Etwas Entspannung bei den „ärmsten“ 05ern

Jörg Schneider. Mainz.
Holt sich der FSV Mainz 05 die optimale Ausbeute aus dieser zweiten Englischen Woche in der Bundesliga? Nach den beiden Auswärtssiegen in Augsburg und in Bremen empfangen die 05er nun am Samstag in der Opel Arena Bayer 04 Leverkusen und haben die Chance, sich mit einem Sieg in der vorderen Tabellenregion einzunisten. Eine leichte Entspannung gibt es auf der Sechserposition. Suat Serdar steht nach überstandener Muskelverletzung wieder zur Verfügung. Ansonsten hat sich die Personal-Rotation des Trainers bewährt. „Ich glaube, dass die körperliche Verfassung bei 90 Prozent unserer Spieler sehr gut ist“, sagt Martin Schmidt.

Wenigstens in einem Fall hat sich die Situation im zentralen Mittelfeld gebessert. Martin Schmidt muss zwar im dritten Spiel dieser Englischen Woche in der Bundesliga nach wie vor auf die verletzten Danny Latza, Jean-Philippe Gbamin, André Ramalho sowie den gesperrten José Rodriguez verzichten. Dafür ist aber Suat Serdar wieder im Rennen fürs Heimspiel am Samstag in der Opel Arena (15.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen. Der 19-Jährige, der zuletzt wegen einer Muskelverletzung pausieren musste, hat sein erstes Training am Mittwoch absolviert, als seine Mannschaft am Abend mit 2:1 bei Werder Bremen den zweiten Auswärtssieg hintereinander feierte. Nach zwei leichteren Trainingseinheiten am Donnerstag und am Freitagmorgen, absolvierte Serdar dann das Abschlusstraining am Nachmittag. „Ich kann keine Startelf-Garantie geben, aber Suat ist bereit“, sagte der 05-Trainer in der Pressekonferenz zum Spiel.

In Bremen durfte sich Stefan Bell schonen. Am Samstag gegen Bayer Leverkusen wird der zuletzt formstarke Abwehrchef wieder gebraucht. Foto: Ekkie VeyhelmannDie Sechserposition im 05-Team ist augenblicklich diejenige, die dem Coach am meisten Sorgen bereitet. In Bremen hat bekanntlich die Mainzer Allzweckwaffe Daniel Brosinski notgedrungen den Part neben Fabian Frei übernommen. „Er hat das solide gemacht nach anfänglichen Wacklern und sich bei seinem ersten Mal auf dieser Position reingesteigert“, sagt der Coach. „Solange wir solche soliden Leute da haben, werden wir diese Phase überstehen.“ Der Verschleiß ist gerade auf dieser Position im Mittelfeld besonders groß. „Im vergangenen Jahr musste nach ein paar Spielen auch Gonzalo Jara als Linksverteidiger dort aushelfen“, erinnert sich Schmidt. „Die Doppelsechs ist eine hochbelastete Position in der Art und Weise wie wir Fußball spielen. Die Sechser sind die ärmsten Leute bei uns, sie müssen alles verteidigen und im Umschaltspiel immer hinten dran sein. Die Rennen in jeder Partie mindestens ihre zwölf Kilometer, deshalb ist der Verschleiß dort besonders hoch.“

Insgesamt  sei diese zweite Englische Woche allerdings noch nicht so massiv an die Substanz der 05-Profis gegangen. „Ich glaube, dass die körperliche Verfassung bei 90 Prozent unserer Spieler sehr gut ist“, sagt Schmidt. „Nur Yunus Malli und Giulio Donati haben bisher alles durchgespielt, aber die scheinen beide topfit zu sein  und werden gar nicht müde.“ Gegen Leverkusen habe er nun wieder einen frischen Stefan Bell für die Abwehr zur Verfügung. Alle übrigen Feldspieler hatten ihre mehr oder weniger langen Verschnaufpausen. Die Rotation hat sich bis jetzt bewährt. Das Feedback, das er aus der Mannschaft erhalte, sei sowieso gut. Profis mögen es ohnehin gerne, sich im Wettkampf zu messen, zu spielen, statt zu viel zu trainieren. „Viel spielen und weniger trainieren bringt die Spieler auch in einen Rhythmus. Im Moment fühlt es sich noch gut und stimmig an.“

Das habe die Schlussphase in Bremen bewiesen. „Da haben wir gezeigt, dass wir mit dem Kader hinten raus noch richtig powern können“, so Schmidt. „Zusammen mit dem Ehrgeiz und dem großen Willen der Mannschaft gibt das ein gutes Paket. Wir sind gut vorbereitet für das fünfte Spiel innerhalb kurzer Zeit.“ Dass Gerrit Holtmann, der mit seinem Tempolauf auf der linken Außenbahn und seiner präzisen Flanke den 2:1-Siegtreffer von Pablo De Blasis vorbereitet hatte, gegen Leverkusen nun eine Startelf-Chance erhält, ist dagegen eher unwahrscheinlich. „So einen Spieler hat man gerne als Pfeil in der Hinterhand bei der richtigen Konstellation“, betont der 05-Trainer. Den schnellen Tempo-Dribbler mit der genauen Schuss- und Flankentechnik als Speerspitze in petto zu haben, sei vielleicht besser. „Gerrit hat bisher Geduld gehabt und viel an sich gearbeitet. Wir müssen ihm aber ein halbes Jahr Zeit geben, sich bei uns richtig zu entwickeln. So, wie wir das auch bei De Blasis, Jairo und anderen getan haben“, erklärt der 49-Jährige.

Gegen das nominelle Top-Team aus Leverkusen, das bisher noch nicht richtig in Fahrt gekommen ist, haben die Mainzer nun zu Hause die große Chance, diese Woche mit der optimalen Ausbeute zu beenden. Mit einem weiteren Sieg könnten sich die Mainzer in der Tabelle weit vorne reinschieben, ihren guten Saisonstart untermauern und sich weitere Sicherheit holen für das Auswärtsspiel in der Europaliga am nächsten Donnerstag in Aserbaidschan. Bayer Leverkusen ist das Team, gegen das die 05er in der Bundesliga am häufigsten gewonnen haben. Allerdings gab’s gegen die Werkself auch schon eine deftige 1:4-Niederlage in der Arena.

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