Fan-Abteilung: 05er stoppen Dialog

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat bestätigt, dass der Vorstand des Bundesligisten die Verhandlungen mit den bisherigen Fanvertretern zur Gründung einer Fanabteilung gestoppt hat. „Vereinsschädigendes Verhalten oder die Bagatellisierung eines solchen Verhaltens sind keine ideale Grundlage für den Aufbau einer Fanvertretung für alle Fans“, heißt es in dem Statement des Klubs. Der Grund für den Abbruch der Gespräche mit den bisherigen Gesprächspartnern soll unter anderem offenbar in deren unnachgiebiger Einstellung zum Einsatz von Pyro-Technik liegen. Der Verein hat für die Pyro-Shows seiner Fans seit 2010 rund 100.000 Euro Strafe zahlen müssen – die Rechnung für die jüngsten Vorfälle kommt noch.

Der Streit zwischen  der Führung des FSV Mainz 05 und dessen Ultra-Szene geht in eine nächste Runde. Nachdem der Vorstand des Bundesligisten in der vergangenen Woche Fan-Gruppierungen in einem offenen Brief kritisiert, mit Entzug von Privilegien gedroht und die Fanszene daraufhin von sich aus ihre Fan-Podeste in der 05-Geschäftsstelle abgeliefert hatte, meldeten am Dienstag die Supporters Mainz in einem auf ihrer Homepage veröffentlichten Schreiben, dass die Vereinsspitze die Verhandlungen mit Fanvertretern zur Gründung einer Fanabteilung gestoppt habe.

„Am heutigen Dienstagmorgen wurden Vertreter der Verhandlungsgruppe, die gemeinsam mit dem Verein die Gründung der Fanabteilung vorbereiten sollten, darüber informiert, dass der Vorstand von Mainz 05 diese Gespräche und damit die Gründung einer Fanabteilung erst einmal auf Eis legt. Eine Begründung wurde nicht genannt, es gab lediglich die Aussage, man wolle in den nächsten Wochen sehen, wie sich die Situation entwickelt“, heißt es in dem Schreiben der Supporters, die den Vorgang kritisierten. „Für uns als Supporters Mainz ist diese Vorgehensweise des Vorstands von Mainz 05 absolut unverständlich und in keiner Weise nachvollziehbar. Bei der Fanabteilung geht es nicht um einzelne Fangruppen, sondern darum allen Fans, gleich welcher Couleur, die Möglichkeit zu geben sich im Sinne und zum Wohle von Mainz 05 einzubringen, die Fangemeinde wieder näher zusammen zu bringen und den Austausch miteinander zu stärken.“ Die Supporters forderten die 05-Führung „eindringlich dazu auf, ihre Blockadehaltung zu beenden und die Gespräche zur Gründung der Fanabteilung wie angekündigt schnellstmöglich aufzunehmen.“

Der Klub reagierte am frühen Abend mit einer Stellungnahme auf seiner Internetseite und bestätigte den Abbruch der Verhandlungen mit den handelnden Personen aus der Fan-Szene. „Der 1. FSV Mainz 05 wird in den kommenden Wochen den Dialog mit seinen Fans im Hinblick auf die Gründung einer Fanabteilung intensivieren. Bei diesen Gesprächen wird der Verein vor allem mit Blick auf eine künftige Abteilungsordnung zunächst ein umfassendes Meinungsbild aller Mainzer Fangruppen einholen, insbesondere auch von seinen größeren aktiven Fanklubs. Im Zuge dieser geplanten Gespräche hat der Vereinsvorstand den weiteren Dialog mit den bisherigen Gesprächspartnern aus der aktiven Fanszene zunächst abgesagt.“

Die Rechnung für die Pyro-Shows der 05-Fans in den Europaliga-Auswärtsspielen steht noch aus. Seit 2010 hat Mainz 05 rund 100.000 Euro Strafe für solche Aktionen bezahlen müssen. Foto: ImagoDie Begründung lieferte der Verein gleich mit: „Der Vorstand wird bei der Gründung der Fanabteilung dafür Sorge tragen, dass alle Faninteressen berücksichtigt werden. Vereinsschädigendes Verhalten oder die Bagatellisierung eines solchen Verhaltens sind keine ideale Grundlage für den Aufbau einer Fanvertretung für alle Fans“, heißt es in dem Statement. Wie die nullfünfMixedZone erfuhr, liegt der Grund der Ablehnung der bisherigen Gesprächspartner aus der Fan-Szene unter anderem in deren unnachgiebiger Einstellung  zum in Deutschland verbotenen und von den meisten Anhängern abgelehnten Einsatz von Pyrotechnik im Stadion. Die Gesprächspartner sollen im Dialog mit den Verantwortlichen angekündigt haben, auf den Pyro-Einsatz nicht verzichten zu wollen. Damit sei die Basis für weitere Gespräche mit diesem Personenkreis nicht mehr gegeben gewesen. Es gebe Regeln und Gesetze, an die sich alle zu halten hätten, heißt es im Bruchweg-Umfeld.

Die Verärgerung der 05er gerade in diesem Themenbereich ist zumindest nachvollziehbar. Wie die nullfünfMixedZone recherchierte, hat der Bundesligist von 2010 bis zu Beginn dieser Saison 98.500 Euro Strafe für insgesamt elf Pyro-Aktionen seiner Fans bei Auswärtsspielen zahlen müssen. Alleine der Vorfall in der Saison 13/14 bei Eintracht Braunschweig kostete 22.000 Euro. In der vergangenen Spielzeit gab es Strafen von 10.000 Euro für Pyro-Vorfälle beim Auswärtsspiel in Berlin sowie weitere 10.000 Euro für ähnliche Aktionen in Hoffenheim und Wolfsburg. Die Strafen für die Mainzer Pyro-Shows in dieser Saison beim Bundesligaspiel in Dortmund sowie bei den Europapokal-Gruppenspielen in Anderlecht und zuletzt in Saint-Etienne, wo dabei zudem Sitzschalen beschädigt wurden, sind vom DFB und der Uefa noch gar nicht ausgesprochen, dürften jedoch ebenfalls happig ausfallen. Zu den 98.500 Euro kommen noch einmal 49.500 Euro an Strafen hinzu, die der Verein für Vorkommnisse und Vergehen im eigenen Stadion bezahlen musste. Alleine der Münzwurf gegen Lukas Podolski in der Saison 11/12 im Spiel gegen den 1. FC Köln war 40.500 Euro teuer. Das sind 139.000 Euro im Gesamten, plus der Summe, die noch aussteht.

„Der Vorstand hat die Aufgabe hier den Willen der Mitglieder umzusetzen und nicht wegen anderer Konflikte, die mit der Fanabteilung grundsätzlich in keinem Zusammenhang stehen, zu blockieren“, heißt es in dem Brief der Supporters, die die Gründung einer Fan-Abteilung offenbar gefährdet sehen. Im Rahmen der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13. November hatten die 05-Mitglieder (auf Vorschlag des Vorstandes) mit klarer Mehrheit für die Gründung einer Fanabteilung gestimmt. Die Fanabteilung soll künftig die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Fans und Verein intensivieren. Ein von der Fanabteilung bestimmter Vertreter gehört künftig dem Aufsichtsrat an.

 

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