„Es muss sehr viel passieren“

Jörg Schneider. Mainz.
Ob das täglich in den Medien aufgezeichnete Krisen-Szenario beim FC Bayern tatsächlich reell ist und der FSV Mainz 05 bei seinem Gastspiel am Samstag in München eventuell Profit daraus schlagen kann, bleibt spekulativ. Der Rekordmeister könnte dadurch auch noch gereizter und gefährlicher als ohnehin schon sein. „Wir kriegen natürlich mit, was berichtet wird, es wäre aber ein falscher Ansatz, sich damit zu beschäftigen, welche Wirkung das auf ihre Leistung haben könnte“, sagt Sandro Schwarz. Der 38-Jährige weiß, dass sein Team in München eine Top-Leistung braucht und die Bayern eine nicht ganz so gute Tagesform auf den Platz bringen müssen, damit es gelingen könnte, in die Nähe eines Erfolgserlebnisses zu kommen.

Wer die tägliche Medien-Präsenz des FC Bayern München verfolgt und für bare Münze nimmt, kann schon auf die Idee kommen, dass es beim deutschen Rekordmeister derzeit nicht sonderlich harmonisch zugeht. Die geäußerte Kritik von Robert Lewandowski an der Transferpolitik, die Aussagen von Arjen Robben, der offenbar im Moment nicht viel Spaß findet im Bayern-Spiel, die Bilder von Franck Ribérys erzürnter Auswechslung inklusive der Trikot-Wegwurf-Aktion. Personal-Entscheidungen von Carlo Ancelotti. Dazu die Auswärtsniederlage zuletzt in Hoffenheim, das minimalistische Pflichtprogramm beim Champions-League-Auftakt. Indizien für eine Sinnkrise innerhalb der Weltauswahl in diesem frühen Stadium der Bundesligasaison? Mag sein, aber verlassen sollte man sich nicht unbedingt darauf, dass der FSV Mainz 05 bei seinem Gastspiel am Samstagnachmittag in der Allianz Arena davon profitieren könnte.

Eine Top-Leistung der Mannschaft und einen sehr guten Torwart braucht es laut Sandro Schwarz, um in München eine Chance zu haben. René Adler steht vor seiner ersten ganz großen Bewährungsprobe im 05-Trikot. Foto: Vigneron„Das ist nichts, was wir beeinflussen können“, sagt Sandro Schwarz. „Wir kriegen natürlich mit, was berichtet wird, es wäre aber ein falscher Ansatz, sich damit zu beschäftigen, welche Wirkung das auf ihre Leistung haben könnte. Das Ganze macht sie auch sehr gefährlich.“ Neben der großen fußballerischen Qualität, die Ancelotti in jedweder  Aufstellungsvariante auf den Platz bringt, kommt erschwerend hinzu, dass an diesem Wochenende in der bayerischen Metropole das Oktoberfest beginnt. Und in dieser Zeit geht traditionell ohnehin eine große Gefahr von den Bayern aus. In Wiesn-Zeiten war es in den vergangenen Jahren stets noch schwerer die Bayern zu schlagen, als es ohnehin schon ist. In den letzten 20 Spielen während des Oktoberfestes mussten die Bayern lediglich eine Niederlage hinnehmen (0:1 bei Atlético Madrid).

„Dass wir dort als krasser Außenseiter aufschlagen, das ist keine ganz große Überraschung“, sagt der 05-Trainer vor der Partie, in der die Mainzer von 3350 Anhängern begleitet werden. „Wir schenken aber nichts ab, das Spiel muss erst gespielt werden. Darauf freuen wir uns und wissen aus der Historie heraus, dass es schon einige Male ganz gut geklappt hat für Mainz 05 in München.“ Dass die Mainzer eine Art Heimspiel-Angstgegner für die Bayern sind, muss deshalb ebenso in die Bewertung der Ausgangslage einfließen: Jeweils zwei Gegentore und insgesamt nur einen Punkt verbuchten die Bayern in ihren letzten beiden Heimspielen gegen die 05er, die in den vergangenen beiden Spielzeiten der erfolgreichste Klub der Liga in der Arena waren. Das 2:1 unter Martin Schmidt im  März 2016 war die bislang letzte Heimniederlage der Münchner. Mit dem 2:2 im April dieses Jahres gelang dem 05-Team des Schwarz-Vorgängers zudem der bislang letzte Punktgewinn einer Mannschaft bei den Bayern.

"Wir müssen uns um unsere Leistung kümmern"

Für den neuen Cheftrainer ist die Partie am Samstag nun der erste Auftritt als Profi-Coach in diesem Stadion. „Die Vorfreude ist riesig. Auch für mich ist das etwas Besonderes“, betont der 38-Jährige, der allerdings weiß, dass alle Statistik und Spekulationen mit dem Anpfiff Makulatur sein werden. „Wir müssen uns um unsere Leistung kümmern. Die ist für uns entscheidend, wenn wir dort die Wahrscheinlichkeit für ein positives Ergebnis erhöhen wollen. Es muss sehr viel passieren. Wir brauchen zu allererst eine Top-Leistung, die Bayern müssen von der Tagesform her etwas weniger gut sein. Wir brauchen einen guten Spielverlauf, einen sehr, sehr guten Torwart, der die Dinge regelt. Wir müssen alles, was wir haben, auf den Schläger bringen und von Beginn an zeigen, was wir gegen so eine Welt-Truppe dagegensetzen können.“

Natürlich haben die 05er noch einmal eingehend die Bilder von den zurückliegenden Erfolgserlebnissen in München studiert und versucht, daraus in der Vorbereitung Dinge abzuleiten, die auch am Samstag relevant werden können. Der Ansatz bleibt gleich und ist von der Herangehensweise identisch mit dem, den sehr viele Mannschaften dort suchen. „Über die Arbeit gegen den Ball stabil und aktiv sein“, erklärt Schwarz, „versuchen, Überzahlsituationen herzustellen gegen ihre individuelle Qualität, die sie auf allen Positionen haben. Wichtig wird sein, wenn man nicht viel den Ball hat, dann in den Sequenzen, in denen man in Ballbesitz ist, sehr mutig und sehr schnell zu agieren, um damit dem Gegner das Gefühl zu geben, dass sie in den wenigen Phasen dieses Spiels auch hinterher rennen müssen. Es geht auch darum, sich dann am Ende nicht nur darauf zu besinnen, massiv und konzentriert gegen den Ball zu arbeiten, sondern in diesen Phasen schnell zu sein in der Umschaltung.“ Die Mannschaft müsse von der Psyche her eine Haltung einnehmen, darauf eingestellt zu sein, dass der Gegner viele Räume bespielen möchte. Das bedeute, sein Team müsse Phasen überstehen, ohne große Torchancen herzugeben. „Aufrecht bleiben in der Haltung und mutig im Spiel bleiben“, nennt der 05-Trainer das.

Ein Oktoberfest-Besuch kommt für die Mainzer auf gar keinen Fall infrage. Die erste Englische Woche der Saison steht vor der Tür. Nächsten Mittwoch folgt schon das nächste schwere Spiel zu Hause gegen die TSG Hoffenheim. Drei Tage später stellt sich Hertha BSC Berlin in der Opel Arena vor. Ein Dreierpack in der Bundesliga, dem alle Konzentration und Aufmerksamkeit gilt, weil die Ergebnisse die Richtung vorgeben, wohin der Weg der 05er in dieser Vorrunde führt.

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