem abschließenden 5:0-Sieg am Bruchweg gegen Rot-Weiß Erfurt und den nachfolgenden Trainingseinheiten geht’s beim Bundesligisten nun um den Feinschliff, um die Form fürs erste Pflichtspiel am Sonntag im DFB-Pokal in Unterhaching. Und natürlich um die einzelnen Positionen. „Jetzt kommt die Phase, in der wir die Schlüsse aus allem ziehen“, sagt Martin Schmidt. „Jetzt geht es voll und ganz auf Frische. Auf Tempo, auf Überzahlspiel, auf Außenspiel. Jetzt kommt gebetsmühlenartig das Umschaltverhalten mit rein. Tempo und Aktivität nach Balleroberung.“

Daniel Brosinski hat sich in der Saisonvorbereitung vorerst den Platz als Linksverteidiger geschnappt. Foto: ImagoNach dem letzten Testspiel der Saisonvorbereitung war beim FSV Mainz 05 noch längst nicht Feierabend. Martin Schmidt schickte seine Bundesliga-Profis im Anschluss an den 5:0-Sieg am Bruchweg gegen Rot-Weiß Erfurt am Sonntagnachmittag gleich nochmal in die Athletikhalle zum Nacharbeiten. Diejenigen, die gegen den Drittligisten nicht zum Einsatz gekommen waren oder nur kurz gespielt hatten, absolvierten Steigerungsläufe oder trainierten auf dem Rasen. Die Hochbelastungsphase bei den 05ern war erst am Montagmittag nach dem Training zu Ende. Am letzten Wochenende vor dem Pflichtspielauftakt, nächsten Sonntag in Unterhaching, stand zunächst noch einmal Verausgabung auf dem Plan. Training am Freitag, zwei Einheiten am Samstag, das Abschlussspiel und am Montag dann die letzte harte Einheit. Am Dienstag haben die Profis frei, Mittwochmorgen beginnt dann der Countdown für den Pokalauftritt.

„Jetzt kommt die Phase, in der wir die Schlüsse aus allem ziehen“, sagt der 05-Trainer. „Jetzt geht es voll und ganz auf Frische. Auf Tempo, auf Überzahlspiel, auf Außenspiel. Jetzt kommt gebetsmühlenartig das Umschaltverhalten mit rein. Tempo und Aktivität nach Balleroberung.“ Man habe aus allen Testspielen und allen Arbeitswochen seine Lehren gezogen, betont der Schweizer. Nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Sevilla habe er gesehen, dass er mehr als ursprünglich geplant in die defensive Struktur habe investieren müssen. „Das mussten wir nochmal in die Schulstunde reinnehmen“, sagt der 49-Jährige. Abgeprüft und gesehen, was nötig sei, habe man das Ganze dann beim 4:0 gegen den FC Liverpool. „In der Trainingslagerwoche in Italien haben wir gemerkt, dass wir mehr Kreativität brauchen, besseres Spiel im letzten Drittel.“

Das habe nun gegen die Erfurter ganz gut gepasst. Vor allem mit viel Überzahlspiel auf den beiden Flügeln, mit Strafraumaktionen. Dass sich der Drittligist nicht mit seiner Startelf am Bruchweg vorgestellt habe, sei dabei kein Problem. „Die haben es gut gemacht, waren ein guter Gegner“, sagt Schmidt. „Es gibt verschiedene Ansätze. Du kannst mit einem Sieg gegen einen leichteren Gegner mit einem guten Gefühl in die letzten zwei Wochen vor dem Saisonstart gehen. Du kannst auch einen Top-Gegner haben zum  Abschluss, einen auf die Fresse kriegen, und die Spieler glauben danach rein gar nichts mehr. So ähnlich war es nach der Köln-Niederlage. Deshalb wollte ich lieber ein gutes Gefühl. Lieber nach einem Sieg kritisch sein. Wir waren nach Köln sehr kritisch mit uns und jetzt auch. Wo haben wir unsauber gespielt? Trotzdem ist das Gefühl, was jetzt im Spieler drin ist, ein positives. Das überwiegt. Das ist meiner Meinung nach ein besserer Ansatz als verunsichert gegen einen unheimlich willigen und motivierten unterklassigen Gegner ins Pokalspiel zu gehen. Das wäre auf der mentalen Ebene dann schon ein 1:0 für den Gegner.“

