Fans kriegen festen Platz im Aufsichtsrat

Jörg Schneider. Mainz.
Die Mitglieder des FSV Mainz 05 haben den Weg für eine neue Struktur des Bundesligisten geebnet. In einem mehr als fünfstündigen Diskussions- und Abstimmungs-Marathon verabschiedete die außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins am Sonntag im VIP-Bereich der Opel Arena mit großer Mehrheit eine neue Satzung. Darin ist künftig verankert, dass ein im kommenden Jahr zu wählender Aufsichtsrat den Vorstand kontrolliert und dass der Vereinsvorsitzende von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Außerdem erhält ein Fan-Vertreter einen festen Platz im Aufsichtsrat.

Grünes Licht für die neue Struktur: Die Mitgliederversammlung des FSV Mainz 05 verabschiedete am Sonntag mit großer Mehrheit die notwendige Satzungsänderung. Foto: ImagoEinen festen Termin für die nächste Runde, in der es beim FSV Mainz 05 um die spannende Frage geht, welche Personen künftig die Führungspositionen in den neuen Strukturen des Bundesligisten übernehmen, gibt es noch nicht. Der amtierende 05-Präsident Harald Strutz, der dann zur Wahl des Vorsitzenden kandidieren wird und nach Lage der Dinge diesen Job irgendwann im Frühjahr wohl für drei Jahre erhalten sollte, versicherte leidglich, in diesem Jahr werde es keine weitere Versammlung geben. Zwei Info-Veranstaltungen und zwei Mitglieder-Versammlungen waren bisher notwendig, um die angestrebte Reform endgültig auf den Weg zu bringen. Und es war eine schwere Geburt, bis am Sonntag im VIP-Bereich der Opel Arena die außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins die dafür erforderliche Satzungsänderung in allen Punkten verabschiedete. „Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und eine Struktur auf den Weg gebracht“, sagte Jürgen Doetz nach dem fast fünfeinhalbstündigen Diskussions- und Abstimmungs-Marathon erleichtert. Der 05-Vize hatte den umfassenden und über 50 Seiten starken Entwurf der neuen Satzung Schritt für Schritt vorgestellt und moderiert.

Auch wenn sich die Reihen der anfangs erschienenen 568 Mitglieder im Laufe des Tages lichteten, beim letzten Punkt der Tagesordnung nur noch 377 Mitglieder einen der Knöpfe des digitalen Abstimmungsgerätes drückten, die 05-Basis hat die neue Satzung des Klubs beschlossen und den Weg dafür frei gemacht, dass künftig ein Aufsichtsrat den Vorstand als zusätzliches Gremium kontrolliert und der neue Vereinsvorsitzende von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Der 05-Vorstand und dessen Berater-Kommission hatten dieses so genannte Model B der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorgeschlagen. Dafür gab es zwar anfangs reichlich Kritik aus dem Plenum, allerdings keinen entsprechend formulierten und möglichen Änderungsantrag, auch über das Models A abstimmen zu lassen. In dieser Variante hätte der neu zu wählende Aufsichtsrat sowohl den Vorstand als auch den Vereinsvorsitzenden bestellt. Mit 435:44 Stimmen verabschiedeten die Mitglieder den entsprechenden Paragraphen zwölf der Satzung und entschieden dass ein grundsätzlich ehrenamtlicher Vorsitzender in Zukunft von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Interessant dabei und für viele erstaunlich, dass der aus der Versammlung heraus gestellte Antrag, die Aufwandsentschädigung dieses Vorstandsvorsitzenden von der Mitgliederversammlung festzulegen, mit 360:187 Stimmen zwar mehrheitsfähig war, die notwendige Zweidrittel-Mehrheit jedoch verfehlte. Die Entschädigung des Vorstandsvorsitzenden wird künftig vom Aufsichtsrat festgelegt, muss aber im Finanzbericht nachgewiesen werden. Deutlich abgelehnt wurde auch der Antrag, eine Obergrenze für das Gehalt der künftigen hauptamtlichen Vorstandsmitglieder festzulegen.

