Fakten geschaffen: Mainz 05 holt Robin Quaison

Christian Karn. Mainz.
Vor zwei Tagen kam der neue Zehner zum FSV Mainz 05, heute, am letzten Transfertag, möglicherweise schon sein Nachfolger: Bojan Krkic, der über den Sommer hinweg nicht zu halten ist, soll die Lücke, die Yunus Malli hinterlassen hat, kurzfristig schließen, dann könnte Robin Kwamina Quaison übernehmen. Der 23-jährige Schwede mit ghanaischem Vater kommt von der US Palermo zu den 05ern und unterschrieb einen Vertrag bis 2021. Laut italienischen Medien, die seit Tagen über den Transfer berichten, haben die 05er sich gegen die TSG Hoffenheim und den Dauermeister Juventus Turin durchgesetzt.

"Ich würde lieber mit Fakten arbeiten. Aber das ist schwierig, wenn ein Verein mehr verkündet..." - Rouven Schröder hat damit den Málaga CF gemeint, der ein bisschen voreiliger und ein ausführlicher über den offenbar bevorstehenden Wechsel von José Rodríguez gesprochen hat, als dem Sportdirektor des FSV Mainz 05 lieb war. Schröder wickelt seine Transfers lieber mit äußerster Diskretion ab, was zuletzt bei Bojan Krkic ganz ausgezeichnet funktioniert hat, beim zweiten Zehner, den die 05er heute als Backup für den zweimaligen Champions-League-Sieger und womöglich als langfristigen Nachfolger für Yunus Malli holten, dagegen überhaupt nicht. Großen Schaden hat es aber offenbar nicht angerichtet, dass die italienischen Medien bereits seit Tagen den Transfer von Robin Kwamina Quaison von der US Palermo zu den 05ern in allen Einzelheiten durch die Welt trompeten: Quaison ist in Mainz und hat einen Vertrag bis 2021 unterschrieben. Und sofern man den italienischen Medien glauben kann, haben die 05er 2,5 Millionen Euro für ihn ausgegeben.

Bisher in Rosa, künftig in Rot: Robin Kwamina Quaison ist die neue Nummer 7 des FSV Mainz 05. Foto: imago"Robin Quaison hat bei seinen Stationen in Schweden und Italien auf sich aufmerksam gemacht. Er hat sich in der Serie A durchgesetzt und verfügt mit 23 Jahren schon über eine gewisse Erfahrung, ist aber dennoch ein Spieler mit einer Entwicklungsperspektive. Wir freuen uns, dass er seinen Weg bei Mainz 05 fortsetzen wird", sagt Schröder, und Martin Schmidt erklärt: "Robin Quaison ist ein physisch starker, antrittsschneller und dynamischer Spieler, der in der Offensive alle Positionen besetzen kann, auf dem Flügel wie auch im Sturmzentrum. Er ist der Typ Umschaltspieler, der mit seinen Anlagen sehr gut zu unserem offensiven Spielstil passt."

Der 23-jährige Schwede mit ghanaischem Vater wechselte bereits als Sechsjähriger von seinem ersten Verein zum schwedischen Spitzenklub AIK Solna, der ihn 2012 nach einer Saison als Leihspieler beim Drittligaverein Väsby United in die erste Mannschaft aufnahm. Dreizehn Mal schaffte es der damals 18-Jährige bereits in die Startelf. Im folgenden Jahr war Quaison immer noch kein Stammspieler, dennoch wechselte er bereits Mitte 2014 als 20-Jähriger nach Italien zu US Palermo. Die Sizilianer setzten ihren Neuzugang im ersten Jahr immer mal wieder ein, im zweiten verpasste Quaison bereits nur acht Spiele, kam etwas häufiger von der Bank als in die Startelf. In der abgelaufenen Hinrunde entwickelte sich der Mittelfeldspieler zum Torschützen; drei seiner sieben Serie-A-Tore schoss Quaison im Dezember 2016 und Januar 2017. Auch die TSG Hoffenheim, auch Juventus Turin soll an einer Verpflichtung des Schweden sehr interessiert gewesen sein; die Entscheidung gegen den italienischen Dauermeister wird mit dessen Transferpolitik zusammenhängen: Nicht weniger als 77 Spieler sind seit dem 1. Juli 2016 zu "Juve" gewechselt, 66 davon waren zurückkehrende Leihspieler, die größtenteils direkt wieder leihweise zum nächsten Klub weitergegeben wurden. Als mehr-oder-weniger-Stammspieler des italienischen Tabellenvorletzten wird genau dieses Modell, die Rechte am Spieler sicherheitshalber mal haben zu wollen, falls er mal gut wird, um mindestens ein bisschen Geld mit ihm zu verdienen, auch für Quaison vorgesehen gewesen sein.

