Feiner Zwirn und kurze Ansprache auf Deutsch

Jörg Schneider. Mainz.
Wie aus dem Ei gepellt präsentierte sich Yoshinori Muto bei seiner Vorstellung im Rahmen einer Pressekonferenz im vollbesetzten Medienraum der Coface Arena. Der japanische Neuzugang des FSV Mainz 05 überraschte aber nicht nur mit seinem Auftritt im dunkelblauen Anzug mit Krawatte. Der 22-Jährige hielt wie seinerzeit Pep Guardiola beim FC Bayern eine Begrüßungsrede in fließendem Deutsch. „Mein Name ist Yoshinori Muto. Nennen Sie mich Yochi“, sagte der Neu-05er. „Ich freue mich, dass ich für so einen großartigen Verein spielen darf. Ich werde für 05 alles geben.“

Auftritt im dunkelblauen Anzug: Yoshinori Muto beeindruckte bei seiner offiziellen Vorstellung. Foto Jörg SchneiderNa, wenn das Mal kein imposanter Auftritt war. Yoshinori Muto überraschte und beeindruckte bei seiner offiziellen Vorstellung im Presseraum der Coface Arena gleich mehrfach. Der japanische Neuzugang des FSV Mainz 05 präsentierte sich im feinsten Zwirn. Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, dunkle Krawatte, weißes Einstecktüchlein, schwarze Lackschuhe. „Das ist der bestangezogenste Spieler, den wir je präsentiert haben“, sagte 05-Pressechef Tobias Sparwasser zur Begrüßung. „Damit hat er sogar unseren Präsidenten Harald Strutz ausgestochen. Und das will was heißen.“

Der 22-Jährige, der am Dienstag aus Tokio eingeflogen war, hatte allerdings noch mehr im Repertoire. Wie seinerzeit Pep Guardiola beim FC Bayern hielt der Stürmer eine kurze Ansprache in fließendem Deutsch. „Mein Name ist Yoshinori Muto. Nennen Sie mich Yochi“, sagte der Neu-05er. „Ich freue mich, dass ich für so einen großartigen Verein spielen darf. Ich werde für 05 alles geben. Deutsch ist eine schwierige Sprache, aber ich werde das können. Vielen Dank.“ Das brachte ihm den ersten spontanen Applaus in der neuen Umgebung ein. „Ich habe mich eigentlich noch nicht so oft so angezogen“, ließ Muto dann von seinem Dolmetscher übersetzen. „Aber ich wollte mich in Mainz gut präsentieren und anders aussehen als sonst. Ich hoffe, dass es gut angekommen ist.“ Es ist gut angekommen.

Yoshinori Muto, das ist spätestens seit dieser Vorstellung klar geworden, ist in seiner Heimat ein Star. Ein junger, intelligenter, gut aussehender Spieler, ein Nationalspieler, dem die Jugend in der Heimat huldigt und der bisher für den FC Tokio spielte. Ein Klub, der in Japan ein Renommee wie der Bayern München hierzulande besitzt. Entsprechend groß war der Medienandrang im voll besetzten Presseraum der Arena. Die japanischen Journalisten und Kamerateams waren eindeutig in der Überzahl. Und neben den Fragen an den Spieler wurde so ziemlich jeder der ansonsten Anwesenden vor die Kamera gezerrt, musste seine Meinung und seine Erwartungen an den Mainzer Neuzugang kundtun. Der studierte Ökonom füllt heute und morgen in seiner Heimat die Titelseiten und die Sportsendungen. Das wird sich wohl auch fortsetzen, wenn die Bundesligasaison begonnen hat.