Und der Auftritt gegen die Erfurter ging schon in die Richtung dessen, was die Mainzer am Sonntag vor den Toren Münchens erwartet. Einen wahrscheinlich tief stehenden, auf Verteidigung und Torverhinderung getrimmten Gegner zu bespielen, der auf seine Chance im Konterspiel lauert. Das ist den 05-Profis gegen den Drittligisten mit guter Konzentration gelungen. „Ich will nicht mutmaßen, wie Unterhaching von der Taktik her kommt“, so der 49-Järhige. „Aber vom Ansatz her muss ein Bundesligist gegen einen Regionalligisten eigentlich so spielen. Wir müssen dominant sein und können nicht sagen, wir setzen dort auf Konter. Als Erstligist musst du ein dominantes Mittelfeld und dominante Flügelarbeit haben. Das werden wir auch abrufen müssen, mit einer guten Kontersicherung“, sagt Schmidt. „Ich denke, dass das Hachinger Konterspiel uns vor weitaus größere Hürden stellen wird als jetzt die Erfurter. Daran werden wir dann gemessen. Deshalb ist das schon vergleichbar.“

Was bleibt als Erkenntnis nach den nunmehr zehn absolvierten Testspielen in den vergangenen sieben Wochen? Im Prinzip lässt sich nur sagen, dass der Kader breiter geworden ist, dass die Profis intensiv um die Kaderplätze fighten und dass es überraschende Entwicklungen gibt. Wie beispielsweise auf der Außenverteidigerposition. Daniel Brosinski hat sich in der Vorbereitung den Platz als linker Verteidiger gesichert. Auch gegen Erfurt überzeugte der 27-Jährige wieder in dieser Rolle. „Ich wollte die zwei gierigsten und die am saubersten spielenden auf der Außenverteidigerposition auf dem Platz haben“, betont Schmidt. Das seien eindeutig Giulio Donati und halt Brosinski. „Gierig ist Gaetan Bussmann auch, das spreche ihm nicht ab, aber in der Sauberkeit der Aktionen hat er jetzt in der Müdigkeit gezeigt, dass er immer wieder noch Stockfehler hat, die zu Chancen führen. Deshalb haben wir die Variante gewählt wie gegen Liverpool. Das sieht gut aus.“ Das Duo habe beidseitig gut angeschoben. „Brosi mit dem rechten Fuß von links nach innen ziehend war ein Gefahrenherd. Das ist eine Variante. Da kriegen einige auf der linken Seite nun mehr Druck auf den Kessel. Das wollen wir“, erklärt der Coach. Und zwar überall auf jeder Position. „Wir haben gesehen, den Fabi Frei als Zehner ein Tick höher auf dem Platz zu haben war gut. Da sieht man, dass er in der Box gefährlich ist. Pablo De Blasis hat den Druck im Zentrum erhöht. Auf den Außen hat man nun gesehen, dass er das auch gegen einen tiefer stehenden Gegner kann. Niko Bungert hat heute gezeigt, dass er wieder da ist. Wenn er gebraucht wird, ist er ein fieser, giftiger Innenverteidiger. Die Zweikämpfe von ihm, die Kopfballduelle, die will kein Stürmer führen. Auch da ist der Druck auf die Innenverteidiger erhöht worden. Wir haben jetzt nach Abschluss der Vorbereitung auf allen Positionen diesen Druck. Das gefällt mir“, sagt Schmidt.

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