Aufsichtsrat mit bis zu neun Personen

Eine große Mehrheit fand erwartungsgemäß der wichtigste Punkt im neuen Satzungskonstrukt der 05er. Mehr als 97 Prozent der Mitglieder stimmten für die Einführung eines Aufsichtsrates als Kontrollgremium, dem bis zu neun Personen angehören können. Diese Mitglieder des Aufsichtsrates werden von der Wahlkommission vorgeschlagen und von der Mitgliederversammlung gewählt. Darüber hinaus kann der Aufsichtsrat eigenständig bis zu zwei Vertreter zusätzlich in dieses Gremium berufen. Dieser Entwurf der Satzungskommission setzte sich am Ende klar durch gegen den Antrag aus der Versammlung, die Aufsichtsratsstärke auf sieben Personen plus zwei vom Aufsichtsrat selbst kooptierte Mitglieder zu beschränken. In diesem Aufsichtsrat, der im Frühjahr gewählt wird, gibt es dann einen festen Sitz für einen Fan-Vertreter. Die 05er werden eine Fanabteilung als Vertretung der Interessen aller Fangruppen gründen. Diese Fanabteilung entsendet ein Mitglied in den Aufsichtsrat, das von der Mitgliederversammlung bestätigt wird. Sollte dies nicht geschehen, bleibt der Platz im Aufsichtsrat frei. Mit großer Mehrheit von 408:48 Stimmen ging dieser Antrag durch. Eine Fanabteilung solle kein Haufen Schwarzgekleideter sein, die mit  Pyro zündeln, sondern ein Platz für Fans aller Couleur, an dem alle Fanklubs zusammenkommen und diskutieren, erklärte Christian Vierung als Sprecher der 05-Anhänger, der zuvor mit einem leidenschaftlichen Appell dafür geworben und damit die Mitglieder offenbar überzeugt hatte. Im Satzungsentwurf war der neu zugründenden Fan-Abteilung lediglich das Recht eingeräumt worden, der Wahlkommission einen Kandidaten vorzuschlagen. Das Abstimmungsergebnis löste dann großen Jubel unter den organisierten 05-Fans aus.

Weniger erfreulich für die junge 05-Generation war allerdings das Scheitern der Herabsenkung des aktiven Wahlrechts auf 16 Jahre. Dieser Entwurf der Strukturkommission fand zwar Zustimmung, aber keine Zweidrittel-Mehrheit. Das aktive Wahlrecht für 05-Mitglieder bleibt an die Vollendung des 18. Lebensjahres gebunden. Johannes Zindel, Mitglied der Struktur-Kommission, hatte entgegen des Vorschlags seiner Kommission eine getrennte Abstimmung über diesen Punkt beantragt. Seine Begründung, dass besonders junge Fans den Einsatz von Pyrotechnik in Stadien befürworteten, sorgte für Diskussionen und Irritationen. „Wie soll man von jungen Fans erwarten, dass sie sich im Verein einbringen, wenn sie nicht wählen dürfen?“, fragte unter anderem Viering, der darauf verwies, dass Vereinsgründer Eugen Salomon seinerzeit selbst erst 17 Jahre alt gewesen sei. Auch der Einlass von Moderator Doetz, die Frage des Wahlalters habe nichts mit der Haltung zu Pyrotechnik zu tun, führte letztlich nicht zu der entsprechenden Satzungsänderung.

Am Ende der Versammlung wählten die Mitglieder schließlich die neue fünfköpfige Wahlkommission, die den bisherigen, aus drei Personen  bestehenden Wahlausschuss ablöst und künftig eine besondere Rolle einnimmt. Die Aufgabe dieser Wahlkommission ist es, im Vorfeld zu den Wahlen jeweils des Vereinsvorsitzenden und des Aufsichtsrates die in der Satzung festgelegten Kriterien zu prüfen und dann der Mitgliederversammlung die Wahlvorschläge zu unterbreiten. Die Kommission schlägt in freier Entscheidung aus allen Bewerbungen bis zu fünf Kandidaten für die Wahl des Vorsitzenden und bis zu 18 Kandidaten für die Wahl des Aufsichtsrates vor. Die Entscheidung dieser Wahlkommission ist nicht anfechtbar. Neun Mitglieder kandidierten, gewählt wurden: Dr. Udo Seyfarth, Klaus Hammer, Gerd Krämmer, Hans Günter Mann und Horst Trautzer.

Die neue Satzung wird wirksam mit dem Eintrag in das zuständige Vereinsregister und der Genehmigung der Gemeinnützigkeit des Vereins durch das zuständige Finanzamt.

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