Zumindest von dieser asiatischen Seite her lastet ein enormer Erwartungsdruck auf dem Nationalspieler. Und auch der Stürmer selbst legte die Messlatte gleich hoch an. Genau wie vor ihm schon sein Landsmann Shinji Okazaki scheint sich auch Muto in erster Linie über Torerfolge zu definieren.  „Ich mag es total gerne unter Druck zu spielen. Das war auch schon in Japan so“, erzählte der Spieler. „Ich will mich durchsetzen, ich will versuchen so viele Tore wie möglich zu schießen, viel Vorlagen geben.“ Über die Details seiner Rolle innerhalb des 05-Teams habe er bisher noch nicht mit dem Trainer gesprochen. „Ich gehe aber mal davon aus, dass ich, wenn dann, auf der Außenbahn spielen werde.“

Muto sieht sich anscheinend trotzdem als Torjäger. Beim FC Tokio durfte der 22-Jährige in dieser Saison überwiegend als Zentrumsangreifer stürmen. Deshalb sei seit geraumer Zeit Luis Suárez, der Uruguayer aus dem magischen Angriffstrio des FC Barcelona, sein Vorbild. Er sei von dessen Instinkt vor dem Tor beeindruckt. „Ich will ähnlich wie er in die Schnittstellen der Abwehr laufen und Tore machen.“ Dass er sich durchbeißen wolle, davon war jedoch nicht die Rede.

„Die Beine sind viel länger und kommen von überall.“

Angesichts dieser optimistischen Einstellungs- und Erwartungshaltung fiel es Christian Heidel nachher nicht ganz leicht, das Ganze etwas zu relativieren. „Wir dürfen ihm jetzt keinen zu großen Rucksack draufpacken“, sagte der 05-Manager. Anders als Okazaki, der vor seinem Wechsel nach Mainz schon zwei Jahre in Stuttgart spielte, komme Muto direkt aus der japanischen Liga und werde wahrscheinlich eine gewisse Zeit brauchen, sich an das fremde Land, an die Härte und die Aufgabenstellung der Bundesliga zu gewöhnen.

Damit rechnet der Spieler bei aller optimistischen Grundeinstellung allerdings selbst. Einen ersten Vorgeschmack, was ihn erwarte, habe er bereits im Training bekommen. „Anders als in Japan sind die Verteidiger viel robuster und größer. Das habe ich direkt gemerkt“, sagte der Neu-05er. „Die Beine sind viel länger und kommen von überall.“ Sein primäres Ziel sei sich weiterzuentwickeln. In seiner ersten Trainingseinheit habe er bereits seine Stärken und Schwächen einschätzen können im Vergleich zum Restkader. „Daran werde ich arbeiten.“ Von Okazaki wisse er, dass es am wichtigsten sei, sich körperlich durchzusetzen.

Natürlich war auch das Thema FC Chelsea präsent. Muto hatte sich bekanntlich gegen ein Angebot des englischen Meisters und für die 05er entschieden. Gegen eine Offerte, die ihn von der Ablösesumme her zum teuersten Japaner aller Zeiten gemacht hätte. „Entscheidend war, dass Mainz 05 sehr viel von mir wollte und extra nach Japan gereist war, um mit mir zu sprechen. Trotz eines Aufenthaltes von nur acht Stunden. Das hat mich sehr beeindruckt“, erzählte Muto. „Außerdem habe ich von Shinji erfahren, dass Mainz 05 ein großer Verein ist, der von Riesenfans unterstützt wird. Der FC Chelsea sei einer der größten Klubs weltweit. Sich dort durchzusetzen sei extrem schwer. „Ich bin noch jung. Ich habe die Zukunft. Ich glaube, dass ich mich in Mainz weiterentwickeln kann. Dann sehen wir, was dabei herauskommt.“ Wenn die Übersetzung des Dolmetschers wortgetreu war, dann soll das nicht gerade wenig sein. „Ich möchte einer der besten Spieler der Welt werden. Dafür werde ich hart arbeiten.“ Sollte es dazu kommen, wären alle Beteiligten sehr zufrieden.

Weitere Bilder von der Muto-Vorstellung:

 

► Alle Artikel zur Kaderplanung

► Zur Startseite