In der schwedischen A-Nationalmannschaft war der neue 05er zuletzt nicht mehr zu sehen; in den beiden Testspiele am 8. und 12. Januar dieses Jahres spielten ohnehin nur Spieler aus Ligen, die sich nach dem Kalenderjahr richten und lange Winterpause haben, aber auch im Oktober und November war Quaison nicht nominiert. Die Einladung zum Qualifikationsspiel gegen die Niederlande im September hatte er wegen einer Verletzung ausschlagen müssen - das letzte seiner fünf A-Länderspiele, ein 3:1 gegen Iran, liegt daher fast zwei Jahre zurück. Allerdings war Quaison im vergangenen Sommer Stammspieler in der schwedischen Olympiamannschaft, die in Brasilien gegen Kolumbien punktete, gegen Nigeria und Japan verlor. Und als U21-Spieler war Quaison 2015 Teil der schwedischen Auswahl, die in Tschechien die Europameisterschaft gewann; im Finale gegen Portugal, das mit dem heutigen Dortmunder Raphael Guerreiro antrat, wurde Quaison eingewechselt.

"Ich habe mich ausführlich über den Verein und die Spielphilosophie von Trainer und Mannschaft informiert", zitieren die 05er ihren Neuzugang, der die zuletzt von seinem Landsmann Bengtsson getragene Rückennummer 7 übernimmt. "Alles passt sehr gut zu mir. Ich bin ein geradliniger Spielertyp, der gerne den Ball haben möchte. Ich freue mich sehr über den Wechsel nach Mainz, ich bin sehr neugierig auf diese neue Erfahrung und kann es kaum erwarten, mit meinem neuen Team auf dem Platz zu stehen."

Das könnte unter Umständen ein bisschen dauern; in Mainz wird sich der in vorderen Bereichen vom zentralen Mittelfeld über Linksaußen bis in den Angriff flexibel einsetzbare Quaison einer starken Konkurrenz stellen müssen. Jairo Samperio, Yoshinori Muto, Bojan Krkic, Pablo de Blasis, Gerrit Holtmann kommen für diese oder jene seiner Positionen zur Verfügung, vor allem aber Karim Onisiwo dürfte ein sehr ähnliches Profil haben. "Wir sind klar dabei, zu sondieren, gedanklich die nächsten Schritte zu machen und vielleicht schon umzusetzen", erklärte Schröder jedoch schon am Montag, "weil wir nicht nur für die aktuelle Zeit, sondern auch schon in Richtung Sommer gucken müssen, welche Entwicklungen entstehen können." Angesichts der finanziellen Vorstellungen von Stoke City ist eine Weiterverpflichtung des lediglich ausgeliehenen Bojan über den Sommer hinaus vollkommen unrealistisch. Alle anderen genannten Offensivspieler haben Verträge bis 2018 (Jairo, de Blasis) oder länger, aber auch Muto - sofern er gesund bleibt - könnte für den englischen Markt wieder interessant werden. Onisiwo könnte angesichts seiner Ineffizienz angreifbar sein. Kaderplätze werden im Sommer frei werden. Und Quaison ist wohl einer der berühmten Vorgriffe aufs neue Jahr, der wie Marin Sverko, wie im ursprünglichen Plan der Niederländer Gervane Kastaneer, dessen sofortige Verpflichtung für die 05er wegen einer Verletzung offenbar uninteressant geworden ist, einer, der sich schon ein halbes Jahr an die 05er gewöhnen soll, vielleicht schon in dieser Saison die Stammspieler ernsthaft unter Druck setzt, sie nicht um jeden Preis sofort unter Druck setzen muss.

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